Es gab Mammut und Pflanzenkost - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Es gab Mammut und Pflanzenkost

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Ornamente aus Mammut-Elfenbein von der untersuchten Fundstelle zeugen von der Bedeutung des Mammuts. (Foto: L. Crépin)
Was brutzelte am Feuer und sättigte unsere Vorfahren, als sie sich in Europa breit machten und den Neandertaler verdrängten? Isotopenanalysen von Fossilien des modernen Menschen in Europa belegen nun: Ähnlich wie die Neandertaler schmausten sie vor allem Mammutfleisch sowie pflanzliche Kost – Hinweise auf viel Fisch im Speiseplan der Neuankömmlinge fanden die Forscher hingegen nicht. Dieses Ergebnis spricht somit gegen die Annahme, dass der Homo sapiens in Europa den Neandertaler durch eine flexiblere Ernährungsweise übertrumpfte. Vielmehr standen sie offenbar in einem Konkurrenzkampf um Mammuts.

Migration vor Urzeiten: Anthropologen gehen derzeit davon aus, dass der moderne Mensch sich vor etwa 43.000 Jahren in Europa ausbreitete. Dort stieß er auf seinen archaischen Cousin – den Neandertaler –, dessen Vorfahren Europa bereits lange zuvor erstmals besiedelt hatten. Einige Neandertaler gingen zwar in der neuen Bevölkerung auf, wie ihr genetisches Erbe in uns dokumentiert, aber letztlich verdrängte der moderne Mensch seinen Verwandten. Dazu brauchte er etwa 3000 Jahre, geht aus Funden hervor. „Viele Studien beschäftigen sich mit der Frage wie es zu dieser Verdrängung kam. Eine Hypothese besagt, dass die anatomisch modernen Menschen vielfältiger und flexibler gegessen haben und auch häufig Fisch zu sich nahmen“, erklärt Hervé Bocherens von der Universität Tübingen.

Raffinierter Blick auf die Speisekarte

Um trotz fehlender Nahrungsreste Licht in die Ernährungsgewohnheiten zu bringen, hat das internationale Team den Gehalt stabiler Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotope in den Knochen früher Menschen und von Nahrungsquellen sowie potenziellen Beutetieren untersucht. Dabei kamen etwa Mammuts, Saigas, Pferde, Hirsche oder Fische in Frage. Bei den menschlichen Überresten handelte es sich um die ältesten bekannten europäischen Fossilienfunde in den Buran-Kaya-Höhlen auf der ukrainischen Halbinsel Krim. „Dabei haben wir die Frühmenschen-Funde im Kontext mit der dort einst lebenden Fauna betrachtet“, erklärt Co-Autorin Dorothée Drucker. „Bisher stammen alle Analysen bezüglich der Ernährung der frühen modernen Menschen von isolierten Funden und sind daher schwer zu interpretieren.“

In den Analyseergebnissen zeichnete sich ab: „Die anatomisch modernen Menschen besaßen einen sehr hohen Anteil des Stickstoffisotops 15N“, berichtet Bocherens. „Diese stammen aber nicht – wie bisher vermutet – von der Aufnahme von Fischprodukten, sondern überwiegend von Mammuts“, betont der Anthropologe. Bezüglich pflanzlicher Kost zeigte sich: Der Anteil dieser Nahrungsquelle war zwar bei den anatomisch modernen Menschen höher als bei vergleichbaren Neandertaler-Funden, aber bei beiden Arten schienen Mammuts eine der wichtigsten Nahrungsquellen gewesen zu sein, sagen die Forscher.

Konkurrenz um Mammuts

Ihnen zufolge wirft dies nun Licht auf mögliche Gründe für das vergleichsweise rasche Verschwinden des Neandertalers: „Neandertaler und die frühen modernen Menschen standen laut unseren Ergebnissen bezüglich ihrer Nahrung in direkter Konkurrenz“, so Drucker. „Der Neandertaler hat bei diesem Wettkampf dann wohl den Kürzeren gezogen“, meint der Anthropologe. Was genau die Gründe für einen Nachteil gewesen sein könnten, bleibt damit allerdings weiterhin eine spannende Frage.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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Atomkraftwerke werden in der öffentlichen Meinung immer mal wieder gerne mit Krebs und im speziellen mit Leukämie in Verbindung gebracht. Es gibt vernünftige Studien zu dem Thema und diese basieren auf den Daten des DKKR, des Deutschen Kinderkrebsregisters. Dies hat vor allem zwei Gründe, denn erstens ist es eine inhärente Aufgabe des DKKR statistische Häufungen von Krebsfällen zu erkennen um somit die Bevölkerung zu schützen und zum anderen gibt es keine vergleichsweise zentrale Einrichtung für erwachsene Menschen in Deutschland.

Am meisten Resonanz hat die KIKK-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz von 2007/8 in der Bevölkerung ausgelöst und sie wird bis heute gerne sowohl von Atomkraftgegenern, als auch von Befürwortern zitiert. Diese scheinbar paradoxe Situation liegt vor allem daran, dass das Ergebnis der Studie nicht wirklich klar und eindeutig ist und daher verschiedene Interpretationen zulässt. “Klar und eindeutig” ist hier allerdings in politischen Sinne zu verstehen, denn die wissenschaftliche Aussage ist schon klar, lässt aber eben verschiedenen Interpretationen zu.

