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Jungsteinzeitliche Siedlung an der Soester Straße in Werl gefunden

Die Gesellschaft für Archäologische Baugrundsanierung mbH gräbt in Werl zur Zeit unter Fachaufsicht der LWL-Archäologie für Westfalen Siedlungsspuren aus dem frühesten Abschnitt der Jungsteinzeit aus. Hier lebten die ältesten Bauern Südwestfalens, die nach ihrer charakteristischen Art der Gefäßverzierung „Bandkeramiker“ genannt werden. Kürzlich konnten sich die Forscher mithilfe eines Hubwagens erstmals einen Blick von oben über das Grabungsgelände verschaffen – eine große Hilfe, um die Gesamtanlage besser bewerten zu können.

Die bisherigen Grabungsergebnisse sind etwas ganz Besonderes, denn vergleichbare Befunde gab es zuletzt in Südwestfalen in den 1970er Jahren. Die Möglichkeit, nach fast 40 Jahren nun wieder einen Siedlungsplatz aus der Zeit um 5200 v. Chr. zu untersuchen, ist für die Archäologen daher von großer Bedeutung – vor allem da nun erstmals die Möglichkeit gegeben ist, eine bandkeramische Siedlung großflächig zu erforschen.

Die Fundstelle kam überraschend im Vorfeld eines Bauprojektes der RK Autowelt GmbH an der Soester Straße zutage. Mit einer zu untersuchenden Fläche von ca. 10.000 Quadratmetern wird bei der Ausgrabung erstmals ein größerer Ausschnitt einer bandkeramischen Siedlung in Südwestfalen flächendeckend untersucht. Mittlerweile sind ca. 1500 Quadratmeter bearbeitet. Dabei entdeckten Grabungsleiterin Katja Oehmen und ihr Team bereits die Reste von zwei der für diese Epoche typischen großen Hausgrundrisse. Diese rechteckigen Langhäuser dienten vermutlich gleichzeitig als Wohnhäuser und Vorratsspeicher. Aufgedeckt wurden außerdem große Lehmentnahmegruben und Abfallgruben. Darüber hinaus fanden sich breite Grabenabschnitte, die eventuell Reste einer Befestigung der Siedlung sein könnten.

An Funden konnten bisher bearbeitete Feuersteine und vor allem Keramik aus den Gruben geborgen werden. Eine genauere Datierung der Siedlung ist über die auf der Keramik verwendeten Verzierungsstile möglich: In diesem Fall sprechen die typischen Muster für eine Datierung in die jüngere Bandkeramik (um 5200 v. Chr.). Ein besonders schöner Fund ist ein großer Hämatitbrocken mit zahlreichen Schleifspuren. „Dieser Roteisenstein wurde abgerieben und das dabei entstehende rote Pulver diente als Färbemittel, zum Beispiel zur Körperbemalung“, berichtet Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie für Westfalen.

Quelle: Eva Masthoff, LWL-Archäologie für Westfalen
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