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Geschichte|Archäologie

Forensische Geheimnisse um Schwedens Schutzpatron

Schädel und Krone von Erik dem Heiligen. (Mikael Wallerstedt)

Schwedische Forscher haben die Reliquie des legendären Schutzpatrons Schwedens aus dem Dom zu Uppsala untersucht. Den Ergebnissen zufolge handelt es sich wohl tatsächlich um die Gebeine König Eriks IX., der im 12. Jahrhundert über Schweden herrschte. Die forensischen Befunde stimmen außerdem mit den Erzählungen über seinen gewaltsamen Tod überein.

Erik IX. ist eine historische Figur, die im Nebel der mittelalterlichen Geschichte verschwimmt: Historische Fakten gibt es zu ihm nur sehr wenige. Die Legende erzählt von einem ausgesprochen frommen König, der tragisch endetet und schließlich zum Heiligen erklärt wurde. Er soll Schweden von den letzten „Heiden-Nestern“ befreit sowie einen Kreuzzug nach Finnland unternommen haben. Den Überlieferungen zufolge starb er nach zehnjähriger Herrschaft im Jahre 1160. Die Truppe eines Rivalen soll ihn nach einem Kirchenbesuch gestellt, gedemütigt und schließlich enthauptet haben.

Blick auf geheimnisvolle Gebeine

Seit 1257 ist die Reliquie von Erik dem Heiligen im Dom zu Uppsala belegt. Es handelt sich um einen vergoldeten Schrein, der seine Gebeine enthalten soll. Bereits 1946 hatten Experten schon einmal einen Blick auf die Überreste geworfen. Um nun modernere Untersuchungsmethoden einsetzen zu können, wurde der Schrein 2014 erneut geöffnet: Nach einer feierlichen Zeremonie entnahmen schwedische Wissenschaftler die Knochen für umfangreiche Analysen. Nun präsentierte das Forschungsteam die bisherigen Ergebnisse erstmals der Öffentlichkeit.

Wie sie berichten, handelt es sich um insgesamt 23 Knochen, die einem 35 bis 40 Jahre alten Mann gehört haben, der 1,71 Meter groß war. Die Ergebnisse der Radiokarbon-Datierung passen zum Tod Eriks im Jahr 1160. Es sei deshalb davon auszugehen, dass es sich um die Überreste des Königs handelt. Weitere Befunde zeigten, dass er stark, körperlich aktiv und wohlgenährt gewesen sein muss. Die Forscher führten auch Isotopenanlysen durch, die Hinweise darüber liefern können, was ein Mensch einst gegessen hat. Sie belegten, dass Erik wohl eine Ernährung reich an Süßwasserfischen genossenen hat. Darin könnte sich die christliche Tradition widerspiegeln, in der Fastenzeit statt Fleisch Fisch zu essen, sagen die Forscher.

Befunde im Einklang mit den Legenden

Am Schädel offenbarten die Untersuchungen Spuren zweier verheilter Wunden. Sie könnten von Verletzungen stammen, die sich Erik auf seinem legendären Kreuzzug nach Finnland zugezogen hat. Was sein Ende betrifft, heißt es in den Legenden, er sei nach einem Kirchenbesuch in Uppsala von Feinden umzingelt und schließlich zu Fall gebracht worden. Nachdem sie ihn gedemütigt hatten, wurde ihm schließlich der Kopf abgeschlagen. Bei den Untersuchungen stellten die Experten nun neun Wunden fest, die ihm zur Zeit seines Todes zugefügt worden waren. Die meisten davon an den Beinen. Vermutlich trug Erik bei seinem letzten Kampf eine Rüstung, die nur seine Beine nicht schützte, sagen die Wissenschaftler.

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Der finale Schlag zeichnet sich ihnen zufolge ebenfalls ab: Einer der Halswirbel aus dem Reliquienschrein ist durchgeschlagen. Vermutlich war der entsprechende Hieb nur möglich gewesen, nachdem dem König die Rüstung abgenommen worden war. Dies deckt sich mit der Überlieferung der Demütigung, die zwischen Kampf und Enthauptung stattgefunden haben soll. Das Fazit der Experten lautet somit: Alle Befunde entsprechen der Legende, die erst über 100 Jahre später erstmals niedergeschrieben worden war.

Quelle: Uppsala University
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