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Geschichte+Archäologie

Karthago: Auf der Spur von Prinzessin Dido

Karthago (Tunesien), Rue Ibn Chabaat: Das Grabungsgelände von Norden gesehen (2012). Acht Meter unter heutigem Niveau legten Archäologen die ältesten Belege für eine Besiedlung frei. (Christoph Baur, Innsbruck)

Bei Grabungen in den Ruinen der antiken Stadt Karthago (im heutigen Tunis) wurden Funde der ältesten Siedlungsschichten untersucht. Im Grabungsareal an der Rue Ibn Chabaat, einem einstigen Wohnviertel mit hochaufragender, archaischer Bebauung in der Küstenebene der phönizischen Stadt, fanden Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), des Institute National du Patrimoine in Tunis sowie der Universität Tübinger unter anderem Rinderknochen. Die C14-Untersuchungen dieser Knochen erbrachten durchgehend Datierungen, die in die Zeit zwischen 850 und 800 v. Chr. weisen.

Damit fallen die Funde in jene Zeit, die antike Historiker für die Gründung Karthagos ansetzen: nach Timaios von Tauromenion im 38. Jahr vor der ersten Olympiade (814/13 v. Chr.), nach Menander von Ephesos, der sich auf Dokumente aus Karthagos Mutterstadt Tyros beruft, im siebten Regierungsjahr des tyrischen Königs Pygmalion (zwischen 825 und 820 v. Chr.). Da die methodisch voneinander unabhängigen historischen und naturwissenschaftlichen Datierungsverfahren sich gegenseitig stützen, kann nun mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass das Gebiet Karthagos bereits in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts besiedelt war.

Das „Quartier Didon“, wie das Grabungsareal an der Rue Ibn Chabaat zukünftig genannt werden wird, bietet aufgrund der hervorragenden Erhaltung gerade der archaischen Befunde einen für Karthago einzigartigen Einblick in die Frühphase der Siedlungsgeschichte der phönizischen Kolonie. Hier waren auf einer Fläche von knapp 550 Quadratmetern bereits von Friedrich Rakob in den 1990er Jahren die Reste mehrerer archaischer Bauten freigelegt worden, die sich über einer Planierungsschicht aus Lehm erheben, mit der das zum Meer hin abfallende Siedlungsareal erschlossen wurde.

Nach neueren Forschungen handelt es sich bei diesen Baustrukturen um mindestens drei Häuser, deren Räume sich um Innenhöfe gruppieren und die über gemeinsame Außenmauern zu größeren Baueinheiten zusammengefasst werden. In den aus Kalkstein- und verputzten Lehmziegelmauern errichteten Häusern fanden sich mehrere Brunnen, Feuerstellen und Öfen, die einen Einblick in das Leben der phönizischen Kolonisten erlauben. Die einheitliche Orientierung der Häuser, die durch die Nutzung gemeinsamer Mauern deutlich wird, lässt bereits für die frühesten Bauten des „Quartier Didon“ auf eine einheitliche städtebauliche Planung schließen. Dieses stadtplanerische Konzept wurde auch in den folgenden archaischen Bauphasen beibehalten.

Die neuen Forschungen belegen nachdrücklich, dass Karthago von Beginn an in das Netzwerk der phönizischen Niederlassungen im zentralen und westlichen Mittelmeerraum integriert war, wie das reiche Fundmaterial der Grabungen zeigt. Neben lokal gefertigten Keramiken, belegen importierte Gefäße aus Spanien, Griechenland und dem östlichen Mittelmeer die weitreichenden Beziehungen der Siedler.

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Quelle: Deutsches Archäologisches Institut (DAI)
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