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Prä-Inka-Kulturen

Guano als Dünger für die Atacama

Guanoinsel
Seevogel-Guano auf einer Küsteninsel vor Peru. (Bild: LisaStrachan/ iStock

Die Atacamawüste im Westen Südamerikas ist eine der kargsten und trockensten Landschaften der Erde. Trotzdem gab es dort schon Jahrhunderte vor dem Inkareich hochproduktive Agrarkulturen. Woher sie ihre Nährstoffe bekamen, enthüllen nun Isotopenanalysen von Pflanzenresten und Skeletten. Demnach haben die Menschen der Prä-Inka-Kulturen dieser Gegend bereits systematisch Guano von Seevögeln gesammelt und als Dünger in die Wüste gebracht.

Archäologische Untersuchungen zeigen, dass schon vor gut tausend Jahren Menschen in der Atacamawüste lebten. Davon zeugen unter anderem große Mengen an gut erhaltenen Pflanzenresten aus jener Zeit, darunter Mais, Bohnen, Quinoa und andere domestizierten Pflanzen. „Ihre Häufigkeit und Vielfalt spricht für einen landwirtschaftlichen Erfolg, der angesichts der trockenen, kargen Umgebung nur schwer erklärbar ist“, sagen Francisca Santana-Sagredo von der Katholische Pontifikal-Universität Chiles in Santiago und ihre Kollegen.

Sprung in den Stickstoffwerten

Wie aber schafften es diese Menschen damals, in einer so kargen Umgebung Landwirtschaft zu betreiben und genügend zu ernten, um größere Siedlungen zu unterhalten? Um das herauszufinden, haben Santana-Sagredo und ihr Team 246 Pflanzenproben aus der Zeit von 1000 bis 1450 auf ihre Isotopenzusammensetzung hin untersucht. Die Anteile der verschiedenen Isotope von Kohlenstoff und Stickstoff geben Aufschluss darüber, wie gut diese Pflanzen mit organischen Nährstoffen versorgt waren. Die Pflanzenreste stammten aus der Atacamawüste im Norden Chiles und waren dort einst von Menschen aus Vorgängerkulturen der Inkas angebaut worden. Zu diesen Nutzpflanzen gehörten unter anderem Mais, Quinoa, Bohnen, Limabohnen, Kürbisse und Chili.

Die Analysen enthüllten eine deutliche zeitliche Entwicklung: Während sich die Nutzpflanzen aus der Zeit vor 1000 in ihren Isotopenwerten nur wenig von wildwachsenden Vergleichspflanzen unterschieden, gab es ab dem Jahr 1000 einen Sprung. Dieser deutet darauf hin, dass die Stickstoffversorgung der angebauten Pflanzen in dieser Zeit stark anstieg. „Das Ausmaß dieser Stickstoff-Anreicherung kann nicht durch Standardeinflüsse wie weniger Regen oder konventionelle Bodenbearbeitungsmethoden erklärt werden“, sagen Santana-Sagredo und ihre Kollegen. Ergänzende Analysen von menschlichen und tierischen Skeletten aus dieser Zeit belegen zudem, dass diese erhöhten Stickstoffwerte kein Zufall waren, sondern sich auch in der Ernährung der Menschen dieser Region widerspiegeln.

Früher Import von Guano

Nach Ansicht der Wissenschaftler sprechen diese Ergebnisse dafür, dass die Menschen dieser Prä-Inka-Kulturen schon vor gut 1000 Jahren bewusst stickstoffreichen Dünger auf ihren Wüstenfeldern ausgebracht haben müssen. Was aber war dies für ein Dünger? Und woher kam er? Wie die Forscher erklären, ist die wahrscheinlichste Quelle für ein organisches, stickstoffreiches Material die Meeresküste. Denn dort gab es schon damals einen reichen Bestand an Meeresvögeln, die teilweise in Kolonien an der Küste und auf Inseln nisteten – und entsprechend viel Guano produzierten. Aus der Zeit der spanischen Eroberung gibt es Berichte darüber, dass die Inkas diesen Guano in großem Stil sammelten und als Dünger nutzten.

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„Ethnohistorische Berichte aus dem 16. bis 19. Jahrhundert berichten, dass die lokale Bevölkerung in kleinen Booten auf felsige Inselchen vor der Küste Südperus und Nordchiles fuhren, um dort Guano zu sammeln“, berichten Santana-Sagredo und ihr Team. „Diese Dokumente beschreiben auch, wie der Guano ins Landesinnere transportiert und dann dort zur Verbesserung der Ernten eingesetzt wurde.“ Der Guano war damals so begehrt, dass er zeitweise sogar als „weißes Gold“ bezeichnet wurde. Doch wie die aktuelle Studie belegt, waren der Guanoabbau und sein Einsatz als Dünger keine Erfindung der Inka. „Schon mindestens 400 Jahre vor den Inka wurde Guano von Meeresvögeln in großen Mengen von der Küste ins Landesinnere gebracht. Dies war mit enormem Aufwand verbunden“, sagen die Forscher. Aber diese Investition lohnte sich, wie die damals reichen Ernten und wachsende Bevölkerung in der Atacamaregion belegen.

Quelle: Nature Plants, doi: 10.1038/s41477-020-00835-4

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