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Geschichte+Archäologie

Genetik klärt Geschichte der Inka

Machu Picchu
Die Ruinen der Inkastadt Machu Picchu sind weltberühmt. Doch woher die ersten Herrscher dieser Kultur kamen, war bisher unklar. (Foto: Alessandro Pinto/ iStock)

Die Inka schufen vor rund 1800 Jahren das größte Reich der Neuen Welt. Doch wo die Wurzeln dieser Kultur liegen, dazu gab es bisher verschiedene Hypothesen. Jetzt hat eine genetische Analyse diese Fragen geklärt. Forscher haben dafür das Erbgut von Nachkommen der letzten Inkakönige untersucht und so die Herkunft und Abstammung der ersten Inka rekonstruiert.

Das Reich der Inka erstreckte sich einst überein Gebiet, das den Norden des heutigen Argentinien und Chile, Teile von Bolivien, Ecuador und Peru sowie den Süden Kolumbiens umfasste. Ihre um 1200 gegründete Hauptstadt Cusco war das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des ausgedehnten Reichs, in ihr residierten auch die Herrscher der Inka.

Zwei verschiedene Gründungsmythen

Woher die Vorfahren dieser ersten Inka stammten, ist jedoch bis heute unklar. Einer der Gründe dafür: Aus der Zeit der Inka sind zwei unterschiedliche Gründungsmythen dieser Kultur überliefert. Nach dem einen wurde Cusco von Manco Capac und Mama Oclo gegründet, den Kindern der Sonne und Ureltern der Inka. Diese sollen im Titicacasee geboren worden sein und dann knapp 400 Kilometer nach Norden gewandert sein, bevor sie sich niederließen und Cusco gründeten. Der zweite Mythos berichtet, dass vier Brüder mit göttlichen Kräften in den Höhlen im Gebiet von Paccarictambo, 50 Kilometer südlich von Cusco geboren wurden.

Zwar sind dies nur Legenden, dennoch vermuten Wissenschaftler, dass in den Ortsangaben ein Körnchen Wahrheit steckt. Doch welcher Mythos stimmt, ließ sich bisher nicht feststellen – auch mangels schriftlicher Aufzeichnungen. Jose Sandoval von der Universität San Martin de Porres in Lima und seine Kollegen haben nun diese Frage mithilfe der Genetik untersucht.

DNA der Inka-Nachkommen

Ideal wäre es dafür, Erbgut aus den Mumien der frühen Inkaherrscher heranzuziehen. Doch alle Überreste dieser Könige wurden von den spanischen Konquistadoren vernichtet. Deshalb analysierten die Forscher für ihre Studie das Erbgut von 18 Personen, die als heutige Nachkommen der letzten Inkaherrscher gelten. „Die meisten von ihnen leben noch immer in der Gegend von Cusco, sie sind wahrscheinlich die homogenste Gruppe unter den heutigen Inka“, erklärt Sandovals Kollege Ronald Elward.

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Um die väterliche und mütterliche Abstammung der Inka-Nachkommen rekonstruieren zu können, sequenzierten die Forscher die Y-Chromosomen sowie die mitochondriale DNA der Studienteilnehmer. Diese Erbguttteile werden immer nur jeweils vom Vater an den Sohn oder von der Mutter an ihre Nachkommen weitergegeben. Diese DNA-Sequenzen verglichen die Wissenschaftler dann mit Vergleichssequenzen von 2400 Menschen aus Peru, Bolivien und Brasilien.

Zwei Gründungsväter

Das Ergebnis: Möglicherweise steckt sogar in beiden Mythen ein Teil der Wahrheit. Denn wie die DNA-Vergleiche ergaben, gehen die Inka-Adeligen väterlicherseits auf mindestens zwei verschiedene Gründer zurück -repräsentiert durch die Y-Chromosom-Gruppen AWKI-1 und AWKI-2 . „Die patrilinearen Ursprünge deuten auf zwei Gründerväter zurück, die in der Zeit von 1000 bis 1500 nach Christus lebten“, berichtet Co-Autor Fabricio Santos von der Universität von Minas Gerais.

Einer der Gründer könnte eher aus der Gegend um den Titicacasee stammen, der andere aus der Region unmittelbar südlich von Cusco. „Die meisten Vorkommen von AWKI-1 und AWKI-2 liegen südlich von Cusco. Sie umfassen sowohl das südlich benachbarte Paccarictambo als auch die Gegend um den Titicacasee“, berichtet Sandovals Kollege Ricardo Fujita. „Das stimmt mit den beiden Gründungsmythen der Inka überein.“ Die Wissenschaftler vermuten, dass die beiden Gründungsmythen verschiedene Zeitpunkte der gleichen Geschichte aufgreifen. „Sie zeichnen zwei Bilder der gleichen Reise, die schließlich in Cusco endete“, sagt Fujita.

Interessant auch: Die Analyse der mütterlichen Abstammung über die mitochondriale DNA ergab, dass die Frauen der frühen Inka teilweise aus weit entfernten Regionen der Anden kamen. „Das spiegelt wahrscheinlich die politischen Allianzen wider, die durch arrangierte Hochzeiten zwischen den Adeligen von Cusco und den Töchtern von Fürsten und Stammesführern im gesamten Inkareich geschmiedet wurden“, erklärt Sandoval.

Quelle: Instituto de Investigación de la Facultad de Medicina Humana, Fachartikel: Molecular Genetics and Genomics, doi: 10.1007/s00438-018-1427-4

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