Hallstatt hatte Schwein(e) - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

Hallstatt hatte Schwein(e)

Schweinezähne
Bronzezeitliche Schweinezähne aus Hallstatt. (Foto: Sabine Hammer/Vetmeduni Vienna)

Hallstatt in Österreich war in der Bronzezeit eines der großen Zentren der Salzgewinnung – und der Produktion von gepökeltem Schweinefleisch. Woher die Schweine für diese fast schon industrielle Fleischverarbeitung stammten, haben nun Forscher mithilfe von DNA aus bronzezeitlichen Schweinezähnen ermittelt. Die Analysen ergaben: Die Hallstätter Schweine stammten aus großen, genetisch vielfältigen Herden oder wurden sogar aus sehr unterschiedlichen Zuchten importiert.

Die Region Hallstatt im Salzkammergut gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Denn diese Region der Alpen ist eines der bronzezeitlichen Zentren der Salzgewinnung. „Der Salzbergbau bis in Tiefen von 170 Meter reicht hier bis in die Zeit um 1500 vor Christus zurück“, berichten Sabine Hammer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und ihre Kollegen. „Das weiße Gold“ wurde in Hallstatt jedoch nicht nur aus den Stollen gefördert, es wurde auch direkt praktisch genutzt: Tausende von Schweineknochen und -zähnen, sowie Bottiche und andere Schlachtereiutensilien zeugen davon, dass die Menschen der Bronzezeit dort Schweine in großem Stil schlachteten und durch Pökeln haltbar machten.

Schweinezähne als Zeitkapseln

„Archäologische Daten sprechen dafür, dass im Hochtal von Hallstatt pro Jahr das Fleisch von mehreren hundert Schweinen verarbeitet wurde“, so die Forscher. Unklar war bisher allerdings, woher die Schweine für diese fast schon industrielle Fleischproduktion stammten. „Morphologische Unterschiede der Knochen deuten darauf hin, dass die Schweine verschiedener Herkunft waren“, sagen Hammer und ihre Kollegen. Doch ob die Tiere tatsächlich von weither importiert wurden oder ob es in der Region um Hallstatt möglicherweise doch eine große Schweinezucht gab, war unklar.

Um diese Frage zu beantworten, haben Hammer und ihre Kollegen nun DNA-Analysen zu Hilfe genommen. Aus zehn in Hallstadt gefundenen Eckzähnen von Bronzezeit-Schweinen isolierten sie die mitochondriale DNA und unterzogen sie einer Genanalyse. Die mitochondriale DNA stammt nicht aus dem Zellkern, sondern liegt in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Diese werden nur über die Mütter an ihre Nachkommen vererbt und eignen sich deshalb dazu, Stammbäume der mütterlichen Linie zu rekonstruieren.

Überraschende Vielfalt

Trotz des hohen Alters der Schweinezähne, hatten die Wissenschaftler bei sieben von zehn Proben Erfolg: „Wir konnten genug DNA für eine sogenannte Markeranalyse gewinnen“, berichtet Hammer. Diese Analysen zeigten, dass die Schweine untereinander genetisch relativ verschieden waren: „Die Variabilität bei diesen prähistorischen Schweinen ist fast so groß wie zwischen heutigen Wild- und Hausschweinen“, so die Forscher. „Das spricht dafür, dass die Hallstatt-Schweine aus großen Herden stammten oder von verschiedenen Zuchten und Haltern importiert wurden.“

Anzeige

Zudem könnten die Bronzezeit-Schlachter sowohl Wildschweine als auch bereits domestizierte Schweinerassen verarbeitet haben. „Unsere Daten reichen nicht aus, um auf ihre genaue geografische Herkunft oder ihren Status (wild versus domestiziert) zu schließen“, so Hammer und ihre Kollegen. Dennoch konnten sie durch Vergleiche mit bekannten DNA-Sequenzen von prähistorischen und modernen Schweinen zumindest eingrenzen, zu welcher Großgruppe der Schweine die Tiere gehörten. „Laut unseren Ergebnissen waren sechs Proben eindeutig europäischen Ursprungs“, berichtet Hammer. Die siebte Probe zeigte eine Mischung zwischen dem sogenannten europäischen Haplotyp und dem asiatischen.

Um allerdings herauszufinden, aus welcher Region oder welchen Orten die Hallstätter Schweine damals kamen, müssen noch weitere genetische Analysen durchgeführt werden. „Die Crux in diesem Fall ist jedoch, dass qualitativ ausreichendes Erbgut aus den ausgegrabenen Proben gewonnen werden kann“, so Hammer. Erst dann lassen sich die Funde genetisch eindeutig kartieren und letztendlich geographisch zuordnen.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien, Fachartikel: BMC Research Notes, doi: 10.1186/s13104-018-3340-7

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

kach|ek|tisch  auch:  ka|chek|tisch  〈[kaxk–] Adj.; Med.〉 auf Kachexie beruhend ... mehr

Zins|gut  〈n. 12u; MA〉 vom Grundherrn abgegebenes, zinspflichtiges Bauerngut

ROM  〈IT; Abk. für engl.〉 Read Only Memory, ein Festwertspeicher für EDV–Anlagen, bei dem die einmal eingegebenen Daten nur wieder gelesen, aber nicht mehr verändert werden

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige