Kaiserreich: Bildpostkarten verraten Frauenbild - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Kaiserreich: Bildpostkarten verraten Frauenbild

Historische Bildpostkarte
Bildpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg (Grafik: Bildpostkartenarchiv Universität Osnabrück)

Unter welchen Bedingungen lebten bürgerliche Frauen in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches? Und wie wandelte sich durch den Ersten Weltkrieg das Frauenbild? Antworten auf diese Frage gibt nun Alltagskunst aus dieser Zeit: Bildpostkarten aus der Regierungszeit Wilhelms II. und dem Ersten Weltkrieg verraten, wie sich das Frauenbild damals wandelte – und zeigen, dass der Krieg den Frauen nur in Teilen neue Freiheiten bescherte.

In der deutschen Kaiserzeit war die Rolle der Frau noch klar umrissen: Im Idealbild der bürgerlichen Familie war sie für Heim, Kindererziehung und den Empfang von Gästen zuständig. Vor allem im Großbürgertum führte sie ein behütetes, oft reiches und privilegiertes Leben. Im Gegenzug war es ihre Aufgabe, an der Seite ihres Gatten zu repräsentieren, Salons, Dinner und Bälle zu organisieren und die Gäste des Hauses mit kultiviertem Gespräch und Hausmusik zu unterhalten.

Vom Salon zur „Heimatfront“

Doch diese traditionelle Rolle beginnt sich während der Regierungszeit von Wilhelm II. von Preußen zu ändern – auch durch den Ersten Weltkrieg und die tiefgreifenden Veränderungen, die dieser „Weltenbrand“ für die Gesellschaft bedeutete. Plötzlich sind die Frauen nicht mehr die standesbewussten und wenig selbständigen Vertreterinnen der Wilhelminischen Gesellschaft, sondern müssen an der „Heimatfront“ alle vormals von den Männern verrichteten Arbeiten übernehmen.

Vom Ausmaß und der Entwicklung dieses Wandels künden auch eher ungewöhnlichen Zeitzeugnissen: Bildpostkarten. Was sie über die Frauengeschichte in der Wilhelminischen Ära verraten, hat nun Sabine Giesbrecht von der Universität Osnabrück näher untersucht. Für ihre Studie hat die Historikerin anhand von 135 ausgewählten Postkarten analysiert, wie und wo politische und soziale Ereignisse während der Herrschaft Wilhelms II. Spuren im Leben bürgerlicher Frauen hinterlassen haben und unter welchen Bedingungen sie lebten und arbeiteten.

Erster Weltkrieg als Umbruch und Rückschritt zugleich

„Frauen gelten schon immer als bildniswürdige Objekte und sind als Postkartenmodelle sehr geschätzt „, so Giesbrecht. Entsprechend gut lässt sich an diesen Motiven der Wandel im Frauenbild ablesen. Durch die Bildpostkarten dieser Zeit zieht sich kontinuierlich ein Streben der Frauen nach größerer Selbstständigkeit, mehr Bewegungsfreiheit und Veränderungen der aktuellen Lebenssituation. „Die Karten geben Auskunft über das offensichtlich vorhandene Bestreben, der Idee persönlicher Freiheit eine höhere Bedeutung in der gesellschaftlichen Wertehierarchie zu verschaffen“, sagt die Forscherin. Sie deutet dies als Anfänge der Emanzipation.

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Besonders deutlich zeigen die Bildpostkarten den Umbruch, den der Erste Weltkrieg mit sich brachte: „Kriegspostkarten schildern diese Frauen als verlässliche Partnerinnen, belastbar, umsichtig, erfinderisch bei anstehenden Ernährungsproblemen, kompetent in Gelddingen und besonders in der Kriegsfürsorge unverzichtbar für den Fortgang des Krieges“, so Giesbrecht. Der Krieg befreit die Frauen der „Heimatfront“ zwar von manchen traditionellen Fesseln, erlegt ihnen dafür jedoch neue, kriegsbedingte und weitaus härtere Zwänge auf, wie Giesebrecht erklärt. „Zum Dank erhebt man sie zu barmherzigen Mutterfiguren, Engeln, Dulderinnen und Heldinnen, aber nicht zu emanzipierten Bürgerinnen.“ Die früheren Bemühungen um Emanzipation werden in Kriegszeiten dadurch überlagert und erdrückt.

Giesbrecht sammelt seit über 40 Jahren historische Bildpostkarten. Ihr der Universität Osnabrück gestiftetes Archiv enthält inzwischen mehr als 17.000 Postkarten. Neben der Frauengeschichte sind die Sammelschwerpunkte Darstellungen musikalischer Kontexte, Propaganda im ersten und zweiten Weltkrieg sowie die Lokalgeschichte von Osnabrück und Umgebung. Rund 800 der Bildpostkarten zeigen historische Frauen- und Männerbilder.

Quelle: Universität Osnabrück

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