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Archäologie

Kindergrab durch Schockfrosten geborgen

Das Kindergrab wird mit Flüssig-Stickstoff vereist und für den Transport ins Labor im Block gehoben. (Bild: BLfD)

Ein Zehnjähriger, bewaffnet und mit einem Hund bestattet: Archäologen berichten über ein frühmittelalterliches Grab in Süddeutschland, das nun für weitere Untersuchungen im Block geborgen wurde. Dabei kam eine neu entwickelte Technik zum Einsatz: Um die teils filigranen Überreste vor Beschädigung zu schützen, verpasste das Team dem Kindergrab mittels Flüssig-Stickstoff einen Eispanzer.

Wie so oft stand die Erschließung eines neuen Baugebiets am Anfang einer archäologischen Entdeckungsgeschichte: In dem Ort Tussenhausen im Landkreis Unterallgäu kamen Spuren von Bodendenkmälern zum Vorschein und so erschienen schnell die Experten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) am Fundort. Dort stießen sie auf die Spuren eines Grabes, das der Datierung zufolge aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. stammt. Es lag eingebettet in die Mauerreste eines quadratischen, etwa acht Meter breiten Gebäudes, das noch aus römischer Zeit stammt. Offenbar wurden diese Strukturen im Frühmittelalter als Bestattungsplatz genutzt.

Ein bewaffneter Junge mit Hund

In dem Grab entdeckten die Archäologen die Gebeine eines Jungen. Er besaß noch Milchzähne, deshalb gehen sie davon aus, dass er kaum älter als zehn Jahre gewesen sein kann. Seine Todesursache gilt es noch zu klären. Das gilt auch für den Hund, der mit dem Jungen bestattet worden war – auf dessen Überreste stießen die Experten im Bereich der Füße des Toten. Weitere bisherige Funde belegen, dass es sich offenbar um ein Kind der Oberschicht gehandelt hat: Dem Jungen waren ein Schwert samt einem mit Goldbeschlägen verzierten Waffengurt, christliche Symbolgegenstände aus Gold und weitere Kostbarkeiten beigelegt worden. Darunter Armreifen aus Silber, Sporen und ein Bronzebecken.

Besonders spannend sind darüber hinaus Spuren von Leder und Textilien, die in anderen Gräbern meist nicht erhalten geblieben sind. Wie das BlfD berichtet, ist der außergewöhnliche Zustand darauf zurückzuführen, dass die steinernen Strukturen die Grabkammer fast 1300 Jahre lang gut abgedichtet haben. So konnten kaum Feuchtigkeit und Sediment in den Sarg eindringen. „Für uns ist diese Bestattung ein Glücksfall, vor allem, weil so viele Stoffreste erhalten sind. Sie versprechen hochinteressante Einblicke in die frühmittelalterliche Modewelt“, sagt Mathias Pfeil vom BlfD. „Unsere intensiven Forschungen in den letzten Jahren lassen erahnen, welche Bedeutung hochwertige Textilien und verziertes Leder für die Darstellung des Status im Frühmittelalter hatten. Von den nun geborgenen Funden erwarten wir uns neue Erkenntnisse zu den damals verwendeten Textilien und ihrer Trageweise“, sagt der Konservator.

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Frostig geborgen und abtransportiert

Doch wie das BlfD weiter berichtet, stellt ausgerechnet der gute Erhaltungszustand der Funde eine besondere Herausforderung dar: Ohne die stabilisierende Wirkung von Ablagerungen aus dem Erdreich sind sie extrem empfindlich und drohen bei der Bergung zu zerbrechen. Aus diesem Grund setzte das Restauratoren-Team ein Schockfrost-Verfahren ein, um das Kindergrab schonend im Ganzen aus dem Boden heben und abzutransportieren zu können. Sie haben dafür den Grabkammerinhalt Lage für Lage mit Wasser benetzt und diese Schichten mit minus 196 Grad Celsius kaltem Flüssig-Stickstoff vereist. Die schlagartige Abkühlung sorgte dabei dafür, dass das aufgebrachte Wasser ohne die Bildung von zerstörerischen Großkristallen aushärtete, erklären die Experten. Anschließend konnte der ganze Block von einem Kran aus dem Erdreich gezogen werden.

Der eisige Schatz befindet sich nun in einer Kühlkammer eines Labors der Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in Bamberg. Dort soll das Eis unter fein kontrollierten Bedingungen abgeschmolzen werden, sodass die filigranen Strukturen anschließend unter Laborbedingungen untersucht werden können. Man darf also gespannt sein, was die Experten noch über das frühmittelalterliche Kindergrab mit Hund herausfinden können.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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