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Geschichte+Archäologie

Gladiator-Fresko in Pompeji entdeckt

Gladiatoren
Fresko der kämpfenden Gladiatoren aus Pompeji (Bild: Parco Archeologico di Pompei)

Bei neuen Ausgrabungen in den Ruinen von Pompeji haben Archäologen ein besonders eindrucksvolles Fresko entdeckt. Es handelt sich um die sehr realistische Darstellung zweier Gladiatoren im Kampf. Einer der beiden Gladiatoren kämpft mit geradem Schwert und Helm, der andere mit einem Krummschwert und Schild. Wunden und Gesten der beiden Kämpfer sind dabei extrem realistisch abgebildet.

Die Ruinen von Pompeji geben einzigartige Einblicke in das Alltagsleben im römischen Reich. Denn die antike Stadt am Golf von Neapel wurde im Jahr 79 nach Christus bei einem Ausbruch des Vesuv so schnell von Asche und Lava verschüttet, dass Gebäude und die Überreste vieler Bewohner wie in einer Zeitkapsel eingeschlossen wurden. Nachdem die Ruinen Pompejis lange Jahre eher vernachlässigt wurden, haben Archäologen im Jahr 2012 im Rahmen eines EU-Projekts mit neuen Erhaltungs- und Ausgrabungsmaßnahmen begonnen.

Wandgemälde im Wirtshauskeller

Eines der neu erschlossenen Gebiete ist die sogenannte Regio V, ein im nördlichen Bereich von Pompeji liegendes Areal, das noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Hier haben Archäologen bereits im letzten Jahr einige aufsehenerregende Funde gemacht, darunter mehrere Fresken sowie den Leichnam eines kopflosen, auf der Flucht vor der Aschewolke gestorbenen Mannes. Jetzt gibt es einen neuen Fund: Im Keller eines vermutlich als Wirtshaus dienenden Gebäudes stießen die Forscher auf ein rund 1,50 Meter breites und gut einen Meter hohes Wandgemälde, das zwei kämpfende Gladiatoren darstellt.

Die Farben und Details dieses fast 2000 Jahre alten Bildes sind erstaunlich gut erhalten. In dem Fresko sind zwei Gladiatoren zu sehen, die beide zu einem damals häufig bei Gladiatorenkämpfen eingesetzten Typ gehörten: Links steht ein „Murmillo“ – ein mit einem geraden Kurzschwert bewaffneter Kämpfer, der einen bronzenen Helm mit Federschmuck und ein Legionärsschild trägt. Rechts von ihm steht ein „Threax“, ein häufig mit dem Murmillo kombinierter Gladiatorentyp. Diese Kämpfer trugen typischerweise ein gebogenes Kurzschwert und einen kleineren Schild.

Geste bittet um Gnade

An der Haltung der beiden Gladiatoren ist zu erkennen, dass der Threax zumindest momentan im Kampf unterlegen ist – er kauert am Boden, weist mehrere Verletzungen auf und hat seinen Schild verloren. „Interessant an diesem Fresko ist die extrem realistische Darstellung der Wunden wie der an Handgelenk und Brust des unterlegenen Gladiators“, erklärt Massimo Osanna, Generaldirektor des Archäologischen Parks Pompeji. „Wir wissen nicht, was das Endergebnis dieses Kampfes war – man konnte getötet oder begnadigt werden. In diesem Fall sieht man den verwundeten Kämpfer eine Geste machen, mit er vielleicht um Gnade fleht.“

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Der unterlegene Gladiator zeigt im Fresko seine Hand mit dem Daumen nach oben. „Dies ist die Geste der Ad Locutia, die normalerweise vom Kaiser oder General verwendet wird, um Gnade zu gewähren“, erklärt Osanna. Dass dieses Fresko einen Gladiatorenkampf darstellt, ist vermutlich kein Zufall. Denn dieser Bereich der Regio V liegt in der Nähe einer Gladiatorenkaserne. Nach Angaben von Osanna ist es daher sehr wahrscheinlich, dass diese Taverne damals häufig von Gladiatoren besucht wurde. Die Überreste einer Holztreppe legen nahe, dass das Wirtshaus ein Obergeschoss besaß, in dem entweder der Wirt wohnte oder aber Prostituierte ihrem Gewerbe nachgingen.

Quelle: Parco Archeologico di Pompei

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