Gegen das Vergessen - wissenschaft.de
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Gegen das Vergessen

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Martin Kunze will das Wissen der Menschheit auf Keramiktafeln erhalten. (Foto: D. Husemann)
Vielleicht ist Ihnen das auch schon einmal passiert: Ein unachtsamer Klick mit der Maus, und schon sind Daten auf dem Computer unwiderruflich gelöscht. Wenn es sich dabei nur um ein Foto oder eine Musikdatei handelt, ist der Verlust ja noch einigermaßen verkraftbar. Sind aber wichtige und unersetzliche Kulturgüter wie etwa Texte oder Chroniken auf Festplatten gespeichert – wie es immer häufiger vorkommt – dann sieht die Sache schon anders aus. Digitale Daten gehen schnell verloren, im Internet kursiert deshalb bereits der Begriff „Digital Dark Age“ – digitales dunkles Zeitalter. In seiner aktuellen Ausgabe stellt bild der wissenschaft jetzt einen Mann vor, der mit einer ungewöhnlichen Methode fernab aller digitaler Medien Wissensschätze der Menschheit archiviert, um sie vor dem Vergessen zu bewahren: Martin Kunze. bdw-Autor Dirk Husemann hat ihn in Österreich getroffen.

„Memory of Mankind“ (MOM) heißt Kunzes Projekt. Dabei setzt der Diplom-Keramiker auf eine Jahrtausende alte Technik: Er brennt mit einem speziellen Verfahren Bilder und Texte auf Keramiktafeln, die in einem uralten Salzbergwerk in der Nähe des österreichischen Hallstatt gelagert werden sollen. Der Vorteil: Keramik ist extrem beständig und widerstandsfähig – wie beispielsweise gebrannte sumerische Tontafeln beweisen, die auch nach 5000 Jahren noch genauso gut lesbar sind wie am ersten Tag. „Das Archiv für die Ewigkeit“, wie Husemann seine spannende Geschichte über die „Zeitmaschine“ im Salzstock genannt hat, umfasst bisher rund 400 Tafeln, Verfasser kann jeder sein. So haben bereits namhafte Museen wichtige Exponate archivieren lassen, aber auch Privatpersonen können für sie wichtige Ereignisse auf den Platten speichern lassen. Für 300 Euro stellt Kunze zwei Tafeln her, eine bekommt der Auftraggeber, die andere kommt ins Bergwerk. Einige Zehntausend Jahre sollen Kunzes Keramikspeicher überstehen – weitaus mehr als die 500 Jahre der Mikrofiche-Kopien, die die Bundesrepublik in den 1970er-Jahren während des Kalten Krieges von wichtigen Dokumenten und Urkunden herstellen ließ.

Schlägt also das Analoge das Digitale, wenn es um den Erhalt des Wissens der Menschheit geht? In der April-Ausgabe von bild der wissenschaft wird diese Frage ausführlich erörtert und es werden auch noch andere teilweise verblüffende Projekte vorgestellt, die verhindern sollen, dass Vieles im digitalen Nirwana verschwindet. Lassen Sie sich überraschen!

© wissenschaft.de
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