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Geschichte+Archäologie

Früheste Kopie einer Weltkarte von Amerigo Vespucci entdeckt

Vespuccis Karte
Portrait von Amerigo Vespucci und die 1505 gedruckte Kopie seiner Weltkarte (Bild: Grafissimo/iStock, UB Rostock)

Der Seefahrer und Entdecker Amerigo Vespucci erkundete nicht nur die Neue Welt, er war auch einer der ersten, der die neuentdeckten Regionen kartographisch festhielt. Die erste bekannte Kopie einer von Vespucci erstellten Weltkarte hat nun ein Historiker in Rostock identifiziert. Die in einer von Vespucci selbst entwickelten Projektion erstellte Karte fand sich in einem 1505 entstandenen Druck seiner Reisebeschreibung „Novus Mundus“.

Bevor Amerigo Vespucci zum Entdecker wurde, war er als Kaufmann bei der einflussreichen Familie der Medici angestellt. In ihrem Dienst leitete er eine Filiale des Bankhauses in Sevilla, die unter anderem daran beteiligt war, die erste Reise des Christoph Kolumbus zu finanzieren. Doch um 1500 unternahmen Vespucci dann selbst mehrere Reisen nach Südamerika, von denen er in Briefen und in seiner Reisebeschreibung „Novus Mundus“ berichtete. Vespucci war der erste Europäer, der erkannte, dass die von Kolumbus entdeckten Gebiete nicht zu Asien gehören konnten. Ihm zu Ehren bezeichnete der deutsche Geograph Martin Waldseemüller den neuen Kontinent seit 1507 auf seinen Karten nach dem Vornamen Vespuccis „America“.

Eine neue Kartenprojektion

Doch auch Vespucci war ein begabter Kartograph. Einem Brief, den er am 18. Juli 1500 an seinen Dienstherrn Lorenzo di Pierfrancesco de Medici schrieb, fügte er zwei selbstgezeichnete Karten der neu erkundete Gebiete bei. „Aus dem Brief geht hervor, dass Vespucci eine neue kreisrunde Projektion erarbeitet hat, auf die er sehr stolz war“, erklärt der Historiker und Professor emeritus Gyula Pápay von der Universität Rostock. „Diese Projektion benutzte er nur für die Darstellung der Alten Welt.“ Für die Darstellung der westlichen Hemisphäre, die größtenteils noch unentdeckt war, verwendete er hingegen eine Karte „in figura piana“. Die Grundlagen solcher Plattkarten gehen bis auf die Antike zurück.

Die runde Karte diente Vespucci demnach für die Darstellung des Bekannten und die unrunde Karte der Entdeckung des Unbekannten. Damit hatte der Entdecker eine eigene Konzeption der Kartographie entwickelt, die von der damals üblichen Praxis abwich. Doch was aus den Karten wurde, die Vespucci 1500 nach Italien sandte, ist unbekannt. Bis heute ist kein Exemplar dieser Karten erhalten und auch Kopien gab es nicht – bis jetzt. Denn nun hat Pápay die erste und vollständigste bekannte Kopie einer Karte von Vespucci entdeckt – in der Universitätsbibliothek Rostock.

Entdeckung in einem Druck aus dem Jahr 1505

Die Weltkarte verbarg sich in einem 1505 in Rostock von Hermann Barckhusen hergestellten Druck von Vespuccis Reisebeschreibung „Novus Mundus“. Das gut 500 Jahre alte Werk ist die einzige Ausgabe dieser Reisebeschreibung, die eine Weltkarte enthält. Doch weil kein Kartenautor genannt wurde und niemand die Karte genauer untersucht hatte, hielt man sie bisher für eine der damals
üblichen Weltdarstellungen. Erst als Pápay die Karte näher untersuchte und Nachforschungen anstellte, wurde ihre einzigartige kulturhistorische Bedeutung klar: „Bei der Rostocker Karte handelt es sich wahrscheinlich um die einzige Karte, die am vollständigsten eine Karte von Vespucci zumindest als Kopie für die Nachwelt bewahrt hat.“

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Wie der Historiker herausfand, wurde diese Kopie von Vespuccis Weltkarte nicht in Rostock erstellt. „Sie ist die Kopie einer mit großer kartographischer Fachkenntnis erarbeiteten Karte, die 1478 in Rom erschien“, erläutert Pápay. Sowohl das Original als auch die Druckvariante dieser Karte sind jedoch verschollen. Die früheste und vollständigste Kopie ist nun in der in Rostock gedruckten Ausgabe des „Novus Mundus“ aufgetaucht. Der Forscher und sein Team planen nun die Herausgabe eines Sammelbandes zu der Karte im Jahr 2021.

