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Geschichte+Archäologie

Geburtstag einer alten Dame: Berlin wird 775

Da in Berlin bekanntlich alles ein bisschen größer ist, lässt der 775. Geburtstag der Hauptstadt einiges erwarten. Vom 20. August bis 28. Oktober dauern die Feierlichkeiten. Auftaktveranstaltung wird in der letzten Augustwoche das nach eigenen Angaben „größte Geschichtsfestival Europas“ sein – die „Historiale Berlin“. Eine Attraktion sind die Darsteller berühmter Berliner Persönlichkeiten, die in historischen Kostümen während des Festivals rund um die Nikolaikirche die Geschichte lebendig machen.

Zwei kleine Marktflecken zu beiden Seiten der Spree – das sind die bescheidenen Anfänge der Doppelstadt Belin-Cölln um 1200. Die erste schriftliche Erwähnung der Schwesterstadt Cölln am 28. Oktober 1237 ist weniger der Beginn, als vielmehr der erste Höhepunkt einer raschen Stadtentwicklung dieser Fleckchen zum Handelsstützpunkt an der Spree. Unter der Herrschaft der askanischen Landesherrn erfuhr der Platz eine enorme Förderung. Beide Siedlungszentren wuchsen auf markgräflichen Beschluss 1307 zusammen. Stadtrecht und Zollfreiheit sollten Händler und Handwerker anziehen. In den letzten Jahren wurde die Stadtgeschichte durch spektakuläre Ausgrabungen erhellt. Das Ensemble der Petri-Kirche mit der angrenzenden Lateinschule bildete das Zentrum des auf einer Spreeinsel gelegenen hochmittelalterlichen Cölln. Im Zuge der Ausgrabungen konnten neue Datierungen zur frühen Bebauung gewonnen werden – die Eiche für einen Holzbalken der Lateinschule wurde 1192 gefällt. Tatsächlich ist das Fleckchen an der Spree also gut 820 Jahre alt, was der Freude am Jubiläum aber keinen Abbruch tut.

Das jährlich stattfindende historische Spektakel der Historiale bietet sein Programm aus Musik und Vorträgen auf der Hauptbühne vor der Nikolaikirche, in der Straße Unter den Linden präsentieren sich vom 24. bis 26. August 2012 Informations- und Marktstände. Historische Darsteller stehen sowohl auf der Festivalstrecke als auch in zahlreichen Berliner Museen für Sonderführungen bereit. Das Deutsche Historische Museum beispielsweise lockt im Zeughaus mit archäologischen Funden aus der mittelalterlichen Burgsiedlung Spandau. Die Route „Berliner Mauern“ folgt den mittelalterlichen Stadtmauern der Doppelstadt Berlin-Cölln und unter dem Titel „Aufklärung und Anpassung – Mit der Haskala zur jüdischen Hochemanzipation“ wird die 1671 neu gegründete jüdische Gemeinde Berlins vorgestellt, die vor ihrer Zerstörung durch die Shoa eine der weltweit größten Gemeinden war. Diese und weitere Veranstaltungen zeigen nicht nur Besuchern und Wahlberlinern, sondern auch Kiez-Urgesteinen die letzten acht Jahrhunderte ihrer Stadt.

PS: Da noch Kostüme der historischen Berühmtheiten auf ihre Träger warten, veranstaltet der Verein Historiale e.V. öffentliche Castings. Interessierte finden sich am 25. Juli jeweils um 18.00 Uhr in den Räumen Unter den Linden 40 ein.

Quelle: Ulrike Schröder
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