Europa - China: Wissenstransfer im 17. Jahrhundert - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Europa – China: Wissenstransfer im 17. Jahrhundert

Das Bergbau-Handbuch "Kunyu gezhi" (1640): Ende des Inhaltsverzeichnisses sowie Siegel. (Fotografie von Dr. Cao Jin, Juni 2015, mit freundlicher Genehmigung der Bibliothek von Nanjing)

Ein neues Forschungsprojekt der Tübinger Sinologie widmet sich einer sensationellen Wiederentdeckung: Kürzlich wurde die 350 Jahre alte chinesische Übersetzung des Bergbauklassikers „De re metallica“ (1556) von Georgius Agricola wiedergefunden. Das seit langer Zeit verschollene Werk war im 17. Jahrhundert von dem Jesuitenmissionar Johann Adam Schall von Bell (1592-1666) im Auftrag der chinesischen Regierung angefertigt worden. Es trug den Titel „Kunyu gezhi“ („Untersuchungen des Erdinneren“) und sollte dazu dienen, das Berg- und Hüttenwesen anzukurbeln, um damit der bedrohten Ming-Dynastie dringend benötigte Finanzmittel zu verschaffen. Dazu kam es aber nicht, da das chinesische Herrscherhaus im Frühjahr 1644 durch Aufstände und Invasoren aus der Mandschurei zu Fall gebracht wurde.

Bisher ging man davon aus, dass das Manuskript der Übersetzung sowie etwaige Kopien in den politischen Wirren der damaligen Zeit vernichtet wurden. Durch einen Zufallsfund wurde die Handschrift nun jedoch in der Bibliothek von Nanjing wiederentdeckt. Hans Ulrich Vogel vom Lehrstuhl für Geschichte und Gesellschaft Chinas an der Universität Tübingen hat nun ein Forschungsprojekt dazu initiiert. Er ist unter anderem Experte für die Geschichte des chinesischen Bergbaus und hat sich bereits vor 25 Jahren intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

Unter welchen Umständen kam es zur Übersetzung?

Wichtige Ziele des breit angelegten Projektes mit dem Titel „Die Übertragung westlicher Naturwissenschaft, Technologie und Medizin ins China der späten Ming-Zeit: Das Kunyu gezhi (Untersuchungen des Erdinneren; 1640) und Taixi shuifa (Hydromethoden des Großen Westens; 1612)“ sind eine vollständige Übersetzung des „chinesischen Agricola“ sowohl ins Deutsche als auch ins Englische. Zudem wollen die Wissenschaftler die historische Übertragung von „De re metallica“ ins Chinesische rekonstruieren sowie die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Umstände dieser interzivilisatorischen Begegnung analysieren.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen
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