Gladiatoren: Tod und Triumph im Kolosseum - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Gladiatoren: Tod und Triumph im Kolosseum

Gladiatorenhelm: Weltweit sind lediglich etwa zehn solcher Helme bekannt. Dieser wurde bei den Ausgrabungen in Pompeji gefunden (Bronze, 1. Jh. n. Chr.). (Museo Archeologico Nazionale, Neapel).

Mythen und Klischees ranken sich seit antiker Zeit um das Leben der Gladiatoren. Doch wer waren diese Männer und was für ein Leben führten sie im Schatten der Arena? Wie war ihr Alltag in den Gladiatorenschulen organisiert? Die Sonderausstellung „Gladiatoren. Tod und Triumph im COLOSSEVM“ im Archäologischen Museum beleuchtet bis 15. März 2015 das facettenreiche Leben dieser Berufskämpfer mit einzigartigen Originalfunden aus bedeutenden italienischen Museen. Experimental-archäologische Nachbauten veranschaulichen die Bewaffnung der Gladiatoren und ihre ganz unterschiedlichen Kampfesweisen und bieten einprägsame Einblicke in einen martialisch-faszinierenden Bereich der römischen Welt vor 2000 Jahren.

Das Training der Gladiatoren, eine professionelle medizinische Versorgung und sogar eine spezielle Ernährung dienten ausschließlich einem Zweck: Die Gladiatoren sollten auf die Kämpfe in den Amphitheatern optimal vorbereitet sein, denn die blutberauschten Massen wollten auf hohem Niveau unterhalten werden. Die Kämpfe ähnelten dabei keinem anarchischen Gemetzel, sondern waren im Gegensatz genau definierten Regeln unterworfen und brachten zentrale, stoisch unterlegte Werte der römischen Gesellschaft zum Ausdruck: „virtus“ (mannhafte Tapferkeit) und „constantia“ (Standhaftigkeit) im Angesicht des Todes. Die Schau zeigt die religiösen Ursprünge der Gladiatur und wie sie sich zur politisch gesteuerten Massenunterhaltung des Volkes entwickelte.

Der Platz an dem die Kaiserdynastie der Flavier ihr Amphitheater, das erst später Kolosseum genannt wurde, bauen ließen, war ein deutliches politisches Signal: wo einst das monströse Anwesen ihres verhassten Amtsvorgängers Nero die Bürger ausgeschlossen hatte, errichteten sie zum Gefallen des Volkes das größte Amphitheater der römischen Welt für 55.000 Besucher.

In gerade einmal zehnjähriger Bauzeit wuchs das erste dauerhafte Amphitheater der römischen Hauptstadt, das mit einer Höhe von 52 Metern und einer Länge von 188 Metern (Breite 152 Meter) in den Himmel ragte, empor. Für den Bau des „achten Weltwunders“ wurden etwa 100.000 Arbeitskräfte in verschiedenen Bautrupps benötigt, die Verfahren verwendeten, die noch auf heutigen Baustellen zum Einsatz kommen. Es ist das steinerne Symbol für die technischen Fähigkeiten der Römer und ihre Architektur der Macht, die hier ihren glanzvollen Höhepunkt erreichte. Finanziert wurde das Kolosseum mit der Beute aus dem römisch-jüdischen Krieg des Jahres 70 n. Chr. unter dem späteren Kaiser Titus. Aus dem Kolosseum in Rom zeigt die Ausstellung einmalige Architekturfragmente und kunstvollen Bauschmuck.

Auch in den germanischen Provinzen gab es Stätten für Gladiatorenkämpfe. Selbst in den Randgebieten des Imperiums wollte man auf diese Form der Unterhaltung nicht verzichten. Eine charakteristische Auswahl Frankfurter Bodenfunde aus dem römischen Nida (heute Frankfurt-Heddernheim) zeugt von der großen Gladiatorenbegeisterung dieser Zeit.

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Kooperationspartner der Sonderausstellung ist das Jüdische Museum Frankfurt mit seiner Wechselausstellung „Im Licht der Menora. Jüdisches Leben in der römischen Provinz“. Die Menora, das spätantike Leitsymbol des Judentums, repräsentiert auf einem Fries des Titusbogens pars pro toto die ungeheuer reiche Beute des Jüdischen Krieges aus dem Jahre 70 n. Chr.. Die Zerstörung Jerusalems und die Plünderung des Tempels war ein tiefer Einschnitt und Wendepunkt in der Geschichte des jüdischen Volkes. Für das flavische Herrscherhaus stellten die enormen Kriegsgewinne eine wichtige Grundlage zur Finanzierung ihres ehrgeizigen und umfangreichen Bauprogramms dar – insbesondere des Kolosseums.

Quelle: Archäologisches Museum Frankfurt
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