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Geschichte+Archäologie

Göttinnen-Name auf Etrusker-Stele entdeckt

Inschrift auf der bei Florenz entdeckten Etrusker-Stele in Nahaufnahme. (Mugello Valley Project)

Bedeutender Fund: Eine bei Florenz entdeckte etruskische Stele erweist sich als echte Rarität. Denn auf ihr ist eine der längsten bekannten Inschriften der Etrusker eingeritzt. Und in diesem Text taucht der Name der Göttin „Uni“ auf – einer Fruchtbarkeitsgöttin der Etrusker. Dies legt nahe, dass es sich bei dieser Inschrift um einen religiösen Text handelt. Die Stelen-Inschrift könnte daher wertvolle Einblicke in Religion und Kultur dieses rätselhaften Volkes liefern.

Etrusker-Stele am Tempelfundament

Im Mugello-Tal nordöstlich von Florenz lag vor rund 2500 Jahren Poggio Colla, eine Siedlung der Etrusker. Dieses noch immer rätselhafte Volk lebte vor und während der Römerzeit im nördlichen Mittelitalien. In Poggio Colla hinterließen die Etrusker neben Siedlungsresten auch Relikte eines Tempels. An den Fundamenten dieses Tempels hatten Archäologen des Mugello Valley Archeological Project bereits in März 2016 eine Sandstein-Stele entdeckt, auf der etruskische Schriftzeichen zu erkennen waren.

Das Besondere daran: Auf der Vorderseite der rund 2400 Jahre alten Stele waren mindestens 120 eingravierte Buchstaben und Satzzeichen zu erkennen. „Längere Inschriften der Etrusker sind sehr selten, vor allem in dieser Länge“, erklärt Grabungsleiter Gregory Warden von der Southern Methodist University. Schon damals spekulierten die Archäologen über den Inhalt der Inschrift und hofften auf einen Bezug zum Tempel. „Wir hoffen, dass diese Stele uns den Namen der Gottheit oder Göttin verraten wird, die an diesem Ort verehrt wurde.“

„Uni“ verrät religiösen Kontext

Inzwischen haben die Forscher mit der Entzifferung der Inschrift begonnen – und wurden prompt fündig: An einer Stelle der Inschrift stießen sie auf die Bezeichnung „Uni“ – und damit auf den Namen einer Göttin. Uni wurde von den Etruskern als eine Göttin der Furchtbarkeit und Muttergöttin verehrt. Ein anderer Textteil enthält den Begriff „Tina“ – so hieß bei den Etruskern das Äquivalent des griechischen Zeus oder des römischen Jupiter.

Beides bestätigt die Vermutung der Archäologen, dass die Inschrift auf der Stele einen religiösen Inhalt hat. „Ihr Fundort – ein Ort an dem Opfer dargebracht wurden – und die Präsenz des Göttinennamens Uni, aber auch die Sorgfalt, mit der Inschrift angefertigt wurde, deuten darauf hin, dass es sich hier um eine religiöse Widmung handeln könnte“, sagt Adriano Maggiani von der Universität Venedig. Es könnte sich aber auch um Vorschriften für das Heiligtum oder bestimmte Zeremonien handeln.

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„Einer der bedeutendsten Funde“

Damit aber ist die Inschrift auf der etruskischen Stele in gleich doppelter Hinsicht eine Rarität: Sie enthält einen ungewöhnlich langen Text und ist auch noch religiösen Inhalts. „Wir können nun bestätigen, dass diese Entdeckung eine der bedeutendsten etruskischen Funde der letzten Jahrzehnte darstellt“, betont Warden. „Sie könnte uns mehr über das frühe Glaubenssystem dieser verlorenen Kultur verraten, die für die westlichen Traditionen so fundamental wichtig war.“

Noch hat die Entzifferung der Inschrift erst begonnen. Die Archäologen halten es aber für wahrscheinlich, dass ihre Inhalte wertvolle neue Einblicke in die religiösen Konzepte und Vorstellungen der Etrusker liefern werden.

Quelle: Southern Methodist University
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