Genetische Spuren des dunklen Zeitalters - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Genetische Spuren des dunklen Zeitalters

Schottland im Visier. (Bild: akinbostanci/iStock)

Britische Bevölkerungsgeschichte im Spiegel der Genetik: Die Gebiete der Königreiche des dunklen Zeitalters Schottlands zeichnen sich im Erbgut seiner Einwohner ab, berichten Wissenschaftler: Viele Menschen leben noch in den gleichen Gebieten wie ihre Vorfahren vor mehr als 1000 Jahren. Zudem zeigen sich genetische Spuren aus der Wikingerzeit und auch Informationen zur Populationsgeschichte Islands präsentieren die Forscher: Einige der Gründer der dortigen Bevölkerung stammten offenbar aus dem Nordwesten Schottlands und Irlands.

Welche Migrationsbewegungen hat es in der Geschichte Europas gegeben und wer waren die Vorfahren der heutigen Bevölkerungen bestimmter Regionen? Einblicke in diese Fragen liefern seit einigen Jahren genetische Studien: Vergleiche des Erbguts heutiger Bevölkerungen mit DNA aus den Überresten von Menschen früherer Zeiten ermöglichen Rückschlüsse auf ihre Abstammung und damit auf historische Entwicklungen. Die Forscher um Jim Wilson von der University of Edinburgh haben in diesem Zusammenhang nun erstmals die Bevölkerungsgeschichte des Nordens der britischen Inseln und von Irland genauer unter die Lupe genommen.

Blick ins schottische Erbgut

Im Rahmen ihrer Studie haben sie die genetischen Merkmale von mehr als 2500 Menschen aus Irland und Großbritannien untersucht – darunter rund 1000 Personen aus verschiedenen Teilen Schottlands, einschließlich der vorgelagerten Inseln. Diese Informationen verglichen sie mit genetischen Daten von europäischen Bevölkerungen, die aus teils Jahrtausende alten Quellen stammen. Aus den Daten konnten die Forscher schließlich eine umfassende genetische Karte Schottlands erstellen. In ihr zeichnet sich eine charakteristische Aufteilung in unterschiedliche Gruppen genetisch ähnlicher Menschen ab, die in bestimmten Regionen leben: im Südwesten, dem Nordosten, auf den Hebriden, Orkney und den Shetlandinseln.

Wie die Wissenschaftler erklären, stimmen die regionalen Verbreitungen dieser Gruppen dabei interessanterweise mit den Gebieten der Königreiche überein, in die Schottland vor über 1000 Jahren unterteilt war: Strathclyde im Südwesten, Pictland im Nordosten und Gododdin im Südosten. Sie existierten im sogenannten dunklen Zeitalter Schottlands – in einer Ära, zu der es nur wenige Überlieferungen und historische Quellen gibt. Diese Zeit reichte vom Ende der Herrschaft des Römischen Reiches in der Region im 5. Jahrhundert bis etwa in die Zeit um 1000 n. Chr.

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„Es ist faszinierend, dass sich die Silhouetten der schottischen Königreiche des dunklen Zeitalters noch bis in unsere Zeit abzeichnen“, sagt Wilson. Angesichts der Bevölkerungsbewegungen im Rahmen der industriellen Revolution bis zur Moderne scheint dies erstaunlich. Es zeichnet sich ab, dass trotz der Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte die meisten Menschen vor Ort geheiratet haben, wodurch die genetische Identität erhalten geblieben ist“, sagt der Wissenschaftler.

Das Erbe der Wikinger

Neben diesen genetischen Spuren der Bevölkerungsgeschichte zeichneten sich auch Spuren der Wikingerzeit ab, berichten die Forscher: Demnach besitzt die Bevölkerung Orkneys und der Shetlandinseln den höchsten Anteil norwegischer Vorfahren außerhalb Skandinaviens. Den genetischen Vergleichen zufolge ist dieser Einfluss auf die Wikinger zurückzuführen, die dort ihr Erbe hinterlassen haben. Ursprünglich stammten sie offenbar aus Hordaland und Sogn og Fjordane in Westnorwegen.

Darüber hinaus untersuchten die Autoren die möglichen britischen oder irischen Beiträge zur Bevölkerungsgeschichte Islands. Die vergleichenden Analysen bestätigten, dass die dortigen Menschen nicht nur Nachfahren der Wikinger sind. Offenbar haben auch einst gälische Siedler die ferne Insel erreicht, zeichnet sich im Erbgut der Isländer ab. Die entsprechende Quellbevölkerung stammte aus dem Nordwesten Großbritanniens oder Irlands, lassen die genetischen Hinweise vermuten.

Abschließend betont Co-Autor Edmund Gilbert vom Royal College of Surgeons in Ireland, dass Studien dieser Art neben der geschichtlichen auch eine medizinische Bedeutung besitzen: „Untersuchungen der Populationsgeschichte können helfen, die Rolle genetischer Variationen bei Erkrankungen besser zu verstehen. Es kann sich abzeichnen, welche Merkmale des Erbguts problematisch sind und welche kaum oder gar nicht mit Erkrankungen verknüpft sind“, so der Wissenschaftler.

Quelle: University of Edinburgh, Fachartikel: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1904761116

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