Interkontinentalhandel vor Ankunft der Europäer - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Interkontinentalhandel vor Ankunft der Europäer

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Blick auf die Region, in der sich Asien und Nordammerika sehr nahe kommen. (Bild: Cooper/iStock)
Amerika scheint vor der Ankunft der Europäer vom Rest der Welt isoliert gewesen zu sein. Doch so ganz war das offenbar nicht der Fall: Zwei Bronzefunde aus Alaska belegen nun, dass über Handelswege entlang der Beringstraße Metall aus Asien bis nach Nordamerika gelangte, noch bevor die ersten Europäer in der Neuen Welt ankamen.

Die Funde stammen von dem Ausgrabungsort Cape Espenberg an der Seward Peninsula im Nordwesten Alaskas. Einst lebte hier das Inuit-Volk der Thule in Häusern. Ein Archäologenteam der University of Colorado in Boulder hat an diesem Fundort verschiedene Gegenstände ausgegraben, darunter auch einige aus Metall. Es war bereits bekannt, dass diese Inuit in dieser Region selbst hergestellte Werkzeuge und auch Statusobjekte aus Metall nutzten. Dabei handelte es sich meist um Kupfer.

Zwei seltsame Metallobjekte

Doch zwei der gefunden Metallobjekte schienen ungewöhnlich. Es handelt sich um eine zylindrische Perle und das Fragment einer Schnalle. Sie stammten aus den Überresten eines Hauses, das die Forscher auf eine Zeit von 1100 bis 1300 n. Ch. datieren, also deutlich vor einem möglichen Kontakt mit Europäern. Die metallurgischen Analysen der beiden Objekte und ihre historische Begutachtung führte Kory Cooper von Purdue University in West Lafayette durch.

Er stellte fest: Sie bestehen im Gegensatz zu dem für die Inuit üblichen Kupfer aus Bleibronze – einer Legierung aus Kupfer, Zinn und Blei. An der Gürtelschnalle fanden die Forscher noch ein Stück Leder, das eine Datierung über die Radiokarbonmethode ermöglichte. Sie ergab ein Alter von 500 bis 800 Jahren. Das Metall könnte allerdings natürlich noch deutlich älter sein, betonen die Forscher. Es gibt den Forschern zufolge außerdem Hinweise, dass die Schnalle ein serienmäßig hergestelltes Produkt gewesen sein könnte. „Sie ähnelt Schnallen, die einst als Teil von Pferdegeschirren im Norden Zentralchinas benutzt wurden“, sagt Co-Autor Kory Cooper.

In Asien hergestellt – bis nach Alaska gehandelt

„Wir nehmen an, dass diese verhütteten Legierungen irgendwo in Eurasien hergestellt worden sind, dann über den Handel nach Sibirien kamen und dann über die Beringstraße bis nach Alaska zum Inuit-Volk der Thule gehandelt wurden“, sagt Cooper. Ihm zufolge ist dies eigentlich gar nicht eine so große Überraschung, wie man meinen könnte. Es gab bereits Hinweise und mündliche Überlieferungen, die entsprechende Verknüpfungen über die Beringstraße nahelegten. Die Funde sind nun allerdings die ersten bekannten archäologischen Belege über den weiten Arm des Metallhandels.

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Cooper zufolge verändert das Ergebnis nun auch den Blick auf die einstigen Bewohner des arktischen Bereichs. Die dünn besiedelte Region galt als ein Gebiet, in dem es zu keinen technologischen Entwicklungen kam. „Das bedeutet aber nicht, dass sich nicht auch hier interessante Dinge abspielten. Nun hat sich gezeigt: Die Einheimischen verwendeten nicht nur lokal verfügbare Metalle, sondern erhielten auch solche aus der Ferne“, so Cooper.

Quellen:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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