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Geschichte|Archäologie

Erste Menschen: Aus Steinewerfern wurden Werkzeugmacher

Bevor die ersten Menschen aus Steinen Werkzeuge machten, benutzten sie sie als Wurfgeschosse. Das glaubt zumindest Alan Cannell aus Curitiba in Brasilien, wie Nature in seiner Online-Ausgabe berichtet. Cannell stellt seine Forschungen in der Fachzeitschrift Journal of Archaeological Science (Bd. 29, Nr. 4, S. 335) vor.

An vielen Plätzen, die von unseren Vorfahren bewohnt wurden, findet man Unmengen von Steinen, die nicht als Werkzeuge benutzt wurden. Cannell glaubt, dass die frühen Menschen diese Steine horteten, um sie im Bedarfsfall als Wurfgeschosse benutzen zu können ? zur Verteidigung gegen Eindringlinge oder zur Jagd. Außerdem vermutet Cannell, dass Menschen ein instinktives Gefühl für das ideale Gewicht eines Wurfgeschosses haben.

Um das zu überprüfen, gab er einer Gruppe junger Männer Steine mit Gewichten zwischen 180 und 1900 Gramm. Sie erhielten die Aufgabe, einen Stein auszusuchen und ihn gegen ein Ziel zu schleudern, um maximalen Schaden anzurichten. Alle wählten einen Stein mit einem Gewicht von 480 Gramm. Frauen bevorzugten dagegen 320 Gramm schwere Steine.

Eine sportmechanische Rechnung ergab, dass Steine dieses Gewichts tatsächlich diejenigen sind, die durchschnittliche Männer bzw. Frauen beim Wurf mit maximaler Energie ausstatten können. Die Bewegungsenergie eines Steins ist seiner Masse und dem Quadrat seiner Geschwindigkeit proportional. Zwar gilt: Je schwerer der Stein, desto größer seine Energie bei gleicher Geschwindigkeit. Aber ab einer gewissen Masse sind Männer bzw. Frauen nicht mehr dazu in der Lage, den Stein auf hohe Geschwindigkeiten zu beschleunigen. Der ideale Wurfstein darf also weder zu leicht noch zu schwer sein.

Cannell will seine Theorie durch systematische Gewichtsmessungen von Steinen, die man bei Wohnstätten der frühen Menschen fand, weiter erhärten. Außerdem plant er eine Zusammenarbeit mit Neurologen, um die Vorgänge im Gehirn von Versuchspersonen während eines Steinwurfs zu untersuchen. „Wir suchen nach irgendeiner Struktur, die während des Werfens aktiv ist und die ideale Steinmasse erkennt“, sagt Cannell. „Das würde beweisen, dass Werfen in einem früheren Stadium unserer Evolution sehr wichtig war.“

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