Keine Panik: Realistische Simulation von Menschenmengen kann Leben retten - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Keine Panik: Realistische Simulation von Menschenmengen kann Leben retten

Menschenmengen verhalten sich nicht wie Flüssigkeiten. Trotzdem muss man bei der Wegeführung an manchen öffentlichen Plätzen – z.B. Bahnhöfen – unweigerlich an die Konstruktion von Abwasserkanälen denken. Das ist kein Zufall: Älteren Theorien blieb bei der Simulation von Menschenmengen aufgrund begrenzter Computerkapazität nichts anderes übrig, als auf die physikalischen Gleichungen für das Fließverhalten von Flüssigkeiten zurückzugreifen.

Dirk Helbing von der Technischen Universität Dresden hat jetzt zusammen mit zwei ungarischen Kollegen ein Modell entwickelt, mit dem das Verhalten von Menschenmassen realistischer als bisher dargestellt werden kann. Sie greifen dabei auf das physikalische Konzept von „selbstorganisierten Vielteilchensystemen“ zurück. Zusätzlich geben sie den Teilchen menschliche Züge: Sie berücksichtigen sowohl die verbreitete Neigung, anderen Menschen zu folgen, als auch die Möglichkeit, dass einzelne Menschen individuelle Verhaltensweisen zeigen.

Ihr Modell simuliert unter anderem das Verhalten an Engpässen, an Kreuzungen und die Organisation von Fußgängerströmen auf Bürgersteigen.

Die Forscher konnten dabei zeigen, dass Menschenmassen, die in Panik auf einen Ausgang zustürmen, diesen blockieren, während sie ihn mit normaler Geschwindigkeit ohne Probleme hätten passieren können. Außerdem kann ihr Modell den bei einer Panik unter Umständen gefährlichen Herdeneffekt reproduzieren: Auch wenn in einem mit Rauch erfüllten Raum zwei Ausgänge vorhanden sind, stürmen trotzdem fast alle auf den Ausgang zu, der als erster entdeckt wird und blockieren ihn damit.

Helbing und seine Kollegen räumen ein, dass ihr Modell noch realistischer werden muss. Aber ihre Forschung könne trotzdem Leben retten, wenn bei der Konstruktion von Fluchtwegen mit Hilfe von Computern das mögliche Verhalten von Menschenmassen besser berücksichtigt wird.

Anzeige

Axel Tillemans

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Pe|ri|sta|se  auch:  Pe|ris|ta|se  〈f. 19; Biol.; Med.〉 Gesamtheit der Umwelteinflüsse, die auf den Organismus während des vorgeburtl. Lebens (vonseiten der Mutter) u. während des nachgeburtl. Lebens einwirken (Ernährung, Kleidung, Lebensweise, Klima usw.) ... mehr

Sub|si|di|a|ri|tät  〈f. 20; unz.〉 1 〈Pol.; Soziol.〉 1.1 〈kurz für〉 Subsidiaritätsprinzip  1.2 staatliche Unterstützung, die aber nur auf eine Ergänzung der Eigenverantwortung abzielt ... mehr

Spring|bock  〈m. 1u; Zool.〉 Antilope mit einer Hautfalte auf dem Rücken, die sich bei den bis zu 2 m hohen Sprüngen entfaltet: Antidorcas marsupialis

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige