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Archäologie

Geheimnisvoller Höhlen-Fundort

Blick auf den Höhleneingang (Bild: DAI). Im Ausschnitt rechts oben ist der Kopf einer Statuette der antiken Göttin Meter-Kybele zusehen (Bild: DAI, Adriana Günzel), darunter sind Funde aus der Steinzeit gezeigt. (Bild: DAI, Eşref Erbil)

Funde aus der Steinzeit, Antike und darüber hinaus: Archäologen berichten über einen uralten und vielschichtigen Höhlen-Fundort an der Westküste der Türkei. In der untersten Schicht entdeckten sie 14.000 Jahre alte Steinwerkzeuge und Knochen, die somit aus der sogenannten Nach-Altsteinzeit stammen. Diese Spuren werden wiederum von den Überresten eines Heiligtums der antiken Muttergottheit Meter-Kybele überlagert. Weitere Funde belegen, dass der Ort noch bis in die byzantinische und islamische Epoche von Menschen aufgesucht wurde, bevor er dann offenbar in Vergessenheit geriet.

Durch die Lage „zwischen Ost und West“ besaß die Region der heutigen Türkei schon seit Urzeiten eine große Bedeutung in der kulturellen Entwicklung des Menschen. Dies belegt unter anderem der berühmte Fundort Göbekli Tepe aus der Epoche des Übergangs von den Jäger- und Sammler-Kulturen zu den bäuerlichen Gesellschaften. Dort schufen Menschen bereits im 10. Jahrtausend v. Chr. erste monumentale Bauwerke. Diese frühen Strukturen werden damit der Jungsteinzeit zugeordnet. Aus älteren Phasen der Menschheitsgeschichte sind auf dem Gebiet der heutigen Türkei bisher hingegen nur wenige Spuren bekannt. Vor allem aus dem Westen Anatoliens – der Kontaktzone zur Ägäis und damit zu Europa – gab es bisher keine Funde aus der Altsteinzeit oder seiner Übergangsphase zur Jungsteinzeit.

Doch wie das Deutsche Archäologische Institut (DAI) berichtet, hat sich das geändert: Im Rahmen einer archäologischen Sondierung entdeckten Archäologen uralte Spuren menschlicher Nutzung in einer entlegenen Höhle, die sich oberhalb eines Flusses zwischen den modernen Orten Dikili und Bergama (Pergamon) befindet. Im Herbst 2021 führte ein türkisch-deutsches Team dann weitere Grabungen vor und in der Höhle durch. Das DAI berichtet nun über die bisherigen Funde.

Steinzeitliches unter einem antiken Heiligtum

Die Nutzung der Höhle reicht demnach in die Zeit der sogenannten Nach-Altsteinzeit (Epipaläolithikum) zurück: Schichten mit Steinwerkzeugen und Knochen konnten mithilfe der Radiokarbon-Methode sowie der Untersuchung der stilistischen Merkmale auf ein Alter von etwa 14.000 Jahren datiert werden. Wie die Archäologen erklären, diente die Höhle damals offenbar als saisonale Wohn- und Produktionsstätte für eine Gruppe von Jägern und Sammlern. Neben den zahlreichen Tierknochen zeugen davon Rohmaterialien für die Werkzeugherstellung und halbfertige Stücke. Als Rohstoffe dienten den Menschen Feuersteine aus dem Bett des Flusses unterhalb des Höhleneingangs.

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Doch das ist noch nicht alles, was der Fundort zu bieten hat: Das Team stieß in und vor der Höhle auf jüngere Spuren. Es gab demnach auch eine Nutzung in der Zeit zwischen dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. Die präzise Datierung und Deutung dieser bronzezeitlichen Spuren steht aber noch aus. Bei noch jüngeren Funden gibt es allerdings schon mehr Klarheit: Demnach wurde die Höhle vom 6. Jh. v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit als Heiligtum der Muttergottheit Meter-Kybele genutzt. Unter anderem zeigt dies der Fund eines Teils einer Terrakotta-Statuette der Göttin mit ihrer charakteristischen Krone.

Erstaunliche Kontinuität

Wie das DAI weiter berichtet, umfasst das jüngste Fundmaterial auch die byzantinische und islamische Zeit. „Berücksichtigt man die Abgeschiedenheit des nur mit Mühe zu Fuß erreichbaren Ortes, so sprechen diese Funde für eine bemerkenswerte Kontinuität in der Verbundenheit der Menschen mit diesem außergewöhnlichen Naturdenkmal über die Grenzen von Epochen und Religionen hinweg“, schreibt das DAI.

Man darf nun gespannt sein, was die Archäologen noch über den geheimnisvollen Ort herausfinden werden. Die weiteren Untersuchungen werden sich dabei nun unter anderem mit der Frage beschäftigen, warum die steinzeitlichen Menschen gerade diesen Platz als Camp auswählten und ob es Indizien für Beziehungen nach Inneranatolien, in die Ägäis und das festländische Griechenland hinein gab.

Quelle: Deutsches Archäologisches Institut

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