Aus den Zahlen des DKKR wurden 1.592 an Krebs erkrankte Kinder und 4.735 gesunde Kinder (unter 5 Jahren) bzgl. ihres Wohnortes untersucht und eine entsprechend signifikante Zahl an Fragebögen wurde an die Eltern verschickt. Bei der Auswertung ist dann herausgekommen, dass es eine statistisch bedeutende Korrelation zwischen einem Wohnort nahe an einem Kernkraftwerk  (5km) und einem (um ca. das doppelte) erhöhten Leukämierisiko gibt. Diese Meinung wird z.B. auch von Greenpeace geteilt, die in allen ihren Interpretationen eben von einem maximal doppelt so hohen Leukämierisiko ausgehen.

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Wie ich in einem vorherigen Artikel zu dem Thema schon geschrieben habe finde ich das extrem wichtig, denn die Interpretation von Greenpeace kann man mit Fug und Recht als WorstCase Szenario (für die betroffenen Menschen) ansehen. Falls die Studien eine Interpretation mit einem höheren Risiko zulassen würde, dann hätte Greenpeace sicherlich diese höheren Zahlen benutzt und nicht nur vom doppelten Risiko gesprochen. Darüber hinaus gesteht Greenpeace auch ein, dass die Interpretation nicht eindeutig ist und das man eben nicht mit 100%tiger Sicherheit sagen kann, dass dieses doppelte Risiko von den Kernkraftwerken her kommt. OK, was ist denn jetzt damit gemeint?

Grundsätzlich gilt Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Nur weil das Risiko für Kinder in der Nähe von AKWs Leukämie zu bekommen erhöht ist, heißt das noch lange nicht, dass die AKWs der Auslöser für diesen Krebs sind. Um von der Korrelation zur Kausalität zu kommen braucht man im wissenschaftlichen Sinne noch ein zweites Kriterium … einen plausiblen, nachweisbaren Wirkmechanismus. Der sollte in diesem Fall eigentlich recht einfach sein, denn ionisierende Strahlung verursacht erwiesenermaßen Krebs/Leukämie. Allerdings wird gerade in der Nähe von Atomkraftwerken ionisierende Strahlung sehr gut überwacht und die Überwachung ergab eben keine erhöhte Strahlung in der Nähe der AKWs.

Dies kann nun auf viele verschiedenen Arten interpretiert werden, von denen ich hier mal ein paar exemplarisch wiedergeben möchte.

  • Die Messdaten der ionisierenden Strahlung sind falsch. Der Grund hierfür kann jetzt sehr unterschiedlich sein.
    • Die Atomlobby hat die Daten gefälscht um keine Strafen zahlen zu müssen.
    • Die Messtation zeigen nur Gamma-Strahlung an. Somit würden inkorporierte Alpha und weiche Beta Strahler, die von den AKWs ausgehen nicht registriert werden.
    • Die ursächliche ioniserende Strahlung ist so gering, dass sie (von den Messtationen) nicht richtig gemessen werden kann.
  • Es gibt einen anderen Grund für die erhöhte Leukämierate
    • Hochspannungsleitungen
    • bestimmte Chemikalien, die in den Gebieten, in denen die AKWs stehen, öfter eingesetzt werden, als in anderen Gegenden z.B. Holzschutzfarbe.
    • sozialökonomische Gründe, wie z.B. Ernährung oder Stress

Alle diese Gründe sind, von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, gleichwertig und die Studie kann leider keine dieser Möglichkeiten ausschließen.

Des weiteren hat die Studie einige Schwachpunkte, die ebenfalls noch weiter dazu beitragen, dass die Ergebnisse nicht eindeutig interpretiert werden können. Der Rücklauf der Fragebögen von den angeschriebenen Eltern war relativ gering. Dadurch ist der Fehler in der Statistik, die sich auf die Fragebögen stützen, verhältnismäßig hoch und damit der Interpretationsraum entsprechend groß. Zusätzlich stützt sich die Auswertung primär auf die Einträge im DKK-Register, was zwar generell eine Lokalisierung des Wohnortes auf 250 Meter Genauigkeit erlaubt, aber gerade bei “unförmigen” Kreisen und Kreisfreien Städten zu größeren Ungenauigkeiten führt. Darüber hinaus ist die absolute Zahl an Fällen so gering, dass nicht zwischen einzelnen AKWs unterschieden werden kann, sondern pauschal für alle 16 untersuchten AKWs gerechnet werden muss. Unter diesen 16 AKWs ist auch das AKW Krümmel, das eine deutlich höhere Zahl als andere AKWs aufweist, aber wegen der geringen Statistik nicht herausgerechnet werden kann.

Hus|tle  auch:  Hust|le  〈[hs()l] m. 6; Mus.〉 in Amerika entstandener Gesellschaftstanz, der paarweise (bes. in Diskotheken) getanzt wird ... mehr

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