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Altes Ägypten

Heftige Prahlerei vor 4000 Jahren

Das mit insgesamt 30 Pfeilern versehene Felsgrab des Anchtifi von Hefat aus dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. befindet sich südlich der ägyptischen Stadt Luxor. © Liverpool Mission to Mo’alla/Bill Manley

“Ich bin ein Held ohnegleichen!…“ Auch vor Jahrtausenden haben sich politische Egomanen offenbar schon prahlerisch präsentiert: Ein deutscher Ägyptologe berichtet über einen regionalen Machthaber aus der sogenannten ersten Zwischenzeit des Reichs am Nil, der sich in Inschriften seiner Grabanlage auf erstaunlich extreme Weise preisen ließ. Er präsentierte sich als ein unvergleichlicher Manns-Kerl und geradezu göttlich gesandter Messias in der instabilen Ära nach dem Niedergang des Alten Reichs. Diese Art der Selbstdarstellung ist im ägyptischen Textuniversum einzigartig, schreibt der Experte in seiner Veröffentlichung über Anchtifi von Hefat.

Zu den vielen eindrucksvollen Zeugnissen der langen altägyptischen Kulturgeschichte gehören bekanntlich zahlreiche Grabanlagen. In Inschriften an Wänden und Säulen werden die Verstorbenen dort zwar oft in glänzendem Licht dargestellt. Doch selbst vor diesem Hintergrund fällt ein Grab aus dem Rahmen, das sich etwa 30 Kilometer südlich der einstigen Stadt Theben befindet. Die mit 30 Pfeilern ausgestattete Anlage war einem Mann gewidmet, der am Ende des dritten Jahrtausends v. Chr. gelebt hat – in der Ära der sogenannten ersten Zwischenzeit, die von Bürgerkrieg geprägt war.

Ein Autokrat der Zwischenzeit

Anchtifi von Hefat war kein Pharao, sondern aus heutiger Sicht eher so etwas wie ein regionaler “Warlord”: Nachdem das zentral regierte Alte Reich zerfallen war, hatte er durch Söldner aus Nubien die Herrschaft über ein Teilstück Ägyptens errungen. “Diese Krieger waren eine wichtige Machtbasis für Anchtifi”, erklärt der Ägyptologe Ludwig Morenz von der Universität Bonn. Bereits seit seiner Studienzeit hat er sich mit der ungewöhnlichen Persönlichkeit von Anchtifi beschäftigt. Von 2002 bis 2004 war Morenz auch an Ausgrabungen einer britischen Feldstudie zu der Grabanlage Anchtifis beteiligt und hat Inschriften an den Pfeilern detailliert untersucht und entziffert.

In seiner Veröffentlichung „Anchtifi von Hefat: Manns-Kerl und Messias?“ verdeutlicht Morenz nun die extreme Besonderheit und Radikalität der Inschriften im Grabmal des ungewöhnlichen Ägypters. Im Vergleich zu anderen Texten wirkt die Art der Selbstpräsentation demnach fast verstörend – “einzigartig” nennt sie Morenz. Wie er berichtet, sind die Inschriften auf den Säulen autobiografisch formuliert und mythisch verklärt. “Als regionaler Machthaber präsentierte er sich im zerfallenden Reich Altägyptens als Retter und Messias”, sagt Morenz. In der Zeit, in der der einstige pharaonische Zentralstaat immer mehr in regionale Mächte zerfiel, inszenierte sich Anchtifi als “starker Kerl” und “Liebling der Götter”. Mit diesen Zuschreibungen wollte er in seiner Region Eindruck schinden und für den Neubeginn stehen, erklärt Morenz.

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Manns-Kerl und Messias

Am unteren Ende des roten Pfeils ist ein Krokodil abgebildet. Am oberen Pfeilende ist die Hieroglyphe „Krokodilsschwanz“ zu erkennen. © Liverpool Mission to Mo’alla/Bill Manley

Dabei kamen erstaunlich großspurige Formulierungen zum Einsatz: Auf den Säulen ist unter anderem zu lesen: “Ich bin ein Held ohnegleichen” und auch durch vordergründige Betonung der Männlichkeit trommelte sich Anchtifi auf die Brust. “Ich bin ein Manns-Kerl: Es wird keinen anderen geben”, lautet die Übersetzung einer Inschrift. Zum Ausdruck der Besonderheit wurde sogar ein neues Zeichen auf den Säuleninschriften eingeführt, berichtet Morenz: die Hieroglyphe „Krokodilsschwanz“. „Sie steht für Zerstörungspotenzial”, erklärt der Ägyptologe.

Anchtifi erhebt außerdem einen geradezu messianischen Anspruch: “Ich bin Anfang des Menschen und Ende der Menschen”, ließ er in eine Säule meißeln. Anchtifi rückte sich dabei auch geschickt in die Nähe der Götter Horus und Hemen. Es spreche viel dafür, dass die provokanten Textpassagen keine verbalen Ausrutscher sind, sagt Morenz. Sie sind vielmehr schlüssig formuliert und folgen dem göttlichen Plan, sich als Befreier zu positionieren, interpretiert der Ägyptologe.

“Zunächst wirkt die Selbstpräsentation auf sieben Säulen des Felsgrabes allein wie großspuriges Prahlen”, berichtet Morenz. “Aber die neuartige Rolle seiner messianischen Über-Männlichkeit wurde wohl tatsächlich für Anchtifi konzipiert”, sagt der Wissenschaftler. “Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass es sich in dieser Radikalität nicht nur um ‚Groß-Sprech´ handelt, sondern dass Anchtifi sich tatsächlich als Retter und Erlöser sah”, sagt Morenz.

Nach seiner intensiven Beschäftigung mit dem prahlerischen Ägypter stellt der Ägyptologe abschließend fest, dass sich ihm das Bild eines unangenehmen Machtmenschen und Egomanen vermittelt hat. Diesen Typus gibt es bekanntlich auch mehr als 4000 Jahre nach Anchtifi noch immer: “Mir kommen dabei unsere neuen Autokraten in den Sinn”, so Morenz.

Quelle: Universität Bonn, Fachpublikation: Ludwig D. Morenz: Anchtifi von Hefat: Manns-Kerl und Messias?, Bonner Ägyptologische Beiträge, Band 12, EB-Verlag Berlin

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