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Geschichte+Archäologie

Fisch-Fernhandel in der Wikingerzeit

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Rund 1000 Jahre alte Überreste eines Kabeljaus. (Foto: Dr. James Barrett)
Fischstäbchen, Fish & Chips…: Für den europäischen Appetit auf Fisch liefert Norwegen bekanntlich große Mengen Kabeljau aus den Gewässern des hohen Nordens. Genetische Analysen von rund 1000 Jahre alten Funden von Fischresten in Nordeutschland legen nun nahe, dass dieser Fisch-Fernhandel bereits auf die Wikingerzeit zurückgeht. Offenbar stammte der Kabeljau schon damals aus den weit entfernten Gewässern vor der Küste des nördlichen Norwegens.

Die Studie repräsentiert erneut ein Beispiel dafür, welchen Beitrag die Untersuchung von fossiler DNA zur Klärung vieler interessanter Zusammenhänge liefern kann. In diesem Fall entlockte ein Forscherteam um James Barrett von der University of Cambridge Fischresten aus Haithabu in Schleswig-Holstein das Erbgut. In der Wikingerzeit  befand sich hier eine mit der Ostsee in Verbindung stehende Hafensiedlung, die vom dänischen König kontrolliert wurde.

Weit gereister Kabeljau

Datierungen zufolge stammen die Fischreste von einer Mahlzeit, die sich irgendwann zwischen 800 und 1066 n.Chr. vermutlich ein Bewohner von Haithabu gegönnt hat. „Haithabu war ein wichtiges Handelszentrum im frühen Mittelalter“, betont Barrett. „Ein Ort, wo sich Norden und Süden trafen und Heiden mit Christen zusammenkamen.“

Die Vergleiche der gewonnen DNA mit heutigen Proben deckten auf: Die mittelalterlichen Fischreste trugen die genetische Signatur von Kabeljau, der in den Fischgründen vor den Lofoten im nördlichen Norwegen vorkommt. Die Fische waren demnach vor etwa 1000 Jahren erstaunlich weit gereist: vom nördlichen Polarkreis, über die Ostsee bis ins heutige Schleswig-Holstein. Zuvor stammten die frühesten Belege für einen europäischen Fisch-Fernhandel aus dem 12. Jahrhundert. Die Forscher können zwar bisher nicht ausschließen, dass der Fisch nur als Reiseproviant gedient hatte – es scheint aber deutlich wahrscheinlicher, dass es sich um Importware gehandelt hat. „Fisch war einer der ersten Rohstoffe, der auf einem gemeinsamen europäischen Markt gehandelt wurde“, so Barrett.

Getrocknete Eiweißquelle

Den Forschern zufolge scheinen sich die aktuellen Ergebnisse auch in interessanter Weise in historischen Überlieferungen widerzuspiegeln. Es hat sich bei den untersuchten Funden offensichtlich um die Reste von getrocknetem Fisch gehandelt. Traditionell wird im Norden Norwegens der Kabeljau geschnitten und dann in der kalten arktischen Luft zum Trocknen aufgehängt. Auf diese Weise wird er erstaunlich haltbar. Aus mittelalterlichen Berichten geht hervor, dass er noch nach zehn Jahren essbar war. „Dieses arktische Protein begann offenbar in der Wikingerzeit, die Wirtschaft und Ökologie Europas zu beeinflussen“, sagt Barrett.

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Co-Autor Bastiaan Star von der Universität  Oslo hebt die große Bedeutung des Fischs für die Geschichte und Gegenwart Norwegens hervor: „Fisch, vor allem Kabeljau, war für die Besiedlung von Norwegen seit Tausenden von Jahren von zentraler Bedeutung. Die Kombination von Fischerei im Winter mit der Landwirtschaft im Sommer sicherte die Lebensgrundlage ganzer Regionen in Nordnorwegen“. Star macht in diesem Zusammenhang auf die Gestaltung der neuen Banknoten Norwegens aufmerksam, die perfekt zu den Studienergebnissen zu passen scheint: Die Scheine zeigen ein Wikinger-Schiff und auch der Kabeljau ist abgebildet.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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