Hyksos: Mächtige Migranten statt Eroberer? - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Hyksos: Mächtige Migranten statt Eroberer?

Siegelamulett mit dem Namen des Hyksos-Herrschers Apophis. (Bild: Das Metropolitan Museum of Art (CC0))

Etwa hundert Jahre lang beherrschten sie das alte Ägypten: Doch die geheimnisvollen Hyksos sind möglicherweise nicht durch eine Invasion an die Macht gekommen, sondern durch eine interne Machtübernahme, berichten Forscher. Untersuchungen menschlicher Überreste legen nahe, dass die Hyksos eine Gruppe von Einwanderern waren, die sich bereits in Ägypten etabliert hatten und dann schließlich eine Chance zur Machtergreifung nutzten.

Es war die erste Fremdherrschaft im alten Ägypten: Von 1640 bis 1530 v. Chr. verloren die Pharaonen die Kontrolle über Nordägypten an die mysteriösen Hyksos-Herrscher. Die traditionelle Erklärung ist, dass es sich um eine fremde Invasionsmacht aus der benachbarten Region Südwestasiens gehandelt hat. So haben es die Pharaonen zwölf Jahrhunderte später jedenfalls dargestellt: Die Hyksos seien demnach ausländische Invasoren gewesen, die den Norden Ägyptens mit Gewalt eingenommen und Unordnung und Chaos verursacht hätten. Doch es ist gut möglich, das es sich dabei um altägyptische Propaganda gehandelt hat. Da es aus der Epoche selbst nur wenige textliche Quellen gibt, ist die genaue geografische Herkunft, die Art der Machtübernahme und die Rolle der Hyksos in der altägyptischen Geschichte rätselhaft geblieben.

Spurensuche in der Hauptstadt der Hyksos

Einige Informationen haben Wissenschaftler allerdings bereits bei langjährigen Ausgrabungen in Tell el-Dab’a im nordöstlichen Nildelta gewonnen. Dieser Ort wurde als die Hauptstadt der Hyksos während der Herrschaft über Ägypten identifiziert. Die Funde haben den nahöstlichen Ursprung der herrschenden Klasse bestätigt. Dies geht aus nicht-ägyptischen Merkmalen von Keramiken, Begräbnisbräuchen, Verzierungen, Waffen sowie häuslicher und kultischer Architektur hervor. Im Rahmen der aktuellen Studie haben nun die Forscher um Chris Stantis von der University of Bournemouth eine weitere Methode angewendet, um Rückschlüsse auf die Herkunft der Hyksos zu gewinnen: Sie führten eine Strontium-Isotopenanalyse durch.

Sie sammelten dazu Proben von Zahnschmelz aus 75 menschlichen Überresten, die in Gräberfeldern der Hyksos-Hauptstadt Tell el-Dab’a gefunden wurden. Sie verglichen dann das Verhältnis der Strontiumisotope in diesen Zähnen mit Umweltisotopensignaturen aus Ägypten und anderen Ländern. Wie sie erklären, konnten die Ergebnisse Hinweise über die geografische Herkunft der in der Stadt lebenden Personen liefern. So stellten sie fest: Viele der Bewohner von Tell el-Dab’a waren keine Einheimischen, sondern Einwanderer aus verschieden Regionen. Das allein hätte auch zum Resultat einer Invasion gepasst. Doch wie die Forscher berichten, gab es die multikulturelle Bevölkerung in Tell el-Dab’a sowohl vor als auch während der Hyksos-Dynastie.

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Wurden die Hyksos-Herrscher in Ägypten geboren?

Dieser Befund passt somit nicht zu einem Szenario einer plötzlichen Invasion aus einem einzigen weit entfernten Land, sagen die Forscher. Es scheint wahrscheinlicher, dass es sich bei Tell el-Dab’a um eine multikulturelle Region gehandelt hat, in der eine interne Gruppe – die Hyksos – schließlich an die Macht kam, nachdem sie dort schon über Generationen hinweg gelebt hatte. „Die Isotopenanalyse verweist auf eine Einwanderung vor der Herrschaft der Hyksos nach Ägypten, als es dort große kulturelle Transformationen gab. Vor allem Frauen waren vor der Herrschaft der Hyksos nach Ägypten einwandert. Letztlich deutet dies eher auf wirtschaftliche und kulturelle Veränderungen als Ursache der Fremdherrschaft hin als auf eine gewaltsame Übernahme“, resümiert Stantis.

Dennoch bleiben viele Fragen rund um die Herrschaft der Hyksos offen – auch dazu, wer sie tatsächlich waren. Die Forscher wollen deshalb weiterhin chemische Techniken der Archäologie einsetzen, um die spezifischen Vorfahren der Hyksos und anderer nicht ursprünglicher Bewohner Ägyptens zu identifizieren.

Quelle: PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0235414

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