Historisches Flugzeugwrack unter dem Eis - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Historisches Flugzeugwrack unter dem Eis

Radardrohne
Mit tragbarem Radar ausgerüstete Drohne (Foto: UGCS)

Mehr als 70 Jahre lagen acht US-Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg im Eis eines grönländischen Gletschers. Sie waren nach einer Notlandung im Schneesturm zurückgelassen worden. Jetzt hat eine Suchexpedition eine der verschollenen P-38-Maschinen aufgespürt. Eine Drohne mit tragbarem Radargerät half dabei, die Signatur des Wracks unter 90 Metern Eis zu finden. Jetzt hofft das Team, den alten Flieger bald aus seinem eisigen Grab bergen zu können.

Die Geschichte der „Lost Squadron“ beginnt am 15. Juli 1942. An diesem Tag startet eine Flugzeugstaffel aus sechs P-38 Kampfflugzeugen und zwei B-17-Bombern von einem US-Militärstützpunkt im Südosten Grönlands. Die Aufgabe der Piloten ist es, diese Flugzeuge über die sogenannte „Schneeball-Route“ nach Europa zu bringen, damit sie dort als Teil der alliierten Streitkräfte gegen Nazideutschland eingesetzt werden können.

Verschollen im Eis

Doch diese Route über Grönland und Island nach Osten hat es in sich. Denn sie führt über eisiges, unbewohntes Gebiet, das für seine plötzlichen Wetterwechsel notorisch ist. Scheinbar aus dem Nichts treten hier immer wieder heftige Schneestürme auf – so auch am 15. Juli. Ein schwerer Blizzard zwingt die Flugzeugstaffel, auf einem Gletscher nahe der Køge Bay notzulanden. Die Besatzung der Flugzeuge kann zwar nach neun Tagen gerettet werden, die Flugzeuge selbst aber müssen zurückbleiben. Nach Kriegsende gerieten die Flugzeugwracks zunächst in Vergessenheit. Seither sind sie immer tiefer ins Eis eingesunken, gleichzeitig hat das sich bewegende Gletschereis sie mitgezogen.

Dadurch findet sich heute an der Eisoberfläche keine Spur mehr der Jets und Bomber. Sie gelten wie viele andere damals auf der Schneeball-Route abgestürzte oder notgelandete Flugzeuge als verschollen. Nur eine einzige P-38 wurde in den 1990er Jahren im Gletschereis gefunden und geborgen. Die Lage der restlichen Flugzeuge aber ist bis heute unbekannt. „Diese Gegend gilt deshalb als das Bermuda-Dreieck Grönlands“, erklärt Jim Salazar, Gründer der Nonprofit-Organisation Arctic Hot Point Solutions, die sich auf die Suche nach in Grönland verschollenen Militärflugzeugen spezialisiert hat.

Fliegendes Radarauge

Jetzt jedoch haben Salazar und sein Team ein weiteres Flugzeug der verschollenen Staffel ausfindig gemacht. Möglich wurde dies durch eine raffinierte Kombination modernster Technologie. Denn das Expeditionsteam nutzte als „Kundschafter“ eine Drohne, die mit einem tragbaren Radargerät ausgerüstet war. Mithilfe dieses Radars konnte der Suchtrupp systematisch das Eis des Gletschers nach dort eingeschlossenen Flugzeugwracks abtasten. An einer Stelle, an der bereits 2011 eines der P-38-Flugzeuge vermutet worden war, wurde die Drohne fündig.

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Die Radardaten zeigten an, dass rund 90 Meter unter der Gletscheroberfläche ein größeres Objekt begraben sein muss. Daraufhin scannte das Expeditionsteam den Untergrund vor Ort noch einmal mit Radarschlitten, um genauere Daten und Bilder zu erhalten. Als diese die Ergebnisse der Drohne bestätigten, führten Salazar und sein Team eine vorsichtige Probebohrung ins Eis durch. Mit einer erhitzten Sonde schmolzen sie sich dabei bis in fast 100 Meter Tiefe. Als sie den Bohrer wieder hinaufzogen, war an seiner Spitze eine rote, ölige Flüssigkeit zu sehen – Hydrauliköl eines Flugzeugs, wie Analysen bestätigten.

Auf der Suche nach dem verschollenen Kampfjet (Video: UGCS)

Salazar und seine Kollegen schließen aus ihren Daten, dass es sich bei ihrem Fund um eine weitere P-38 der verschollenen Staffel handeln muss. Höchstwahrscheinlich ist dies die Maschine mit dem Rufnamen „Echo“, die damals von dem Piloten Colonel Robert Wilson geflogen wurde, wie sie berichten. Das Team hofft nun, das Wrack bald aus seinem eisigen Grab bergen zu können und es möglicherweise sogar wieder zu restaurieren. Denn von den durch ihren auffallenden Doppelrumpf gekennzeichneten P-38-Kampflfugzeuge sind heute nur noch gut ein Dutzend Exemplare erhalten.

Quelle: Arctic Hot Point Solutions, UGCS

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