Erster Weltkrieg: Woher stammte das Holz für die Schützengräben? - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Erster Weltkrieg: Woher stammte das Holz für die Schützengräben?

Schützengraben in Flandern
Mit Holz befestigter Schützengraben aus dem Ersten Weltkrieg. (Foto: Havana1234/ iStock)

Im Ersten Weltkrieg bunkerten sich die Soldaten entlang der Westfront über Jahre in Schützengräben ein. Woher das Holz für diese Bauten stammte, haben nun Archäologen erstmals näher untersucht. Ihre Analysen enthüllen: Zwei Drittel des Holzes stammte von heimischen Nadelbäumen, meist aus der unmittelbaren Umgebung. Später verbauten die deutschen Truppen jedoch auch Holz aus dem Schwarzwald und die Alliierten importierten sogar Nadelholz aus Nordamerika.

Der Erste Weltkrieg war an seiner Westfront über Jahre ein Stellungskrieg. Schon Ende 1914 hatten die Kriegsgegner ein Patt erreicht, bei dem keine Seite nennenswerte Gebiete erobern konnte. Stattdessen wurden Schützengräben ausgehoben, die sich von der belgischen Küste über Frankreich bis zur Schweizer Grenze erstreckten. Zusätzlich zu den befestigten Stellungen umfasste die Infrastruktur dieser rund 700 Kilometer langen Frontlinie auch Stege, Pfosten und Holzmasten für die Kommunikationsleitungen.

Enormer Holzbedarf

„Es ist daher kaum verwunderlich, dass Holz das mit Abstand häufigste Material ist, das bei archäologischen Ausgrabungen solcher Strukturen aus dem Ersten Weltkrieg gefunden wird“, sagen Kristof Haneca von der Flämischen Kulturerbe-Behörde in Brüssel und seine Kollegen. „Die Militäroperationen zwischen 1914 und 1918 hatten einen konstanten und signifikanten Bedarf an Bauholz – sowohl zum Erhalt und zur Reparatur bestehender Infrastruktur als auch für die Konstruktion neuer Verteidigungsstrukturen.“

Doch woher bezogen die Soldaten und militärischen Bautrupps diesen Holznachschub? Um das herauszufinden, haben Haneca und sein Team nun Holzproben von 22 Standorten aus den Weltkriegsstellungen in Flandern nahe der Ypern analysiert. „Gerade an den mit Wasser überfluteten Standorten sind die hölzernen Strukturen oft sehr gut erhalten“, erklären die Archäologen. In ihren Untersuchungen bestimmten sie die verwendeten Baumarten, aber auch – auf Basis der Jahresringe – die mögliche Herkunft der Hölzer.

Man nahm, was verfügbar war

Das Ergebnis: Die Forscher konnten die Holzstrukturen auf 16 Baumarten zurückführen. Rund zwei Drittel der Befestigungen in den Schützengräben bestanden dabei aus schnellwachsenden heimischen Nadelhölzern. Am häufigsten vertreten waren dabei Kiefer, Fichte und Weißtanne – und dies auf beiden Seiten der Front. „Die Ergebnisse demonstrieren große Übereinstimmungen in der Bandbreite der von deutschen oder alliierten Truppen verwendeten Holzarten, berichten Haneca und sein Team.

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Allerdings gab es auch auffallende Ausnahmen: So verwendeten die belgischen, britischen und französischen Truppen auch Ulmenholz für ihre Bauten. „Diese Baumart ist in den südwestlichen Regionen Belgiens heimisch und war daher höchstwahrscheinlich lokalen Ursprungs“, so die Archäologen. Ihrer Ansicht nach waren die Soldaten und Bautrupps beider Seiten beim Einsatz der Holzarten wenig wählerisch, sondern nahmen zunächst das, was vor Ort verfügbar war.

Holzimporte sogar aus Nordamerika

Doch das reichte nicht lange aus. Deshalb wurde teilweise auch Holz von weither an die Front geschafft, wie die Holzanalysen belegen. In drei Proben aus Schützengräben der alliierten Truppen wiesen die Forscher Holz aus Schweden nach. In einem Bunker nahe Ypern war das Holz der Douglasfichte verbaut – einer Baumart, die damals in Europa noch kaum kommerziell angebaut wurde. „Es ist daher unwahrscheinlich, dass es bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Europa schon genügend schlagreife Bäume davon gab“, sagen die Archäologen. „Stattdessen wurden diese Balken wahrscheinlich aus Nordamerika importiert.“

Auch an einigen anderen Probenstellen wiesen die Wissenschaftler ebenfalls nordamerikanische Hölzer in den Stellungen der Alliierten nach. „Der Holzimport aus Nordamerika ist bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass deutsche U-Boote damals sowohl Militär- als auch Handelsschiffe angriffen“, sagen Haneca und seine Kollegen. Auf deutscher Seite der Front griff man nach Erschöpfung der lokalen Holzressourcen offenbar eher auf Bäume aus heimischer Produktion zurück: Einige Holzproben konnten Bäumen aus dem Schwarzwald zugeordnet werden, wie die Forscher berichten.

Quelle: Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2018.172

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