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Geschichte+Archäologie

Kein krankhafter Kleinwuchs

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Darstellung des Gesichts einer Hobbit-Frau. Credit: Susan Hayes / Australian Archaeological Association
Hobbits – die kleinen Wesen mit den großen Füßen – entstammen eigentlich der Fantasie von John Ronald R. Tolkien, und doch gab es sie in gewisser Weise wirklich: Auf der indonesischen Insel Flores lebten einst seltsame Menschen, die Eigenschaften besaßen, wie Tolkien sie in „Der Herr der Ringe“ beschreibt. Doch ob es sich beim sogenannten Homo floresiensis tatsächlich um eine eigenständige Frühmenschenform handelte oder ob die Überreste nur von kleinwüchsigen modernen Menschen stammten, gilt als umstritten. Nun liefern deutsche Forscher neue Argumente: Ihre 3D-Untersuchungen schließen krankhafte Kleinwüchsigkeit als Ursache für die anatomischen Besonderheiten aus. Die Ergebnisse unterstützen also die Theorie, dass H. floresiensis eine eigene Art der Gattung Homo war.

Seit der Entdeckung der etwa 18.000 Jahre alten Überreste gibt es unter den Anthropologen Meinungsverschiedenheiten über die Einordnung von H. floresiensis in den Stammbaum des Menschen. Einige gehen davon aus, dass die Funde lediglich von kleinwüchsigen Vertretern des Homo sapiens stammen. Das ungewöhnlich kleine Gehirn und der gedrungene Körper seien auf eine Missbildung oder Mangelerscheinungen zurückzuführen gewesen, so die Argumentation. Andere gingen dagegen schon immer davon aus, dass es sich bei den Hobbits um eine eigene Art gehandelt hat. Ihnen zufolge stammte sie vermutlich von Homo erectus ab. Das Phänomen der sogenannten Inselverzwergung hatte diese Frühmenschen auf der Insel Flores dann schrumpfen lassen, so die Annahme.

 

Die Forscher um Katerina Harvati von der Universität Tübingen sind der Frage, ob es sich um Artmerkmale oder ein Krankheitsbild handelte , nun erneut auf den Grund gegangen. An digitalen Darstellungen des sogenannten LB1-Schädels analysierten die Forscher mit Hilfe dreidimensionaler Vermessungen und statistischen Berechnungen die anatomischen Merkmale der Schädeloberfläche. Sie verglichen diese Ergebnisse dann sowohl mit fossilen Schädeln verschiedener Arten der Gattung Homo als auch mit denen moderner Menschen, die an unterschiedlichen Krankheiten litten, die als Auslöser für Kleinwüchsigkeit bekannt sind.

 

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Ähnlichkeiten mit archaischen Vertretern der Gattung Homo

 

Die Ergebnisse zeigen, dass der LB1-Schädel größere Übereinstimmungen mit der Gruppe der Fossilen aufweist als mit den modernen, krankheitsbedingt veränderten Schädeln. Obwohl die Oberfläche Ähnlichkeiten zu den von der sogenanntne Mikrocephalie deformierten Schädeln zeigt, existieren bei LB1 demnach zusätzliche Merkmale, die diesen Schädel ausschließlich mit den fossilen Funden verbinden. „Unsere Ergebnisse erbringen den bisher eindeutigsten Nachweis einer engen Verbindung zwischen Homo floresiensis und den fossilen Überresten der Gattung Homo „, resümieren die Autoren.

 

Der Hauch des Mysteriösen und Fantastischen wird den Hobbits allerdings vermutlich stets erhalten bleiben. Eine Frage ist beispielsweise, wie lange diese Wesen noch auf Flores existierten. In diesem Zusammenhang gibt es geheimnisvolle Hinweise: Einheimische der Insel Flores berichteten dem australischen Forscher Richard Roberts bereits vor der Entdeckung der Fossilien von den sogenannten „Ebu Gogo“, die ihre Vorfahren angeblich noch getroffen hätten. Der Name Ebu Gogo bedeutet so viel wie „Großmutter, die alles isst“. „Die Ebu Gogo waren winzig wie kleine Kinder, außer im Gesicht komplett behaart und hatten lange Arme und einen runden Trommelbauch. Sie murmelten ständig in einer unverständlichen Sprache, plapperten aber auch nach, was man ihnen sagte“, so die Erzählungen. Die letzten Ebu Gogo sollen demnach erst Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet worden sein. Diese ungewöhnlichen Überlieferungen lassen sich allerdings bisher nicht wissenschaftlich gesichert mit H. floresiensis verknüpfen.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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