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Keltische Grabanlage

Hinweise auf eine edle Dame

Die Archäologen stießen auf 15 filigrane Goldperlen, die wahrscheinlich zu einem prunkvollen Halsschmuck gehörten. (Bild: LAD im RPS R.Wollenweber)

Neues von der geheimnisvollen Heuneburg: Eine 2020 zur Untersuchung im Block geborgene Grabkammer von dem oberschwäbischen Fundort hat erste Geheimnisse preisgegeben. Es handelte sich vermutlich um die einst reich ausgestattete Ruhestätte einer Frau der keltischen Oberschicht. Darauf weisen kostbarere Schmuckgegenstände hin, von denen allerdings nur Spuren gefunden wurden, denn leider wurde das Grab einst geplündert. Dennoch können die noch andauernden Untersuchungen wichtige Einblicke in die Geschichte und Kultur der frühen Kelten des 7. bis 5. Jahrhunderts v. Chr. liefern, sagen die Experten.

Auf einem Plateau nahe der Donau im heutigen Oberschwaben thronte einst eine monumentale Anlage, die als die älteste bekannte Stadtanlage nördlich der Alpen gilt: Die sogenannte Heuneburg bildete ab 620 v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. ein frühkeltisches Zentrum und war wohl der Sitz eines Fürsten. Umfangreiche Untersuchungen des Fundortes haben in den letzten Jahrzehnten die Ausmaße der Siedlung verdeutlicht. Die befestigte Stadt beherbergte demnach zu ihrer Blütezeit mehrere tausend Einwohner. Die Bedeutung des Ortes verdeutlichten zudem bereits teils reiche Funde in den Hügelgräbern im Umland der Heuneburg.

Ein solches Grab steht nun erneut im Fokus. Im Jahr 2018 begann das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart mit der Untersuchung eines Großgrabhügels, der sich in der Donauebene unterhalb der Heuneburg befindet. Dabei zeigte sich, dass eine fachgerechte Freilegung der Überreste der drei mal fünf Meter großen Grabkammer vor Ort nicht ohne Risiken möglich war. So entschloss sich das LAD zu einer archäologischen Hauruck-Aktion: Im Oktober 2020 wurde die gesamte Grabkammer im Block geborgen und zur Untersuchung in die Labore des LAD in Ludwigsburg-Grünbühl transportiert. Dort konnte dann ein Expertenteam unter optimalen Bedingungen Untersuchungen an dem empfindlichen Fundmaterial durchführen. Nun berichtet das LAD über die ersten Ergebnisse.

Reste prunkvollen Halsschmucks

Die Funde in der von Wassereinbrüchen geprägten Grabkammer belegen demnach, dass es sich um eine ursprünglich reich ausgestattete Ruhestätte einer Frau der Oberschicht gehandelt hat. Darauf weisen Spuren von Schmuckbeigaben hin, wie sie für die Frauentracht der Zeit um 600 v. Chr. typisch waren, berichtet das LAD. Konkret stießen die Archäologen auf 15 filigrane Goldperlen, die wahrscheinlich einst zu einem prunkvollen Halsschmuck gehörten. Außerdem entdeckten sie eine Bernsteinfibel. Dieses Stück verweist somit auch auf Fernbeziehungen der Kelten von der Heuneburg in den Ostseeraum.

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Das Team stieß zudem auf Keramiken und ein Schweineskelett. Dabei handelt es sich offenbar um Trank- und Speisebeigaben, die der Toten auf ihrem Weg ins Jenseits mitgegeben worden sind, erklären die Experten. Von besonderem wissenschaftlichem Wert sind zudem Funde von Bronzeobjekten, bei denen es sich wohl um Beschläge eines vierrädrigen Wagens handelt. Das Besondere ist dabei: Erste Untersuchungen legen nahe, dass sich auch Elemente aus Holz erhalten haben. Normalerweise sind von frühkeltischen Wagen hingegen nur die Metallteile gefunden worden, so das LAD.

Vergleiche mit dem Grab der „Fürstin vom Bettelbühl“

Doch wird die weitere Freilegung der Grabkammer vielleicht noch Kostbarkeiten aufdecken? Vermutlich nicht, sagen die Experten. Denn die Tatsache, dass bisher keine größeren Beigaben aus Gold gefunden wurden, spricht dafür, dass das Grab geplündert worden ist. Möglicherweise geschah dies schon in der Zeit der Kelten. Lediglich kleine Objekte sind dieser Beraubung wohl entgangen. Die wissenschaftliche Herausforderung für das Forschungsteam besteht deshalb nun darin, aus diesen Resten auf die ursprüngliche Ausstattung des Grabes zu schließen, schreibt das LAD.

Dabei können Vergleiche mit einem berühmten Grab helfen, das bereits 2010 nur 100 Meter vom aktuellen Fundort entfernt Kostbarkeiten freigegeben hat: In der Ruhestätte der „Fürstin vom Bettelbühl“ stießen Archäologen auf gut erhaltene Gold-, Bronze- und Bernsteinobjekte. Es zeichnen sich bereits charakteristische Übereinstimmungen zu den Resten aus dem aktuell untersuchten Kammergrab ab, sagen die Archäologen. Die Ähnlichkeit der Funde und die unmittelbare Nachbarschaft der Grabmonumente könnten zudem ein Hinweis darauf sein, dass es eine soziale Beziehung zwischen den beiden Frauen gab: „Es ist davon auszugehen, dass die Gräber ähnlich reich ausgestattet waren und dass dort bedeutende Persönlichkeiten einer der an der Heuneburg tonangebenden Familien bestattet wurden“, schreibt das LAD. Man kann also gespannt sein, was das Team im Rahmen der weiteren Untersuchungen noch herausfinden wird.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart


Video: Entwicklung der Heuneburg. (Quelle: denkmalpflegebawue)

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