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Israel

Frühester Beleg für Opiumgenuss weltweit

Gefäße
Gefäße in einem Bronzezeitgrab von Tel Yehud und ein zypriotisches Basis-Ring-Gefäß. © Assaf Peretz, Clara Amit/ Israel Antiquities Authority

Schon vor 3500 Jahren konsumierten Menschen im Nahen Osten das Rauschmittel Opium und importierten die Droge dafür. Indizien dafür haben Archäologen in bronzezeitlichen Gräbern in der Nähe von Tel Aviv entdeckt. In Rückständen mehrerer Keramikgefäße aus diesen Gräbern wiesen sie neben Pflanzenölen auch Opioid-Alkaloide nach. Dies spricht dafür, dass die Menschen damals das Opium im Rahmen von Ritualen verwendeten und es ihren Toten auch mit ins Jenseits gaben.

Berauschende Drogen haben in der Menschheitsgeschichte eine lange Tradition: Schon vor 5000 Jahren beschrieben sumerische Keilschrifttafeln den Anbau von Schlafmohn und bezeichneten das aus ihm gewonnene Opium als „Gil“, was so viel heißt wie Glück. Von den Assyrern ist überliefert, dass sie den opiumhaltigen Mohnsaft mithilfe spezieller Eisenschaber von den reifen Mohnkapseln abstreiften. Im alten Ägypten wurde ebenfalls Schlafmohn angebaut, die Nutzung des daraus gewonnenen Opiums im Rahmen von kultischen Riten war allerdings einer Elite von Priestern und Kriegern vorbehalten. Von Kleinasien aus fand das Opium in der Antike dann auch seinen Weg nach Griechenland und Rom.

Bronzezeitgräber mit importierter Keramik

Doch obwohl es viele textliche Hinweise auf eine Nutzung von Opium vor allem im Rahmen von Zeremonien und religiösen Ritualen dieser frühen Kulturen gibt, sind archäologische Belege dafür bisher rar. Umso spannender sind nun Funde, die Archäologen um Vanessa Linares von der Universität Tel Aviv in Tel Yehud nahe der Stadt Tel Aviv gemacht haben. Weil dort eine Siedlung gebaut werden sollte, führte das Team eine Rettungsgrabung durch. In ihrem Verlauf entdeckten sie dort hunderte Gräber aus der späten Bronzezeit. Die Gräber stammten aus dem 18. bis 14. Jahrhundert vor Christus und enthielten Grabbeigaben unter anderem in Form von Keramikgefäßen.

„In den Gräbern platzierte Keramikgefäße wurden für zeremonielle Mahlzeiten, Riten und Rituale genutzt, die von den Lebenden für ihre toten Familienangehörigen durchgeführt wurden“, erklärt Ron Be’eri von der israelischen Archäologiebehörde. „Die Toten wurden mit Speisen und Getränken geehrt, die entweder direkt in die Gefäße gegeben wurden oder die bei einem Fest am Grab konsumiert wurden, bei denen die Toten als Mitfeiernde angesehen wurden.“ Bei einigen der in Tel Yehud entdeckten Grabeigabengefäße handelte es sich jedoch nicht um Keramik heimischer Machart, sondern um sogenannte Basis-Ring-Gefäße aus Zypern. Diese kleinen, bauchigen Keramikgefäße ähneln einer auf dem Kopf stehenden Schlafmohnblüte und stehen daher schon länger im Verdacht, als Behälter für Opium gedient zu haben.

Opium am Grab der Verstorbenen

Für ihre Studie haben Linares und ihr Team 22 Keramikgefäße aus den Bronzezeitgräbern von Tel Yehud ins Labor gebracht und Proben von der inneren Gefäßwand entnommen. Diese Proben unterzogen sie dann einer chemischen Analyse mithilfe der Gaschromatografie-Massenspektrometrie (GC-MS) – in der Hoffnung, dort Rückstände des Inhalts zu finden. Die Analysen ergaben, dass acht der in den Gräbern gefundenen Basis-Ring-Gefäße neben Rückständen von Pflanzenölen, Wachsen und weiteren organischen Verbindungen auch Opioid-Alkaloide enthielten, darunter Opiansäure, Morphine und weitere Abbauverbindungen von Opium.

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Nach Angaben der Archäologen spricht dies dafür, dass in diesen Gefäßen einst Opium enthalten war. Die rund 3500 Jahre alten Grabgefäße aus Tel Yehud sind damit der bisher älteste eindeutige Nachweis einer Nutzung von Opium weltweit, wie das Team erklärt. Gleichzeitig ist dies auch das älteste archäologische Zeugnis für den Gebrauch von halluzinogenen Drogen überhaupt. Linares und ihre Kollegen vermuten, dass das Opium in Tel Yehud bei Bestattungsritualen verwendet wurde. „Wir wissen allerdings nicht, was die genaue Funktion des Opiums bei diesen Totenzeremonien war: Die Kanaaniter von Tel Yehud könnten geglaubt haben, dass die Toten das Opium im Jenseits benötigten“, sagt Linares. Denkbar wäre aber auch, dass die Priester die Droge beim Totenritual konsumierten, weil sie so glaubten, mit den Geistern der Toten in Verbindung treten zu können.

Der Nachweis der Opium-Rückstände in den bronzezeitlichen Gefäßen wirft damit neues Licht auf die Bestattungsrituale im alten Kanaan und auf die Rolle von Opium in den Kulturen der späten Bronzezeit. Gleichzeitig unterstreicht der Fund von Opiumgefäßen aus Zypern auch, dass diese Droge als wertvolles Gut über weite Entfernungen hinweg gehandelt worden sein muss. „Man muss bedenken, dass das Opium aus Schlafmohn erzeugt wurde, der damals in Kleinasien wuchs, während die Gefäße in den Gräbern aus Zypern stammten“, sagt Linares. „Das Opium ist demnach über mehrere Stationen nach Kanaan gelangt – das unterstreicht die große Bedeutung, die dieser Droge damals beigemessen wurde.“

Quelle: Tel Aviv University; Fachartikel: Archaeometry, doi: 10.1111/arcm.12806

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