Klimagetrieben: Aufstieg und Fall der Assyrer - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Klimagetrieben: Aufstieg und Fall der Assyrer

Ashurbanipal war der letzte große Herrscher der Assyrer im 7. Jahrhundert v. Chr. (Bild: British Museum)

Sie kontrollierten weite Teile des Nahen Ostens, doch dann kam plötzlich das Ende der Herrschaft der Assyrer im ersten Jahrtausend v. Chr. Warum kollabierte das mächtige Großreich im Zenit seiner Macht? Aus neuen Daten zur Klimageschichte der Region geht hervor, dass Missernten durch Dürren zum Untergang beigetragen haben. Zur Macht aufgestiegen waren die Assyrer hingegen in einer ungewöhnlich freundlichen Klimaphase, berichten die Forscher.

Solche Dimensionen hatte zuvor noch kein Reich erreicht: Auf dem Höhepunkt seiner Macht erstreckte sich das neuassyrische Großreich Anfang des 7. Jahrhunderts v. Chr. von Zentralanatolien im Nordwesten bis nach Ägypten im Süden und bis zum Persischen Golf im Osten. Es war im Verlauf des 10. Jahrhunderts v. Chr. aus einem Ursprungsbereich im heutigen Irak hervorgegangen. Im Lauf von zwei Jahrhunderten vergrößerte das assyrische Reich durch eine aggressive Eroberungspolitik seinen Herrschaftsbereich immer mehr, bis es sich am Ende sogar das mächtige Ägypten einverleibte.

Ein Geheimnis des Erfolges der Assyrer war neben dem Bau eines hochentwickelten Straßennetzes die Ausweitung der Landwirtschaft. Durch Bewässerungssysteme dehnten sie die Anbauflächen dabei auch auf Gebiete aus, die zuvor ungenutzt geblieben waren. So konnten die Assyrer die großen Menschenmassen ihrer Städte ernähren, die wiederum die Grundlage ihrer militärischen Macht bildeten. Trotz dieses scheinbar stabilen Fundaments für ein Reich, war die Ära der Assyrer kurz und das Ende kam vergleichsweise schnell: Das Imperium brach auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung ab etwa 670 v. Chr. zusammen.

Den Faktor Klima im Visier

Frühere Erklärungen für die Geschwindigkeit und Vollständigkeit des Zusammenbruchs konzentrierten sich auf die Rolle der imperialen Überexpansion, der internen politisch-wirtschaftlichen Konflikte und der Entwicklung neuer Militärmächte. Doch wie aus der Studie der Forscher um Ashish Sinh von der California State University in Dominguez Hills hervorgeht, gab es möglicherweise einen übergeordneten Faktor beim Kollaps der Supermacht: die Klimaentwicklung in der Region. Grundlage ihre Studie bildeten hochauflösende Daten über die Niederschlagsmengen in den letzten 4000 Jahren. Sie stammen aus Untersuchungen von Tropfsteinen aus einer Höhle im Nordirak, die etwa 300 Kilometer südöstlich der alten Assyrer-Metropole Ninive liegt.

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Wie die Forscher berichten, bildete möglicherweise eine klimatische Anomalie die kritische Grundlage der Vitalität des assyrischen Reiches. Zwischen 850 und 740 v. Chr., als das Imperium aufblühte, herrschte in der Region den Daten zufolge eine der feuchtesten Perioden in den letzten 4000 Jahren. Dadurch konnte sich eine hohe landwirtschaftliche Produktivität entwickeln, an die sich das Reich anpasste und auf die es schließlich auch angewiesen war.

Gutes und dann schlechtes Klima für die Assyrer

Diese Abhängigkeit machte sich dann vermutlich ab dem frühen 7. Jahrhundert v. Chr. negativ bemerkbar. Aus den Klimadaten geht hervor, dass sich das Klima in dieser Zeit deutlich änderte und es zu wiederholten Dürren kam. Vermutlich führten sie zu einem drastischen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität im Kerngebiet der Assyrer. Den Forschern zufolge liegt somit nahe, dass die damit einhergehenden wirtschaftlichen und politischen Probleme eine wichtige Rolle beim Zusammenbruch des Reiches im 7. Jahrhundert v. Chr. gespielt haben.

„Der Fall des assyrischen Reiches war eines der markantesten Ereignisse der Weltgeschichte. Das Ende war dabei von politischer Instabilität, Bürgerkriegen und schließlich von der Invasion der kombinierten Armeen der Babylonier und Meder geprägt. Unsere Daten deuten allerdings darauf hin, dass klimatische Faktoren eine übergeordnete Rolle beim Schicksal des Reichs gespielt haben“, resümieren die Wissenschaftler.

Quelle: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aax6656

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