Importierte Papageien prägten die Pueblo-Kultur - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Importierte Papageien prägten die Pueblo-Kultur

Ein roter Ara (oben) und ein in Pueblo Bonito gefundener Ara-Schädel (unten). (Credit: AMNH/D. Finnin)

Rund 1100 Jahre alte Überreste von roten Aras in einer Pueblo-Siedlungen legen nahe: Die politischen Hierarchien in dieser hochentwickelten Indianer-Kultur sind früher entstanden, als bisher vermutet. Die aus dem Süden importierten Vögel und ihre bunten Federn waren ein kostbares Gut. Die Kontrolle über den Papageien-Handel könnte demnach ein auslösender Faktor bei der Entwicklung des Standessystems der Pueblo-Gesellschaft gewesen sein, sagen die Archäologen.

Die Funde stammen aus der Siedlung Pueblo Bonito im Chaco Canyon des US-Bundesstaates New Mexico. Der Gebäudekomplex umfasst 650 Räume und war von 823 bis 1126 n. Chr. bewohnt. Es ist bekannt, dass die Pueblo über weitreichende Handelsverbindungen verfügten. Neben anderen Luxusgütern wie Schokolade und Türkisen wurden auch Papageien importiert, deren leuchtende Federn als Schmuck und für zeremonielle Zwecke sehr begehrt waren. Bisher nahm man allerdings an, dass die Importe erst mit der Blüte der Kultur um das Jahr 1040 einhergingen. Diese Zeit war durch rege Bautätigkeit gekennzeichnet und so galt diese Ära bisher auch als der Beginn einer zunehmenden Hierarchisierung der Pueblo-Gesellschaft. Doch die aktuellen Ergebnisse werfen nun ein neues Licht auf diese Entwicklung.

Kostbares buntes Federvieh

Die Forscher um Adam Watson vom American Museum of Natural History haben in Pueblo Bonito die Überreste von insgesamt 30 Papageien entdeckt. Ein Raum war offenbar sogar speziell der Vogelhaltung gewidmet: Hier fanden die Forscher die Knochen von 14 Papageien sowie Spuren ihrer Exkremente. Zunächst nahmen die Forscher an, dass die Tiere aus der Blütezeit der Siedlung stammten. Doch Radiokarbondatierungen offenbarten dann: Die Vogel lebten im späten neunten bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts und damit etwa 150 Jahre früher als bisher angenommen. „Durch die direkte Datierung der Aras haben wir die Existenz von Fernhandel während eines Großteils der Geschichte dieser Siedlung nachgewiesen“, sagt Watson.

Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass der Import der südamerikanischen Papageien möglicherweise nicht eine Folge der Entstehung einer Elite war, sondern umgekehrt: Der Handel könnte ein Katalysator bei der Entwicklung von Hierarchie innerhalb der Gesellschaft gewesen sein. „Die Kontrolle über die Handelsnetze und die rituelle Macht im Zusammenhang mit den Aras und ihren Federn könnten am Beginn der Hierarchisierung wichtig gewesen sein“, resümiert Watson.

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1509825112
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