Die Rolle Giuseppe Verdis Holbeins Graue Passion - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Die Rolle Giuseppe Verdis

Holbeins Graue Passion

Hans Holbein d.Ä. (um 1465 - 1524), Graue Passion, Auferstehung Christi, zwischen 1494 und 1500, ölhaltige Mischtechnik auf Fichtenholz, © Staatsgalerie Stuttgart

Die Staatsgalerie Stuttgart präsentiert in der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg die erste Ausstellung nach 45 Jahren, die sich mit dem Werk Hans Holbeins des Älteren beschäftigt. Im Mittelpunkt der Schau steht seine zwölf Tafeln umfassende „Graue Passion“ (entstanden zwischen 1494 und 1500). Das Hauptwerk des Künstlers wird im Kontext themengleicher Tafelbilder und Graphikreihen bedeutender Vorläufer und Zeitgenossen wie Jan van Eyck, Hans Memling, Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Matthias Grünewald gezeigt.

Dank einer groß angelegten Spendenaktion konnte die Staatsgalerie Stuttgart die „Graue Passion“ 2003 erwerben. In einer gemeinsamen Anstrengung der baden-württembergischen Landesregierung, der Kulturstiftung der Länder, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart, der Landesbank Baden-Württemberg sowie der Kulturfonds des Sparkassen- und Giroverbandes, der Daimler AG, der Robert Bosch GmbH sowie weiterer Förderer wurde der Ankauf für 13,2 Millionen Euro realisiert.

Die einzelnen Tafeln der „Grauen Passion“ befanden sich aufgrund von Übermalungen und fehlenden Malschichten in höchst unterschiedlichem Zustand. Ziel einer Restaurierung war es, sie in ihrer Erscheinung wieder einheitlich präsentieren zu können. Die Untersuchung der bisher unerforschten Maltechnik Hans Holbeins des Älteren sowie die Restaurierung der zwölf Gemälde stellten das bisher umfangreichste Restaurierungsprojekt der Staatsgalerie Stuttgart dar. Ein vom Steinbeis-Transfer-Zentrum an der Hochschule der Medien (Stuttgart) erstellter Film erfasst die Restaurierung in einer Langzeitdokumentation und erlaubt einen exklusiven Einblick in die Restaurierungswerkstatt der Staatsgalerie Stuttgart: Die Kamera begleitet das Team der Restauratoren bei den verschiedenen Arbeitsschritten von der mikroskopischen Untersuchung der Malschichten bis hin zur sorgfältigen Bestandsaufnahme der Schäden. Modernste Technik (wie beispielsweise die hochauflösende digitale Infrarot-Kamera „OSIRIS“) und umfangreiche Untersuchungen zu Material und Maltechnik ermöglichen erstmalig grundlegende technologische Forschungserkenntnisse zu dem Werk Hans Holbeins des Älteren. Der Dokumentarfilm wird als Teil der Ausstellung präsentiert, eine kürzere Fassung des Films von rund fünf Minuten Länge ist im Internet abrufbar unter: http://www.youtube.com/user/DieStaatsgalerie.

Die Besucher erwartet in der Ausstellung eine Begegnung mit einer der künstlerisch hervorragendsten Passionsfolgen der altdeutschen Kunst. Ursprünglich bildeten die zwölf Tafeln mit Darstellungen der Leidensgeschichte Christi die Außen- und Innenseiten zweier doppelseitig bemalter Flügel eines Passionsaltars. In geschlossenem Zustand waren die grauen Szenen zu sehen, die in paarweiser Anordnung von oben nach unten zu lesen sind und folgende Passionsszenen darstellen: Christus am Ölberg, die Gefangennahme Christi, Christus vor Hannas, die Geißelung Christi, die Dornenkrönung Christi und Ecce Homo. Geöffnet präsentierten sich die ockerfarbenen Darstellungen in der Lesefolge von oben nach unten. Auf dem linken Flügel sind zu sehen: Die Handwaschung des Pilatus, die Kreuztragung Christi und Christus in der Rast. Der rechte Flügel zeigt die auf die Kreuzigung folgenden Ereignisse: Die Kreuzabnahme, Grablegung und Auferstehung Christi. In geöffnetem Zustand flankierten die Passionsszenen einen heute verlorenen Schrein, in dem vermutlich eine geschnitzte Gruppe mit der Kreuzigung Christi zu sehen war. Der ursprüngliche Aufstellungsort des Altars ist bis heute ungeklärt.

In besonderem Maß wird die emotionale Dichte und kompositorische Geschlossenheit deutlich, in der Hans Holbein der Ältere die Leidensgeschichte Christi interpretiert hat. Mit seinen formal beruhigten Kompositionen und seinem idealisierten Christustypus weist der Künstler bereits auf ein Darstellungsideal der Renaissance voraus. Allein im Vertrauen auf seine eigenen künstlerischen Möglichkeiten löste sich Holbein von den tradierten Bildformen und mied die zuweilen drastischen Schilderungen des Passionsgeschehens seiner Vorgänger.

Anzeige

Besonderes Augenmerk gilt der schon im Namen anklingenden farblichen Gestaltung der Tafeln als Halbgrisaille, die singulär innerhalb der gesamten europäischen Altarmalerei ist. Holbein entwickelte aus der Grau-in-Grau- Malerei eines Jan van Eyck und Rogier van der Weyden ein subtiles monochromes Kolorit, das in Verbindung mit der Inkarnatsfarbe und wenigen, intensiv leuchtenden Farbpartikeln bei Blut, Dornenkrone, Ringen und Fackeln einzigartig ist. Die eindringliche Dramatik des dargestellten Passionsgeschehens teilt sich schon allein durch die Farbwirkung in ihrer differenzierten Abstufung und den unterschiedlichsten Valeurs von Grau, Ocker und Grün mit.

Die Leihgaben zur Ausstellung kommen aus bedeutenden Sammlungen der Welt wie dem Kunstmuseum Basel, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem British Museum London, dem Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, dem Montreal Museum of Fine Arts, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, dem Metropolitan Museum of Art New York, dem Musée du Louvre Paris, dem Kunsthistorischen Museum Wien und einigen anderen mehr. Die Bedeutung der Ausstellung eine Leihgabe der Albertina in Wien: Die Staatsgalerie Stuttgart erhält für die Dauer der Ausstellung acht kostbare Zeichnungen der „Grünen Passion“ von Albrecht Dürer, die nur alle 25 Jahre ausgeliehen wird. Aus konservatorischen Gründen dürfen nur jeweils vier gleichzeitig gezeigt werden; nach der Hälfte der Ausstellung müssen die Blätter ausgetauscht werden.

Die Ausstellung umfasst rund 45 Tafelbilder (teilweise beidseitig bemalt) und mehrteilige Altäre, 94 Arbeiten auf Papier sowie einige Skulpturen und Glasbilder.

Quelle: Staatsgalerie Stuttgart
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Phar|ma|zeu|tik  〈f. 20; unz.〉 = Pharmazie

Ka|su|ar  〈m. 1; Zool.〉 großer, straußenähnlicher, flugunfähiger Flachbrustvogel: Casuarius [<mal. kasawari ... mehr

Rep|til  〈n.; –s, –li|en od. –e; Zool.〉 Angehöriges einer Klasse wechselwarmer Wirbeltiere mit drüsenarmer, beschuppter od. beschilderter Haut u. meist vier Gliedmaßen, die den Körper bei der schlängelnd–kriechenden Bewegung nie komplett vom Boden abhebt u. durch Lungen atmet: Reptilia; Sy Kriechtier ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige