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Geschichte+Archäologie

Historischer Christbaumschmuck

Gläserne Christbaumspitze, wohl aus Gablonz um 1880 aus der Sammlung Schreiner GmbH. (Foto: Alexander Rapp/Museum der Brotkultur)

In der Weihnachtsausstellung des Museums der Brotkultur in Ulm dreht sich unter dem Titel „Aufgeputzt!“ bis einschließlich 12. Januar 2014 alles um Christbaumschmuck. Mit rund 400 Objekten aus der bedeutenden Sammlung der Firma Schreiner GmbH beleuchtet die Ausstellung die Entstehung und Entwicklung des Christbaumschmucks von der Biedermeierzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Christbaum ist heute weltweit das Zeichen für die weihnachtliche Zeit – im privaten wie öffentlichen Raum ist der grüne, mit Lichtern besteckte und reich geschmückte Baum fester Bestandteil jeder Weihnachtsdekoration. Bereits im Mittelalter war es üblich, Häuser und Kirchen von Advent bis Lichtmeß mit grünen Zweigen zu schmücken. Und beim weihnachtlichen Krippenspiel in der Kirche nahm der immergrüne Baum als „Paradiesbaum“ eine wichtige Rolle ein. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts war der so geschmückte, grüne Baum dann auch außerhalb der Kirche, in wohlhabenden Häusern zu finden. Diese ersten Christbäume waren mit Äpfeln, Nüssen, Zuckerzeug, Plätzchen, Schleifen und Papierrosen geschmückt. Miniaturspielzeug, Engel, andere weihnachtliche Figuren und Sterne wurden nach dem 17. Jahrhundert aus Wachs, Watte, Papier, Pappe, Stroh, Holz oder Zinn hergestellt.

Die eigentliche Blüte des Christbaumschmucks begann jedoch im Biedermeier als vor allem in Thüringen, Sachsen und Franken Schmuck in großen Mengen und aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt wurde.

Gerade diese Materialvielfalt führen die liebevoll gesammelten Einzelstücke der Sammlung der Firma Schreiner GmbH vor Augen; darunter Pappeschmuck aus Dresden, sehr seltenen Watteschmuck aus Heubach und die so genannten Schneekinder aus thüringischem Bisquittporzellan, welche von den bekannteren Produktionen aus Gablonz und anderen namhaften Glaszentren begleitet werden. Dazu kommt im Westen überaus selten gezeigter Christbaumschmuck aus Russland, der die beliebten russischen Wintermärchen u. a um Väterchen Frost illustriert.

So reizvoll der Erfindungsreichtum der Gestalter von einst für den Betrachter von heute auch sein mag, nahm der Christbaumschmuck immer auch ganz konkret Bezug auf Ereignisse, die den Menschen im Gedächtnis bleiben sollten. Im Jahr der ersten Zeppelinfahrt hingen natürlich Miniaturausgaben des die Luftfahrtsgeschichte bahnbrechend revolutionierenden Himmelsschiffes an den Christbäumen, wie selbstverständlich findet sich daneben das Kaiserportrait Wilhelms II. als Christbaumkugel. Mit Kriegsausbruch 1914 rückten dann die Panzer auf… Für nur kurze Zeit – dann begann schon der II. Weltkrieg – produzierte die Christbaumschmuckindustrie sogar Behänge mit Runen und dem Konterfei Adolf Hitlers. Bedingt durch die jähe Zäsur, die das Ende des II. Weltkrieges in vielerlei Hinsicht bedeutete, war in der Nachkriegszeit aus der Not heraus Schlichtheit angesagt. Christbaumschmuck wurde in Form und Gestalt vereinfacht. An die auch handwerklichen Höhepunkt von einst aber reichen die heutigen, meist aus China stammenden Baumausstattungen längst nicht mehr heran.

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Quelle: Museum der Brotkultur Ulm
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