Quelle: Universität Rostock

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Wissenschaftslexikon

Vor kurzem hatte ich hier anlässlich der von Trump befohlenen Tötung des iranischen Generals Soleimani zum einen die Frage nach der Verantwortung für die Folgen unseres Handelns gestellt, wenn diese Folgen nur bedingt absehbar sind, zum anderen, inwieweit ein utilitaristisches Aufrechnen von Toten Trumps Handeln legitimieren könnte. Ob viele Leben mehr wiegen als eines, der Maxime folgend, dass das größte Wohl für die größte Anzahl von Menschen der Maßstab für richtig und falsch ist (Jeremy Bentham), oder ob man die Auffassung vertritt, dass man nie einen Menschen nur als Mittel, z.B. für das Wohl anderer, betrachten darf (Immanuel Kant), sind Grundfragen der philosophischen Ethik. Kant hat konsequenterweise auch den Tyrannenmord abgelehnt.

Ein wichtiger Diskussionsstrang, und zwar gerade mit Blick auf absehbare Folgen des eigenen Handelns, intendierte wie nichtintendierte, aber bewusst in Kauf genommene, rankt sich dabei um das sogenannte „Trolley-Problem“. Sein Kern: Man sieht einen Zug auf mehrere Personen zurollen und könnte das verhindern, indem man den Zug dadurch stoppt, einen dicken Mann vor den Zug zu werfen. Dieses Gedankenexperiment wird in der Literatur in verschiedenen Varianten durchgespielt, um herauszufinden, wie unsere ethische Intuition funktioniert, was wir als richtig empfinden und was als falsch. In jüngster Zeit ist es hochaktuell geworden, weil es unmittelbare Konsequenzen für die Programmierung selbstfahrender Autos in hypothetischen Unfallszenarios hat.

Hier im Blog ist weder der Raum, um das Trolley-Problem in seiner ganzen Komplexität zu entfalten, noch überschaue ich diese Diskussion in Gänze, daher will ich dazu eigentlich nur ein tolles Buch von David Edmonds empfehlen: „Würden Sie den dicken Mann töten?“, Reclam, Stuttgart 2015. Von David Edmonds gibt es übrigens auch noch ein anderes sehr lesenswertes und auf Deutsch erschienenes Buch, das er zusammen mit John Eidinow geschrieben hat: „Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Feuerhaken drohte“. Da geht es aber um ganz andere Themen.

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Beim Stichwort „dicker Mann“ könnte man natürlich auf die Idee kommen, diese Rolle probehalber einmal mit Trump zu besetzen, aber die Geschichte verschiebt sich dadurch in Richtung des Tyrannenmordes. Ebenso, wenn man die Rolle mit Soleimani besetzt. Im Trolley-Problem nimmt aus guten Gründen eine unbeteiligte und unschuldige Person die Rolle des „dicken Mannes“ ein, d.h. zwischen ihr und den durch ihr „Opfer“ zu rettenden Menschen gibt keine Verbindung, keine direkten und keine indirekten. Das grenzt die utilitaristische Frage klar von der Frage der Prävention oder Vergeltung ab.

Falls gelernte Philosophen hier mitlesen und ihnen jetzt die Haare zu Berge stehen: zumindest dieses Problem habe ich nicht.

http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/01/19/unser-handeln-unsere-verantwortung-eine-buchempfehlung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=unser-handeln-unsere-verantwortung-eine-buchempfehlung

Ap|fel|wick|ler  〈m. 3; Zool.〉 Schmetterling aus der Familie der Wickler, dessen Raupe das Gehäuse von Äpfeln ausfrisst: Carpocapsa pomonella

Ac|ryl|ni|tril  auch:  Ac|ryl|nit|ril  〈n. 11; Chem.〉 wichtiger, gesundheitsschädlicher Ausgangsstoff für die Herstellung von Kunststoffen u. Kunstfasern ... mehr

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