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Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Freunde erkennen sich sofort

Die ersten Minuten beim Kennenlernen entscheiden, ob sich zwischen zwei Menschen eine enge Freundschaft entwickelt oder lediglich eine lockere Bekanntschaft. Dass der erste Eindruck häufig entscheidend ist, wissen Psychologen bereits länger. Doch das Urteil wird viel schneller gefällt als angenommen und bestimmt den weiteren Verlauf der Bekanntschaft, haben amerikanische Kommunikationswissenschaftler herausgefunden. Das berichtet die Staatsuniversität von Ohio in Columbus.

Artemio Ramirez von der Staatsuniversität Ohio in Columbus und sein Kollege Michael Sunnafrank von der Universität Minnesota in Duluth rekrutierten für ihre Untersuchung insgesamt 164 Studienanfänger. Sie wiesen die Teilnehmer jeweils einem gleichgeschlechtlichen Studienkollegen zu, den sie bis dahin nicht kannten. Die Studenten sollten sich einander vorstellen und hatten entweder drei, sechs oder zehn Minuten Zeit, sich zu unterhalten.

Nach diesem ersten kurzen Kennenlernen mussten die Probanden anhand von Fragebögen beurteilen, wie positiv sie die künftige Beziehung mit der neuen Bekanntschaft einschätzten, welche Gemeinsamkeiten sie hätten und wie sehr sie den anderen mögen. Außerdem sollten sie kurz abschätzen, ob sich eine flüchtige Bekanntschaft, eine zwanglose Bekanntschaft, eine Bekanntschaft, eine enge Bekanntschaft, eine Freundschaft oder eine enge Freundschaft entwickelt.

Nach neun Wochen überprüften die Forscher, welche Beziehung bis dahin tatsächlich zwischen den Studenten entstanden war. Die einfache Einschätzung, wie positiv sich die Beziehung entwickeln würde, sagte am besten voraus, welche Art von Bekanntschaft entstand, fanden Ramirez und Sunnafrank. Das war viel wichtiger als eventuelle Gemeinsamkeiten oder Sympathie und völlig unabhängig davon, ob die Versuchsteilnehmer drei, sechs oder zehn Minuten Zeit füreinander gehabt hatten.

Wer erwartet, dass sich eine engere Beziehung zu einem anderen entwickelt, verhält sich ganz anders, erklären die Forscher. Er setzt sich zum Beispiel eher neben den anderen und erzählt mehr über sich. „Das ist wie eine selbsterfüllende Prophezeiung“, sagt Ramirez. „Wir fällen eine Entscheidung über die Art der Beziehung und das hilft uns zu bestimmen, wie viel Bemühungen wir bereit sind, in diese Beziehung zu investieren.“

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In weiteren Versuchen wollen die Forscher nun herausfinden, ob das gleiche auch für Liebesbeziehungen gilt. Dann könnten ganz kurze Dates tatsächlich Sinn machen. „Romantische Beziehungen sind vermutlich ähnlich ? sie beginnen auch mit Menschen, die sehr schnell ein Urteil fällen“, sagt Ramirez.

ddp/bdw ? Cornelia Dick-Pfaff
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ad|di|tiv  〈Adj.; bes. Math.〉 auf Addition beruhend ● ~e Gesamtschule Typ der G., bei dem verschiedene, nebeneinander bestehende Schularten in gemeinsamen Gebäuden untergebracht sind; ... mehr

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