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Gemeinsam sind wir stark

Ein deutsch-schweizerisches Forscherteam hat entdeckt, wie Gemeinschaftsgüter nachhaltig und erfolgreich genutzt werden können: Die Schlüsselfaktoren dafür sind freiwillige Kooperationsbereitschaft und die effektive Kontrolle von Trittbrettfahrern. Ressourcen wie Wälder können so der Allgemeinheit dienen und werden gleichzeitig geschützt. Zu diesen Ergebnissen kommen die Wissenschaftler, nachdem sie in einer Feldstudie in Äthiopien das Kooperationsverhalten im Rahmen eines Wald-Management-Programms untersucht hatten. Über ihre Ergebnisse berichtet das Team um Devesh Rustagi von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich.

Im Blickpunkt der Forscher stand das sogenannte Kooperations-Dilemma. Demnach lohnt sich der Verzicht auf den größtmöglichen Eigennutzen zugunsten des optimalen Kollektivnutzens nur dann, wenn die anderen ebenfalls kooperieren. Fallbeispiele zeigen den Forschern zufolge, dass sich diese Herausforderung durchaus meistern lässt. Viele Gemeinschaften auf der Welt sind tatsächlich in der Lage, ihre gemeinsamen Güter erfolgreich zu bewirtschaften. Warum das in diesen Fällen gelingt, wollten die Forscher mit ihrer Studie untersuchen.

Die Ökonomen führten dazu mit insgesamt 679 Mitgliedern aus 49 verschiedenen Waldnutzergruppen Kooperationsexperimente durch, in denen sie die individuelle Kooperationsbereitschaft der Gruppenmitglieder ermittelten. Sie fanden heraus, dass der Anteil der Kooperationsbereiten in den Gruppen stark variierte – er lag zwischen 0 und 88 Prozent. In Gruppen mit einem niedrigeren Anteil an Kooperierenden fanden sie mehr Trittbrettfahrer, also Personen, die sich gerne die Leistungen anderer zunutze machen.

Um herauszufinden, welche Auswirkung das Maß an Kooperationsbereitschaft auf die erfolgreiche Bewirtschaftung des Waldes hat, führte das Forscherteam verschiedene statistische Analysen durch. Sie zeigten, dass Gruppen mit einem größeren Anteil an Kooperierenden ihren Wald viel erfolgreicher und nachhaltiger bewirtschafteten. Einen weiteren Faktor konnten die Forscher dabei ebenfalls aufzeigen: Kooperative Gruppenmitglieder investieren mehr Zeit in die Überwachung ihres Waldes, um eventuelle Trittbrettfahrer aufzuspüren und abzuschrecken. Eine Gruppe mit 60 Prozent Kooperationsbereiten verbrachte demnach monatlich im Durchschnitt 14 Stunden mehr Zeit mit Patrouillen durch den Wald als eine Gruppe ohne Kooperierende.

Verhaltensökonomische Laborexperimente mit Studenten hatten bereits gezeigt, dass der Grad an Kooperationswillen stark vom Glauben daran abhängig ist, wie sich andere Gruppenmitglieder verhalten werden. Die neuen Ergebnisse bestätigen diesen Zusammenhang, sagen die Wissenschaftler. „Wir schließen damit eine bisher bestehende Lücke zwischen Feld- und Laborstudien zu menschlicher Kooperation“, sagt Co-Autor Michael Kosfeld vom Frankfurter Labor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Goethe-Universität.

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Devesh Rustagi (Eidgenössische Technische Hochschule, Zürich) et al.: Science, Bd. 330, S. 961 dapd/wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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