Gefundene Kolossstatue: Psammetich I. statt Ramses II. - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Gefundene Kolossstatue: Psammetich I. statt Ramses II.

Die Teile der Statue sind jetzt im Garten des Ägyptischen Museums in Kairo zu sehen (Foto: Universität Leipzig)

Anders als zunächst angenommen, handelt es sich bei der in Kairo gefundenen Statue nicht um den allgemein bekannten Ramses II. (1303 v. Chr. bis 1213 v. Chr.). Nachdem bereits aufgrund des verwendeten Materials, Quarzit, Zweifel an der ersten Datierung des Funden aufgekommen waren, bestätigte der leitende Wissenschaftler, Dr. Dietrich Raue (Universität Leipzig), nach der vollständigen Bergung, es handle sich um einen jüngeren Pharao: Psammetich I. (664 v. Chr. bis 610 v. Chr.).

Hieroglyphen geben Auskunft

Grund für die Fehleinschätzung waren zum einen die Lage des Befundes nahe eines früheren Tempel Ramses II. in Heliopolis – dem Ort der altägyptischen Weltenschöpfung – und zum anderen einige nicht klar zu datierende Merkmale: Die Krone der Statue verwies auf die Zeit um 1900 v. Chr., während die Augenpartie aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. zu stammen schien und damit die erste Ramses-Interpretation unterstrich. In der Regierungsphase des Psammetich war eine Mischung dieser Stilelemente zwar verbreitet, aber eine finale Identitätsklärung des dargestellten Pharaos konnte erst durch die auf der Rückseite gefundenen Schriftzeichen erzielt werden. Der Fund bleibt dabei nicht minder spektakulär, ist es doch das erste Mal, dass ein Fund dieser Größe aus der altägyptischen Spätzeit gemacht wurde.

Von der Schlammgrube in die Ausstellung

Mit Hilfe eines ägyptischen Armeetransporters wurde der Koloss nach seiner Bergung umgehend in den Garten des Ägyptischen Museums von Kairo gebracht. Unter der Aufsicht von Restauratoren soll sich das Material, das mehr als 1000 Jahre unter der Erde lag, hier an seine neue Umgebung gewöhnen. Ziel ist es, die Statue im 2018 neu eröffnenden Museum auszustellen. Dietriche Raue und sein Team graben in den kommenden Wochen noch weiter, um das Unterteil der Statue zu finden.

Zeitdruck bei der Notgrabung

Unterstützt werden sie dabei von Wissenschaftlern des „i3mainz-Instituts für Raumbezogene Informations- und Messtechnik“ in Mainz, deren neu entwickelten Dokumentationsmethoden den Archäologen langwierige Mess- und Zeichenarbeiten ersparen und so zum schnellen Voranschreiten der Grabungen beitragen. Denn bereits in wenigen Wochen sollen die an der Fundstelle geplanten Bauarbeiten weiter fortgesetzt werden. Fotoserien und eine spezielle Software erlauben den Ausgräbern, mit einem geringen technischen Aufwand das archäologische Objekt in seiner räumlichen Position zu erfassen und eine detailreiche Messpunktwolke anzufertigen, die eine dreidimensionale Rekonstruktion ermöglicht. Langfristig möchten die Kooperationspartner auf diesem Weg zumindest einen Teil des antiken Heliopolis digital erfahrbar machen.

Quelle: Universität Leipzig & Hochschule Mainz
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