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Geschichte+Archäologie

Frühe Tabakspuren in den USA entdeckt

In diesem Bruchstück einer Pfeife fanden Forscher Spuren von Nikotin. (Bild: Stephen Carmody et al, Troy Univeristy)

Die Bedeutung des Tabaks geht weit über die berühmte Friedenspfeife der Prärie-Indianer  hinaus: Der Gebrauch der berühmten Pflanze hat tiefe Wurzeln in den altindianischen Kulturen der Neuen Welt. Doch wann breitete sich diese Tradition von den südlichen Ursprungsregionen der Tabak-Kultur bis zu den Völkern auf dem Gebiet der heutigen USA aus? Deutlich früher als bisher gedacht, belegen nun Nikotinspuren in einem Bruchstück einer über 3500 Jahre alten Pfeife.

Als die Europäer die Neue Welt erreichten, war Tabak schon lange ein fester Bestandteil der meisten indianischen Kulturen des Doppelkontinents. Um die Wirkung des Nikotins zu entfachen, verwendeten die Menschen das Pflanzenmaterial auf unterschiedliche Weise – es wurde gekaut, aufgebrüht, verräuchert oder durch verschiedene Methoden geraucht. In vielen der altindianischen Kulturen galt Tabak zudem als heilig und wurde bei religiösen Zeremonien verwendet.

Dem Tabak auf der Spur

Der Ursprung dieser Tradition liegt allerdings im Nebel der Geschichte verborgen – doch Untersuchungen konnten zumindest die Herkunft der Tabakpflanze lokalisieren: Sie stammt aus dem nördliche Andenhochland in Südamerika. Dort wurzelt demnach auch die Verwendung des Tabaks, die sich anschließend ausbreitete. Über Mittelamerika erreichten Gebrauch und Anbau irgendwann schließlich auch Nordamerika. Der bisher älteste direkte Nachweis der Verwendung von Tabak zum Rauchen nördlich des heutigen Mexiko ist rund 2500 Jahre alt. Es gab allerdings bereits Vermutungen, dass diese Zeit nicht den Beginn dieser Form der Tabak-Kultur im Norden markiert. Die neuen Ergebnisse zeigen nun, dass das Tabakrauchen zu dieser Zeit dort sogar schon mindestens seit tausend Jahren etabliert war.

Bei dem Beweisstück handelt es sich um ein Pfeifenfragment, das bereits vor rund 80 Jahren an einem Seitenarm des Tennessee Rivers im Norden des südöstlichen US-Bundesstaats Alabama gefunden worden war. Das Objekt ist aus Kalkstein geschnitzt und mit Kreisen und Winkeln verziert. Wie die Forscher um Stephen Carmody von der Troy University in Alabama berichten, geht aus einer Radiokarbon-Datierung von Beifunden klar hervor, dass das Pfeifenstück von einer indigenen Gesellschaft der späten archaischen Periode stammt – aus der Zeit von 1685 bis 1530 v. Chr..

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Nikotin nachgewiesen

Wie sie erklären, ist eine Pfeife an sich allerdings noch kein Beweis für Tabakkonsum. Auch andere Pflanzenmaterialien könnten darin verbrannt worden sein. Dass damals tatsächlich bereits Tabak in dem Fundstück geglimmt hat, ergab eine massenspektrometrische Analyse von Ablagerungen. Die Forscher konnten darin den molekularen „Fingerabdruck“ der prominenten Wirksubstanz nachweisen: Nikotin. Somit kommt nur Material der Pflanze Nicotiana tabacum in Frage – Tabak.

„Tabak ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Pflanze für die ursprünglichen Völker unserer Region“, sagt Carmody. „Wir freuen uns, nun den frühesten bekannten Gebrauch deutlich vordatieren zu können“, resümiert der Wissenschaftler. Auch Vertreter der Cherokee Indianer der Region, die die Studie unterstützt haben, freuen sich über die Ergebnisse. Russell Townsend, Stammesschutzbeauftragter der östlichen Cherokee sagt dazu: „Die Analyseergebnisse der Rückstände aus dieser archäologischen Pfeife haben unserem Stamm wichtige Informationen über den prähistorischen Tabakkonsum geliefert“, sagt Townsend. „Zudem veranlasst uns die sehr frühe Datierung, Annahmen über die Ursprünge der Landwirtschaft im Südosten Nordamerikas neu zu überdenken. Die Implikationen dieser Arbeit sind sehr spannend“, so der Stammesschutzbeauftragte der östlichen Cherokee.

Quelle: Troy Univeristy, Journal of Archaeological Science: Reports doi: 10.1016/j.jasrep.2018.05.013

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