Kaninchen-Zucht in Teotihuacan - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Kaninchen-Zucht in Teotihuacan

Darstellung der in Teotihuacan gefundenen Skulptur eines Kaninchens. (Credit: F. Botas)

Die Bewohner der präkolumbianischen Stadt Teotihuacan haben vermutlich Kaninchen und Hasen als Nutztiere gehalten. Das legen Isotopenanalysen von Knochen nahe, die Archäologen im Zusammenhang mit einer Kaninchen-Skulptur in den Ruinen der geheimnisvollen Pyramiden-Stadt in Mexiko entdeckt haben.

Rinder, Schafe, Schweine – diese Nutztiere waren ein Schlüsselfaktor für den Erfolg der Kulturen der alten Welt. Die Menschen des präkolumbianischen Mittelamerika besaßen diese Quellen von Fleisch und Rohstoffen hingegen nicht. Doch nutzten sie vielleicht andere Tiere? Dieser Frage sind die Forscher um Andrew Somerville from the University of California San Diego durch Untersuchungen von Funden aus Teotihuacan nachgegangen.

Die etwa 45 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt gelegene Ruinenstadt ist eine der bedeutendsten prähistorischen Stätten Amerikas. Die Stufentempel und vor allem die gewaltige Sonnenpyramide sind weltberühmt. Sie bildeten einst das Zentrum einer großen Stadt, die von etwa 100 bis 650 n. Chr. Mittelamerika dominierte. Auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung hatte sie möglicherweise über 100.000 Einwohner. Ab etwa 650 n. Chr. schwand die Bedeutung allerdings und Teotihuacan wurde schließlich aus noch nicht vollständig geklärten Gründen verlassen.

Die Forscher um Andrew Somerville von der University of California in San Diego haben nun Knochenfunden von verschiedenen Stellen der Ruinenstadt eine detaillierte Studie gewidmet. Es handelt sich um die Überreste von Baumwollschwanzkaninchen und Hasen. Bei einem Fundort entdeckten die Forscher deutliche Hinweise darauf, dass die Tiere dort in großem Umfang geschlachtet und verwertet wurden. Davon zeugen zahlreiche Klingen aus Obsidian, die vermutlich der Verarbeitung des Fleischs und der Häute dienten. Außerdem belegt ein weiterer Fund die Bedeutung der Langohren an diesem Ort: Eine etwa 20 Zentimeter große Skulptur, die den Forschern zufolge ein Kaninchen darstellt.

Hinweise auf Tierhaltung

Besonders große Mengen von Knochen fanden die Forscher in den Überresten von Räumen, die möglicherweise der Aufzucht von Kaninchen beziehungsweise Hasen gedient haben. Um dieser Spur genauer nachzugehen, führten Somerville und seine Kollegen Isotopenanalysen an den Knochen durch. Sie ließen Rückschlüsse darüber zu, von was sich die Tiere einst ernährt haben. Zum Vergleich untersuchten die Wissenschaftler die Isotopenprofile der Knochen von wildlebenden Hasen und Kaninchen der Region um Teotihuacan. Es zeigte sich: Die Tiere der städtischen Fundorte waren offenbar mit typischen Kulturpflanzen der damaligen Zeit gefüttert worden – vor allem mit Mais.

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Den Archäologen zufolge legen die Ergebnisse damit nahe, dass in spezialisierten Einrichtungen Teotihuacans einst Kaninchen und Hasen als Nutztiere gehalten wurden. Vermutlich lieferten sie den Menschen nicht nur Fleisch, sondern auch Felle und Knochen für die Herstellung von Werkzeugen. „Weil es keine großen Säugetiere im prähispanischen Mexiko gab, ging man bislang davon aus, dass die damaligen Menschen keine so intensiven Mensch-Tier-Beziehungen hatten, wie in den Gesellschaften der alten Welt“, sagte Somerville. „Unsere Ergebnisse deuten nun allerdings darauf hin, dass für die Bewohner der alten Stadt Teotihuacan kleinere Tiere eine wichtige Rolle gespielt haben könnten: Kaninchen und Hasen“, so der Wissenschaftler.

Quelle: PLOS
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