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Geschichte+Archäologie

Fußspuren früher Indianer

Fußabdruck
Einer der Fußabdrücke, links im Naturzustand, rechts digital verstärkt (Foto: Duncan McLaren)

Schon seit längerem vermuten Anthropologen, dass die Vorfahren der Indianer entlang der Westküste Amerikas gen Süden zogen. Jetzt bestätigt die Entdeckung prähistorischer Fußspuren die frühe Präsenz von Menschen in dieser Region. Auf einer Insel vor der Küste der kanadischen Provinz British Columbia stießen Forscher auf mehr als 13.000 Jahre alte menschliche Fußabdrücke. Sie stammen wahrscheinlich von zwei Erwachsenen und einem Jugendlichen, die sich vom Meer aus der Küste zuwandten.

Die Besiedlung des amerikanischen Kontinents ist bis heute nur in Teilen rekonstruiert. Klar scheint, dass die Vorfahren der Indianer größtenteils aus Asien über die Beringstraße in die Neue Welt gelangten. Denn während der Eiszeit legten die niedrigen Meeresspiegel hier eine Landbrücke zwischen den beiden Kontinenten frei. Der Weg von der Bering-Landbrücke ins Innere Nordamerikas und nach Süden wurde allerdings bis vor rund 12.500 Jahren von zwei großen Eisschilden versperrt. Erst danach öffnete sich zwischen beiden ein eisfreier Korridor, der die Passage möglich machte. Zahlreiche archäologische Funde in den USA, Mexiko und anderen Teilen Amerikas legen jedoch nahe, dass die ersten Menschen diese Regionen schon lange vor Öffnung des eisfreien Korridors erreichten. Forscher gehen deshalb davon aus, dass es in der ausgehenden Eiszeit auch entlang der Westküste Nordamerikas einen eisfreien Streifen gab – und dass die ersten Menschen über diesen Weg nach Süden zogen.

Fußspuren am prähistorischen Strand

„Archäologische Belege entlang dieser postulierten küstennahen Migrationsroute sind jedoch rar“, erklären Duncan McLaren von der University of British Columbia und seine Kollegen. Einer der Gründe dafür: Der größte Teil des pazifischen Küstengebiets im heutigen Kanada ist entweder mit dichten Wäldern oder von Sümpfen bedeckt, was die Suche nach archäologischen Artefakten mühsam macht. McLaren und seine Kollegen haben daher einen anderen Ansatz gewählt: Sie suchten sich für ihre Grabungen ein Gebiet aus, in dem der Meeresspiegel damals zwei bis drei Meter tiefer lag als heute. An der Calvert-Insel in British Columbia liegt das einstige Meeresufer dadurch heute in geringer Tiefe unter dem Sand des flachen Meeresstrandes. Die Forscher führten dort Ausgrabungen durch, in der Hoffnung, Überreste früher Besiedler zu finden.

Schon bei den ersten Tests stießen die Forscher auf etwas Unerwartetes: „In rund 60 Zentimetern Tiefe fanden wir einen möglicherweise menschlichen Fußabdruck“, berichten McLaren und seine Kollegen. Eine Radiokarbondatierung zweier Holzstückchen im Abdruck ergab, dass diese Fußspur bereits mehr als 13.000 Jahre alt war. Bei weiteren Grabungen deckten die Archäologen weitere 28 Fußabdrücke auf. „Einige dieser Spuren waren sehr klar erkennbar und besaßen sichtbare Zehenabdrücke“, berichten sie. „Angesichts der klaren Merkmale von Zehen, seitlich versetzter Ferse und Fußgewölbe dieser Spuren sind wir sicher, dass sie von menschlichen Füßen hinterlassen wurden.“ Diese Fußspuren belegen damit, dass es an der Küste schon vor Öffnung des eisfreien Inland-Korridors Menschen gab. Woher diese kamen und welchem Volk sie angehörten, ist allerdings unbekannt.

Zwei Erwachsene und ein Jugendlicher

Vermessungen der Fußabdrücke ergaben, dass die prähistorischen Spuren von mindestens drei verschiedenen Menschen hinterlassen wurden – davon einem Jugendlichen oder Kind. Alle drei liefen nicht geradlinig am Stand entlang, sondern scheinen zunächst eine Weile zusammengestanden zu haben, bevor sie sich dann der Küste zuwandten. „Die Abdrücke sind vorwiegend nach Nordwesten ausgerichtet und damit der Küste und Vegetationslinie zugewandt“, so die Forscher. „Möglicherweise wurden die von einer Gruppe von Menschen hinterlassen, die gerade mit einem Boot oder Floß gelandet war und nun auf trockeneres Land zugehen wollte.“ Die aufgewölbten Ränder der Fußspuren sprechen nach Angaben der Wissenschaftler dafür, dass die Abdrücke in nassem, tonigem Uferschlamm eingeprägt wurden. Später überdeckte dann eine Sandschicht die Abdrücke, bevor anschließend eine weitere Tonschicht und Reste von Vegetation darüber abgelagert wurden.

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Die neuentdeckten prähistorischen Fußabdrücke gehören zu den ältesten der Neuen Welt und sind eine echte Rarität: „Menschliche Fußspuren aus dieser Ära sind bisher nur an drei Stellen des amerikanischen Doppelkontinents gefunden worden“, berichten McLaren und seine Kollegen. Die Fundorte liegen in der Nähe von Buenos Aires in Argentinien, in Chile und in Mexiko. Die meisten bisher bekannten prähistorischen Spuren in Nordamerika jedoch sind deutlich jünger. „Die Fußspuren von Calvert Island erweitern die zunehmenden Belege dafür, dass Menschen die Pazifikküste Kanadas schon Ende des Pleistozän besiedelten“, so die Forscher. Sie vermuten, dass unter dem Sand der Küste noch viele weitere Spuren begraben sind.

Quelle: Duncan McLaren (University of British Columbia, Victoria) et al., PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0193522

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