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Geschichte+Archäologie

Waterloo-Schlacht: War ein Vulkan beteiligt?

Düstere Regenwolken bildeten die Kulisse der Schlacht bei Waterloo. (Stich, 1891, benoitb/iStock)

Napoleons Niederlage unter grauem Himmel: Militärische Aspekte, aber auch Matsch und Regen haben in der Schlacht bei Waterloo eine Rolle gespielt, heißt es. Dazu sagt nun ein Forscher: Die ungewöhnlich schlechte Wetterlage könnte letztlich auf den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815 zurückzuführen gewesen sein. Seine Studienergebnisse legen nahe, dass elektrisch geladene Aschepartikel in der Ionosphäre einen Effekt verursacht haben, der zu vermehrten Regengüssen in Europa geführt hat. Ohne die wetterprägende Eruption auf der anderen Seite der Welt, hätte Napoleon die Schlacht möglicherweise nicht verloren, spekuliert der Forscher.

Die Niederlage Napoleons beim Ort Waterloo nahe Brüssel gilt als ein Paukenschlag in der Menschheitsgeschichte. Viele Historiker haben sich mit dem Verlauf dieser berühmten Schlacht beschäftigt und analysiert, was zum Sieg der Alliierten am 18. Juni 1815 geführt hat. Komplexe militärische Aspekte spielten demnach eine Rolle, aber auch die Wetterlage scheint wichtig gewesen zu sein, zeichnet sich ab.

Hat es Napoleon den Sieg verregnet?

Aus Überlieferungen ist eindeutig klar: Die Schlacht fand bei schlechtem Wetter statt. Mitte Juni 1815 hatte heftiger Regen den Boden in der Region aufgeweicht und so stapften die Soldaten und Pferde mühsam durch den Morast und auch die schweren Geschütze mussten durch den Matsch befördert werden. Mit diesen Problemen waren natürlich alle Kriegsparteien konfrontiert. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass sich diese Umstände für Napoleon besonders negativ ausgewirkt haben.

Neben der Schlacht bei Waterloo ist das Jahr 1815 auch für einen weiteren Paukenschlag bekannt: Zwei Monate vor der Niederlage Napoleons war auf der anderen Seite der Erde der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa ausgebrochen. Das feurige Inferno forderte zehntausende Menschenleben und sorgte zudem für globale Spätfolgen: Das ausgeworfene Material bewirkte Klimaveränderungen, die sich 1816 deutlich auf das nordamerikanische und europäische Wetter auswirkten und zum „Jahr ohne Sommer“ führten. Doch kann der Vulkanausbruch schon nach nur zwei Monaten das Wetter in Europa geprägt haben? Die aktuelle Studie von Matthew Genge vom Imperial College London belegt nun, dass dies durchaus der Fall gewesen sein könnten.

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„Bisher nahm man an, dass Vulkanasche in der unteren Atmosphäre gefangen bleibt. Die aktuellen Ergebnisse belegen jedoch, dass Aschepartikel durch elektrische Kräfte in die obere Atmosphäre – in die Ionosphäre – gezogen werden können“, erklärt Genge. Durch eine Reihe von Experimenten hat er dokumentiert, dass elektrostatische Kräfte Aschepartikel weit höher anheben können als durch den Auftrieb allein.

Modellberechnungen ergaben anschließend, dass winzige geladene Partikel großer Eruptionen die Ionosphäre erreichen können. Dort sorgen sie dann unter Umständen für weitreichende Effekte im Spannungsnetzwerk dieses Teils der Hochatmosphäre, so Genge. Wie er erklärt, beeinflusst dies wiederum weitreichend die Wolkenbildung: Zunächst bilden sich weniger Wolken, dann allerdings enorm viele so dass es relativ abrupt nach einem großen Vulkanausbruch zu starken Regenfällen in weit erfernten Regionen kommen kann.

Vulkanausbruch hier – Wetterkapriolen dort

Dieser Effekt spiegelt sich auch in Aufzeichnungen zu historischen Vulkanausbrüchen wider, berichtet Genge. Als Beispiel führt er Wetterberichte in der Folge des Ausbruchs des Vulkans Krakatau im Jahre 1883 an. Er fand zudem Berichte über Ionosphärenstörungen nach der Eruption des philippinischen Mount Pinatubo im Jahr 1991, die seine Ergebnisse untermauern. Somit kommt er zu dem Schluss, dass der von ihm beschriebene Effekt auch eine Rolle beim nassen Wettergeschehen gespielt haben könnte, das die Kulisse der Schlacht bei Waterloo bildete.

In diesem Zusammenhang zitiert er abschließend eine bekannte Bemerkung von Victor Hugo (1802 bis 1885), des Autors des Romans Les Misérables: „Hätte es in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni 1815 nicht geregnet, wäre die Zukunft Europas anders verlaufen… Ein ungewöhnlich bewölkter Himmel reichte aus, um den Zusammenbruch einer Welt zu bewirken“, meinte Hugo. Ob das Wetter allerdings der Hauptgrund für die Niederlage Napoleons war, bleibt fraglich.

Quelle: Imperial College London, Geology, 2018; DOI: 10.1130/G45092.1

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