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Geschichte+Archäologie

Heinrich Zille und sein Berlin

Heinrich Zille: Kinder der Strasse, Titelblatt der Erstausgabe von 1908. (Foto: Privatsammlung, Berlin)

Das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden zeigt bis 1. September 2013 die Ausstellung „Typen mit Tiefgang. Heinrich Zille und sein Berlin“. Vielen sind Heinrich Zilles (1858–1929) Arbeiten aus den Zeitschriften Simplicissimus und Jugend bekannt. Darin hatte er mit dem ihm eigenen Bildwitz zeichnend die Zeit des rasanten Umbruchs in Berlin um 1900 festgehalten. Als scharfer Beobachter richtete Zille seinen Fokus auf wenig malerische Motive, Stadtteile und Mietkasernen seiner Stadt. Während die künstlerische Avantgarde seiner Zeit die Flucht aus der Realität propagierte, wandte sich Zille seiner unmittelbaren Gegenwart zu. Er entwickelte eine Meisterschaft darin, mit flottem Strich und sehr präzise, Menschen in der boomenden Stadt wiederzugeben, die am wenigsten in das Bild der Kaiserzeit passten: in finsteren Hinterhöfen spielende Kinder, Prostituierte und vom Leben Gezeichnete. Selbst aus einfachsten Verhältnissen kommend, hatte er einen besonderen Zugang zu den von ihm dargestellten Menschen.

Im Rahmen der Ausstellung „Typen mit Tiefgang. Heinrich Zille und sein Berlin“ zeigt das Baden-Badener Museum (Lichtentaler Allee 8, 76530 Baden-Baden, 07221/50 07 96-0) die Motivvielfalt des Zille’schen Berlins – ob in den finsteren Ecken der Metropole, in den schmutzigen Hinterhöfen und beengten Wohnverhältnissen, oder unter den mondänen Flaneuren unter den Linden. Neben Zeichnungen und Druckgrafiken unterschiedlichster Techniken aus einer Berliner Privatsammlung, werden in der Ausstellung auch seine bisher wenig in der Öffentlichkeit gezeigten, zahlreichen Fotografien präsentiert.

Sein früh erkanntes zeichnerisches Talent brachte ihn ab den 1870er Jahren mit der Lithografie und den fortschrittlichsten Reproduktionstechniken seiner Zeit in Kontakt. Dreißig Jahre arbeitete er als versierter Perfektionist für die Photographische Gesellschaft Berlin. Dies ermöglichte ihm nicht nur ein Bildstudium über das Kopieren der Vorlagen, sondern auch die technische Umsetzung seiner eigenen Arbeit als Autor von Künstlerbüchern. Zilles Publikationen wie Kinder der Strasse, Zwanglose Geschichten und Hurengespräche zählen mit zu den ersten Büchern dieser Art. Gezeigt wird u.a. die vollständige Lithografie-Serie der Zwanglosen Geschichten und Bilder und Auszüge aus den Hurengesprächen. Hieran sind nicht nur die zeichnerischen Qualitäten von Interesse, sondern auch Zilles schriftstellerische und publizistische Betätigung als Sprachrohr für die „Randerscheinungen“ einer Millionenstadt.

Quelle: Museum für Kunst und Technik Baden-Baden
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