Faszinierende Figuren: Gerhart Baum über Immanuel Kant Kloster Dalheim eröffnet neue Dauerausstellung über 1.700 Jahre Klosterkultur - wissenschaft.de
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Faszinierende Figuren: Gerhart Baum über Immanuel Kant

Kloster Dalheim eröffnet neue Dauerausstellung über 1.700 Jahre Klosterkultur

Die Stiftung Kloster Dalheim, LWL-Landesmuseum für Klosterkultur hat jetzt ihre neue Dauerausstellung unter dem Titel „Eingetreten! 1.700 Jahre Klosterkultur“ eröffnet Auf mehr als 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche spürt die Schau in der historischen Klausur und den neuen Obergeschossen des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Dalheim (Kreis Paderborn) der Geschichte und Vielfältigkeit klösterlicher Kultur in Europa nach.

Mehrere hundert Exponate aus über zehn Jahrhunderten veranschaulichen unter anderem das Leben in einem mittelalterlichen Kloster oder die Entwicklung der religiösen Orden bis in die Gegenwart. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und das Land NRW investierten in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 13 Millionen Euro in den zweiten Bauabschnitt und die Einrichtung der Ausstellung.

„Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung ist der wichtigste Schritt der Umgestaltung des Kulturdenkmals Kloster Dalheim in ein modernes Museum geschafft“, freute sich LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch bei der Vorstellung der neuen Ausstellung“. Auf allen Ebenen – vom Keller bis unter das Dach – präsentiert dieses bundesweit einzigartige Museum für Klosterkultur nun eine umfassende, lebendige und fundierte Schau rund um das, was klösterliches Leben und Kultur gestern und heute, in Dalheim und Europa bedeuten.“

„Als ehemaliges Kloster bietet das LWL-Landesmuseum ideale Voraussetzungen, um ein authentischer Ort zur Vermittlung von Klosterkultur zu sein“, so Kirsch. Insbesondere im Erdgeschoss greift die neue Ausstellung auf diese Qualität zurück. Ausgehend von den historischen Gegebenheiten macht sie rund um die spätgotische Klosterkirche und den Kreuzgang typische klösterliche Räume wie Kapitelsaal (Versammlungsraum), Skriptorium und Kalefaktorium (Schreib- und Wärmestube) oder Refektorium (Speisesaal) mit Inszenierungen ebenso erlebbar wie die Bibliothek oder den Vorratskeller. „Hier kann und soll sich der Besucher in unserem Haus emotional auf die Welt eines Klosters einlassen“, sagte die Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Kloster Dalheim, die LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. Dies sei gerade in einer von Hektik und Reizüberflutung geprägten Zeit ein Erlebnis, das auch zum Nachdenken über den eigenen Lebensrhythmus anregen könne.

Der Rundgang durch die Obergeschosse der Klosteranlage beginnt mit der Darstellung der über 800-jährigen Geschichte des Klosters Dalheim. Durch die fünf Räume des Westflügels schlängelt sich ein Stahlband, das die Auf und Abs der bewegten Dalheimer Vergangenheit – mittelalterliches Frauenkloster, Augustiner-Chorherrenstift, barocke Blütezeit, preußische Staatsdomäne und Gutshof – symbolisiert. Exponate von der ältesten bildlichen Darstellung des Klosters Dalheim („Fabritius-Vedute“, 16. Jahrhundert) über Professurkunden (Dokument zur Erklärung des Eintritts ins Kloster, 15.-18. Jahrhundert), archäologische Funde wie Keramik und Grabbeigaben bis zu den Fragmenten des zerstörten barocken Hochaltars verdeutlichen die einzelnen Stationen.

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Die Schau in den neu errichteten Ausstellungssälen des Süd- und Ostflügels stellt die Entwicklung der Klosterkultur von den Wüstenvätern der Spätantike über die ersten klösterlichen Gemeinschaften, die Reformen des Mönchtums bis in die Gegenwart in den Vordergrund. „Hier wird dem Besucher die Entstehung der Orden nahe gebracht“, sagte Museumsleiter Dr. Martin Kroker.

Charakteristische Persönlichkeiten wie die Kirchenväter, der heilige Benedikt (480-547) oder der heilige Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) werden ebenso vorgestellt wie entscheidende Ereignisse aus 1.700 Jahren Klosterkultur: „Ein Meilenstein dieser Geschichte ist zweifelsohne die Durchsetzung der Benediktregel als alleingültige Ordensregel im Karolingerreich“, erläuterte Kroker. Als weitere bedeutende Etappen nannte er die Reform von Cluny (11. Jahrhundert), die Gründung des Zisterzienserordens (12. Jahrhundert) und die Entstehung der Bettelorden in den mittelalterlichen Städten (13. Jahrhundert).

