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Südsee

Frühe Seefahrer im Spiegel der Genetik

Mikronesien ist eine Region in der Südsee, die von über 2000 tropischen Inseln und Atollen geprägt ist. © Norimoto

Den frühen Bewohnern Mikronesiens auf der Spur: Forscher haben durch Analysen alter DNA Hinweise auf die Besiedlungsgeschichte dieser Inselwelt des westlichen Pazifiks gewonnen sowie auf eine spezielle Geschlechter-Regel bei den frühen Seefahrern. Demnach kamen Menschen ab der Zeit vor etwa 3500 Jahren in fünf Migrationswellen von unterschiedlichen südostasiatischen Inseln in die Südseeregion. Außerdem zeigten sich genetische Spuren einer sogenannten Matrilokalität: Männer suchten sich Partnerinnen in der Ferne und ließen sich dann in der Gemeinschaft der Frau nieder.

Dem aktuellen Stand der Forschung zufolge entstand der moderne Mensch in Afrika, breitete sich anschließend in der Welt aus und auch später war die Menschheitsgeschichte immer wieder von weiteren Migrationswellen geprägt. Einblicke in diese Entwicklungen gewinnen Forscher mittlerweile immer häufiger durch die moderne Genetik: Durch Vergleiche des Erbguts von Populationen und durch Analysen von DNA-Resten aus Knochenfunden sind Rückschlüsse auf die Geschichte der Bevölkerungsentwicklungen möglich. Im Fokus der aktuellen Studie stand dabei nun eine Region, die eher spät besiedelt wurde: die Inselwelt Mikronesiens.

Fünf Migrationswellen zeichnen sich ab

Bisherigen Informationen zufolge erreichten Menschen vor etwa 50.000 Jahren zunächst Australien, Neuguinea, das Bismarck-Archipel und die Salomonen. Aber erst vor 3500 Jahren drangen sie dann auch ins entferntere Ozeanien vor, nachdem sie die Technologie entwickelt hatten, um offene Gewässer in Langstreckenkanus zu überqueren. Diese Expansion umfasste dann schließlich auch die Region Mikronesien. Es handelt sich dabei um etwa zweitausend kleine Inseln im westlichen Pazifik nördlich des Äquators. Details der Besiedlungsgeschichte dieser Inselwelt blieben bisher allerdings im Dunkeln.

Um Einblicke zu gewinnen, haben die Forscher um Yue-Chen Liu von der Harvard Medical School in Boston Genome aus 164 menschlichen Überresten aus verschiedenen archäologischen Stätten der Region untersucht. Sie stammen aus der Zeit von vor 2800 bis 500 Jahren. Zudem analysierten sie DNA von 112 heutigen Menschen aus demselben Gebiet. Wie das Team berichtet, zeichneten sich in ihren Ergebnissen nun fünf verschiedene Migrationswellen nach Mikronesien ab. Drei davon kamen aus Ostasien, eine aus Polynesien und eine papuanische Abstammungsline stammte offenbar vom nördlichen Rand des Festlands von Neuguinea. „Diese Migrationen, die wir anhand der alten DNA dokumentieren konnten, sind die Schlüsselereignisse, die die einzigartige Geschichte dieser Region geprägt haben“, sagt Liu.

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Die Männer zogen zu den Frauen

Besonders interessant ist jedoch ein Muster in den genetischen Befunden, das sogar Rückschlüsse auf kulturelle Verhaltensweisen der frühen Bewohner der Region ermöglicht. Die Forscher stellten grundsätzlich fest, dass sich die weibliche mitochondriale DNA, die nur von Müttern weitergegeben wird, zwischen den Inselgemeinschaften stark unterschieden hat. Innerhalb der Gemeinschaften auf den vielen pazifischen Inseln war sie aber auffallend ähnlich. Den Forschern zufolge lässt sich dies durch die kulturelle Praktik der sogenannten Matrilokalität erklären: Frauen blieben nach der Heirat in ihren Gemeinschaften, während die Männer häufiger aus der Gemeinschaft ihrer Mütter auszogen, um in der ihrer Frauen zu leben. Diese Praxis unterscheidet sich also von derjenigen patrilokaler Gesellschaften, in denen es überwiegend die Frauen sind, die ihre eigenen Gemeinschaften verlassen. Diese Ergebnisse stützen damit nun die Vermutung, dass die frühesten Seefahrer der Welt über weibliche Linien organisiert waren, sagen die Forscher.

„Es ist ein unerwartetes Geschenk, aus genetischen Daten etwas über kulturelle Muster lernen zu können“, sagt Seniorautor David Reich von der Harvard Medical School. „Heutzutage gibt es in traditionellen Gemeinschaften im Pazifik sowohl patrilokale als auch matrilokale Bevölkerungsstrukturen, und es gab deshalb eine Debatte darüber, was die gängige Praxis in den ursprünglichen Populationen gewesen sein könnte. Unsere Ergebnisse legen nun nahe, dass bei den frühesten Seefahrern die Matrilokalität die Regel war“, resümiert der Wissenschaftler.

Quelle: Harvard University, Fachartikel: Science, doi: 10.1126/science.abm6536

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