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Geschichte|Archäologie

Fund in bronzezeitlicher Proviant-Dose

Überreste der bronzezeitlichen Dose vom Lötschenpass. (Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Badri Redha )

In einem rund 4000 Jahre alten Behälter haben Forscher die Überreste des Proviants entdeckt, den einst bronzezeitliche Wanderer im alpinen Hochgebirge mit sich nahmen. Überraschenderweise handelte es sich nicht um Milchprodukte, sondern um Nahrungsmittel aus Gerste sowie der frühen Weizenarten Dinkel und Emmer, ergab eine vielversprechende neue Nachweismethode.

Für Archäologen im Alpenraum hat der Klimawandel einen günstigen Nebeneffekt: Die schmelzenden Gletscher geben immer öfter Funde aus der Vergangenheit preis. So auch am Lötschenpass, auf 2690 Metern Höhe in den Berner Alpen. Dort hat das Eis eine etwa 20 Zentimeter breite Dose aus Pflanzenmaterialien freigegeben: Ihren Boden aus Zirbenholz verbinden gespleißte Lärchenzweigen mit einem Rand aus Weidenholz. Die Radiokarbondatierung ergab ein Alter von rund 4000 Jahren – die Dose stammt demnach aus der frühen Bronzezeit.

Ein internationales Forscherteam hat den Fund nun genau unter die Lupe genommen. Zunächst offenbarten mikroskopische Untersuchungen: In der Dose klebten noch Reste von Gerste sowie der frühen Weizenarten Dinkel und Emmer, einschließlich Samenschalen und Spreu. Eigentlich vermuteten die Wissenschaftler in dem Gefäß Spuren von Milchprodukten, zum Beispiel von Milchbrei. Daher unterzogen sie den Fund zusätzlich einer molekularen Analyse. Milchbestandteile fanden sie nicht, stattdessen aber sogenannte Alkylresorcine, wie sie in heutigen Vollkornprodukten zu finden sind.

„Von keinem archäologischen Fundstück wurde bisher über diese Stoffe berichtet“, erklärt Co-Autor Andre Colonese von der University of York. „Biomarker für Pflanzen gibt es sehr wenige, und sie bleiben auf historischen Fundstücken meist nur schlecht erhalten. Deswegen ist die Studie für uns so spannend“, sagt der Wissenschaftler. Er und seine Kollegen planen nun, auch auf anderen Überresten nach Alkylresorcinen zu suchen, um aufzuklären, wie Menschen in der Bronzezeit Getreide verwendeten.

Getreideprodukte als Wegzehrung

Bronzezeitliche Getreidefunde sind zwar bereits aus Höhlen bekannt – Gefäße, die Körner oder deren Überreste enthalten hingegen nicht. Wie die Forscher betonen, gibt der Fund damit nun Hinweise darauf, wie Getreide damals verwendet wurde. „Auf jeden Fall wirft die Entdeckung neues Licht auf das Leben in den prähistorischen Gemeinschaften innerhalb der Alpenregion und auf den Umgang der Menschen mit den extremen Höhenverhältnissen“, sagt Co-Autor Francesco Carrer von der Universität Newcastle. „Die Leute haben auf ihrem Weg über die Berge Proviant mitgenommen, wie heutige Wanderer auch. Unsere Forschung trägt dazu bei, zu verstehen, welche Lebensmittel sie dafür nutzten.“

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Über Details der Geschichte hinter dem Fund am Lötschenpass können die Wissenschaftler allerdings nur spekulieren. Klar ist, dass einige Alpentäler in der Gegend bereits während der Bronzezeit besiedelt waren. Aus Gräbern im benachbarten Wallis stammen Hinweise, dass die dortigen Menschen sogar Waren von nördlich und südlich der Alpen bezogen. Das Gefäß könnte ein Indiz dafür sein, dass der Lötschenpass damals als Handelsroute diente, sagen die Forscher. Andere Erklärungen für den Fund wären, dass die Menschen schon damals Weidevieh in höhere Lagen trieben oder dass sie zum Jagen ins Hochgebirge wanderten.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
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