Aufwendige und detailgetreu gearbeitete Modelle bedeutender Klosteranlagen wie Cluny, Hirsau oder Melk verdeutlichen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Ergebnisse die Entwicklung der Ordens-gemeinschaften in Europa. Von den Benediktinern über die Zisterzienser und Prämonstratenser oder die Franziskaner etc. werden kennzeichnende Merkmale der Ordensregel und des Ordenslebens, der Liturgie, aber auch äußerer Erkennungszeichen wie Trachten und Architektur vorgestellt.

Exponate aus mehr als zehn Jahrhunderten zeigen eine Kultur, die durch ein regelhaftes Leben in Verzicht und Stille gekennzeichnet ist, zu der aber immer auch mehr gehört als das benediktinische „Ora et labora“ (lat.: „Bete und arbeite“). Zu den Ausstellungsstücken gehören typische Objekte aus dem klösterlichen Alltag, vom Geschirr aus Grabungen über liturgisches Gerät und kostbare Messgewänder bis hin zu Altären und Tafelgemälden, Skulpturen, Bauplastik und Büchern.

Aus Cluny (Frankreich), dem größten und reichsten Kloster der Christenheit, konnte ein seltenes Original als Dauerleihgabe gewonnen werden: ein großes Pfeilerkapitell aus der Basilika Cluny III (12. Jahrhundert) – eines der ältesten Stücke der Ausstellung. „Darüber hinaus können wir insbesondere im Bereich der spätmittelalterlichen Benediktinerklöster mehrere spektakuläre Exponate präsentieren – darunter die Tafelgemälde eines Altars aus Herzebrock aus dem 15. Jahrhundert“, freute sich Kroker. Filmmaterial – Dokumentationen und Interviews – schlagen den Bogen in die Gegenwart und geben Gelegenheit, sich in das Ordensleben gestern und heute zu vertiefen.

„Durch die Kooperation mit renommierten Museen und bedeutenden Klöstern aus ganz Deutschland und Teilen Europas, mit Privatleuten, Künstlern sowie den Klöstern und Kirchengemeinden der Region konnten wir hochrangige Ausstellungsstücke für unser Haus gewinnen“, dankte Museumsleiter Kroker Leihgebern und Partnern für ihr Engagement.

Die gesamte Ausstellungsgestaltung (Konzept, Architektur und Grafik) stammt vom Augsburger Büro Thöner von Wolffersdorff GbR. Kroker: „Seine klaren und zurückhaltenden Raumbilder orientieren sich an der Steingewordenen Tradition und Geschichte des Baudenkmals Kloster Dalheim und fügen sich im Zusammenspiel von moderner und historischer Architektur sowie den Ausstellungsstücken zu einem harmonischen Ganzen.“

Der preisgekrönte österreichische Multimedia-Künstler Peter Hans Felzmann realisierte für die Ausstellung drei multimediale Ensembles. Die Inszenierungen zu Leben und Regel des heiligen Benedikt und zur Schöpfung befinden sich in jeweils eigenen Räumen. Ein weiteres Projekt stellt den „St. Galler Klosterplan“, einen Plan aus dem 9. Jahrhundert, das Organigramm eines idealen Klosters, vor.

Die Benedikt-Installation im Keller des Westflügels vermittelt auf verschiedenen Handlungsebenen die Botschaft und das Leben des Hl. Benedikt, zeigt den Ordensgründer sowohl in seiner Spiritualität als auch als Persönlichkeit und hebt darin die Grenzen zwischen 5. und 21. Jahrhundert spannungsreich auf. Die Installation zur Schöpfung setzt bereits vor dem Urknall an, widmet sich dann der christlichen Schöpfungslehre und dem Umgang mit der Schöpfung.

Sie führt den Besucher wenige Treppenstufen hinauf in einen Raum, dessen spezielle Multimedia-Technik einen ungewöhnlichen Panoramablick erlaubt. „Felzmanns raumfüllende Kunstwerke schaffen auf innovative Weise den Sprung zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Information, ästhetischer Faszination und medialem Erlebnis“, so Kroker.

Mehr als 2.000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche wurden in den vergangenen zwei Jahren im zweiten Baubabschnitt im Kloster Dalheim geschaffen. Rund um die mittelalterliche Klausur wurden die klösterlichen Funktionsräume wiederhergestellt, der Südteil des historischen Kreuzgangs – im 19. Jahrhundert zerstört und als Stallung genutzt – wurde mit modernen Materialien wieder aufgebaut. Die im 19. Jahrhundert durch einen Brand zerstörten Obergeschosse im Ost- und Südteil der Klausur wurden modern aber sensibel im Umgang mit dem Denkmal aufgesetzt.

Insgesamt investierten der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und das Land Nordrhein-Westfalen gemeinsam rund 11 Millionen Euro in den zweiten Bauabschnitt. Davon trug das Land 60 Prozent und der LWL 40 Prozent. Zusätzlich investierte der LWL rund 2,5 Millionen Euro in die Ausstellungseinrichtung. Die rund 7,5 Hektar große Klosteranlage ist seit 1979 im Besitz des LWL. Das Museum wird seit 2007 von der Stiftung Kloster Dalheim betrieben.

Quelle: LWL
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