Geheimnisvolle Funde im Bodensee - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Geheimnisvolle Funde im Bodensee

Ein bronzezeitlicher Schädelfund im Bodensee. (Bild: Tobias Pflederer, Bayr. Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e.V.)

Gab es am bayerischen Bodenseeufer vor rund 3000 Jahren eine bisher unbekannte Siedlung? Dafür spricht neben einem zuvor entdeckten Einbaum aus dieser Zeit nun auch ein Knochenfund vom Grund des Sees bei Wasserburg. Es handelt sich um eine Schädeldecke, die auf das 10. bis 9. Jahrhundert vor Christus datiert wurde. Der neue Hinweis bestärkt jetzt die Unterwasserarchäologen bei ihrer weiteren Suche nach Spuren einer möglichen Bronzezeit-Siedlung im Nordosten des Bodensees.

Die Fundgeschichte in der Eschbachbucht zwischen der Halbinsel Wasserburg und der Inselstadt Lindau begann bereits vor fünf Jahren: In 170 Meter Entfernung vom Ufer war in etwa vier Meter Tiefe ein seltsames Objekt entdeckt worden. Erkundungen eines Taucherteams der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e. V. (BGfU) zeigten dann: Es handelt sich um die Überreste eines Einbaums. 2018 wurde das rund sieben Meter lange und einen Meter breite Fundstück schließlich mit großem Aufwand geborgen und zur Untersuchung in ein Labor des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege gebracht. Die dortigen Analysen zeigten: Die Eiche für den Bau des Boots war um das Jahr 1130 vor Christus gefällt worden. Es handelt sich somit um das bislang älteste bekannte Boot Bayerns.

Eine Schädeldecke liefert weiteren Hinweis

Wie der Fund zeigte, paddelten demnach in der Bronzezeit Menschen in der Eschbachbucht. Dies ließ bereits vermuten, dass sich in der Nähe eine bisher unbekannte Siedlung befunden haben könnte. Deshalb machten sich die Taucher der BGfU im Fundbereich auf die Suche nach weiteren Spuren. Im vergangenen Jahr stießen sie dann etwa 70 Meter vom Lageort des Einbaums auf einen ungewöhnlichen Fund – der aber zunächst nicht unbedingt vielversprechend wirkte: Zwischen bearbeiteten Holzresten entdeckten sie am Seegrund eine Schädeldecke. Der Fund an der Bodenoberfläche schien nicht für ein Objekt aus der Bronzezeit zu sprechen und auch die C14-Datierungen der umliegenden Holzreste war ernüchternd: Sie stammten aus dem frühen Mittelalter.

Doch überraschenderweise galt das nicht für die Schädeldecke, deren Datierungsergebnis nun ebenfalls vorliegt. „Dass diese Schädelkalotte aus der Bronzezeit stammt, war eine Überraschung“, sagt Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Den Untersuchungsergebnissen zufolge gehörte der Schädelknochen wahrscheinlich einer Frau, die im 10. bis 9. Jahrhundert vor Christus gelebt hat. Damit ist der Fund zwar ungefähr 200 Jahre jünger als der Einbaum. Dennoch handelt es sich um einen weiteren Hinweis auf eine bronzezeitliche Siedlung in der näheren Umgebung, sagen die Experten.

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Archäologische Fahndung im Fundgebiet

In Frage kommt offenbar eine Niederlassung der sogenannten Urnenfelderkultur, die von etwa 1300 bis 800 v. Chr. in Mitteleuropa weit verbreitet war. Benannt ist sie nach dem damals üblichen Bestattungsritus, die Leichen zu verbrennen und in Urnen beizusetzen. Die Siedlung könnte direkt am Ufer des Sees gelegen haben oder an einem Bach, der in ihn mündet. Denkbar ist allerdings auch eine Niederlassung etwas weiter im Landesinneren, sagen die Experten.

Wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege berichtet, wird sich das Team nun noch intensiver auf die Suche nach weiteren Spuren machen. Die Forschungstaucher der BGfU werden dazu bestimmte Bereiche des Sees und seiner Zuflüsse systematisch erkunden. Dabei sollen Seitensichtsonar-Geräte zum Einsatz kommen, die größere Objekte im Seegrund orten können. Außerdem sind Probebohrungen geplant, um die Bodenablagerungen nach Siedlungsspuren zu untersuchen. Man darf also gespannt sein, ob die Archäologen tatsächlich auf die Spuren einer bronzezeitlichen Siedlung im äußersten Süden Deutschlands stoßen werden.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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