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Funde in Baden-Württemberg

Frühmittelalterliches Doppelgrab entdeckt

Die beiden Gräber liegen im Zentrum einer kreisförmigen Struktur, die auf einen einstigen Grabhügel schließen lässt. © AAB, Stephan Weber, Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

Rettungsgrabung mit Überraschungsfunden: Archäologen sind in Kirchheim am Neckar auf eine interessante Grabanlage aus dem frühen Mittelalter gestoßen. Im Zentrum eines Kreisgrabens fanden sie zwei Holzkammergräber, in denen eine Frau und ein Mann bestattet lagen. Glücklicherweise haben Grabräuber sie zumindest nicht komplett geplündert: Das Team entdeckte teilweise kostbare Grabbeigaben, aus denen hervorgeht, dass es sich um die Ruhestätte eines Paares aus der Oberschicht der Region gehandelt hat.

„Da könnten Spuren aus der Vergangenheit im Boden schlummern“: Aus früheren Funden ging bereits hervor, dass sich im Bereich der Friedrichstraße von Kirchheim am Neckar einst das Gräberfeld des historischen Ortes befunden hat. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das nördlich von Ludwigsburg im Großraum Stuttgart gelegene „Reichsdorf“ im Jahr 1003. Eine geplante Bebauung auf zwei Teilstücken des bekannten Areals rief nun Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg (LAD) auf den Plan: Es galt, mögliche Funde zu dokumentieren und zu sichern. Was die Rettungsgrabung zutage förderte, übertraf allerdings die Erwartungen der Archäologen deutlich, berichtet das LAD.

Prächtige Grabbeigaben

Neben der lockeren Belegung durch normale Erdgräber, die wohl das Südwestende des einstigen Gräberfeldes von Kirchheim kennzeichnen, stießen sie auf einen sogenannten Kreisgraben. Es handelt sich dabei um eine Struktur im Boden, die auf einen früheren Grabhügel schließen lässt. Darin entdeckte das Team eine rund viereinhalb mal vier Meter große Zentralbestattung, die aus zwei Einzelgräbern besteht. „Bei der Freilegung zeigte sich, dass es sich um zwei direkt benachbarte Holzkammergräber handelt, die im unteren Teil aus dem Fels gearbeitet waren“, berichtet Dorothee Brenner vom LAD. In der nördlichen Kammer stießen die Archäologen auf die Überreste einer Frau, in der südlichen eines Mannes.

Es zeichnete sich ab, dass beide Gräber leider beraubt worden waren – doch offenbar nicht vollständig: „Die Beraubung fand wahrscheinlich nach Einbrechen der hölzernen Grabkammern statt. Glücklicherweise blieb der Bereich unterhalb der Knie der Toten aber unberührt“, sagt Brenner. Zumindest ein kostbares Objekt entging den Grabräubern aber im oberen Körperbereich des männlichen Toten: Es handelt sich um eine Goldmünze, die ihm in den Mund gelegt worden war. Im Fußbereich des Mannes fand das Team unter anderem einen großen verzierten Kamm aus Knochen sowie Bänder aus Silberblech und einen gläsernen Becher. Außerdem entdeckten sie ein Bronzegefäß, in dem sich die Spuren von organischem Material befanden. Zudem stießen sie auf Abdrücke und Fragmente von Waffen sowie die Spuren von Pferdezaumzeug. Direkt neben dem Kreisgraben fand das Team auch das Grab eines Pferdes, das offenbar mit dem samt Zaumzeug bestatteten Mann in Verbindung stand.

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Ein Paar der Oberschicht

Zierscheibe und Cypraea aus dem Frauengrab. © AAB, Stephan Weber, Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

Auch in dem Frauengrab waren den Grabräubern einige prächtige Beigaben entgangen, berichtet das LAD: Neben einem Webschwert, einer Schere und einem Glasbecher fanden die Archäologen eine Perlenkette, Goldanhänger mit Einlagen aus dem Schmuckstein Almandin und eine Scheibenfibel. Ein interessanter Fund ist zudem ein Gürtelgehänge mit einer Zierscheibe und dem Haus einer Cypraea-Schnecke. Diese auch Porzellanschnecken genannten Weichtiere leben im Indischen Ozean.

Auf der Grundlage der Befunde ordnen die Archäologen das Doppelgrab grob dem Frühmittelalter zu, das bis in die Mitte des 11. Jahrhunderts reichte. „Wir können hier von der Bestattung eines Paares der frühmittelalterlichen Oberschicht von Kirchheim am Neckar ausgehen, das sich unter anderem durch den Abstand zu den restlichen Gräbern von der Allgemeinheit absetzen lässt“, interpretiert Brenner die Bedeutung der Funde. Kirchheim am Neckar besitzt somit nun ein eindrucksvolles sowie geheimnisvolles Zeugnis seiner Geschichte.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg

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