Kokain im Po - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Kokain im Po

Flüsse und Abwasser in Italien enthalten so viele Kokainrückstände, dass der Drogenkonsum in Italien wesentlich höher sein muss als bislang angenommen. Das zeigen die Messergebnisse eines italienischen Forscherteams, das die Menge eines Kokainabbauproduktes im Fluss Po und in Abwässerkanälen bestimmt hat. Demnach gelangen jeden Tag die Rückstände von etwa vier Kilogramm Kokain in den Po, eine Menge, die einem täglichen Kokainkonsum von etwa 40.000 Portionen entspricht, berechneten die Wissenschaftler. Die Behörden gingen bislang von maximal 15.000 Portionen im Einzugsgebiet des Po aus.

Die Forscher untersuchten den Fluss Po und das Abwasser mehrerer mittelgroßer italienischer Städte auf den Stoff Benzoylecgonin, ein Abbauprodukt von Kokain, das im menschlichen Stoffwechsel entsteht und mit dem Urin ausgeschieden wird. Da Benzoylecgonin im menschlichen Körper nur aus Kokain gebildet werden kann, weist sein Vorhandensein eindeutig auf Kokainkonsum hin. Es wird daher auch als Kokain-Nachweissubstanz für Dopingtests im Urin verwendet.

Der Po transportierte täglich das Äquivalent zu vier Kilogramm Kokain, ergab die Messung. Bei fünf Millionen Menschen im Einzugsgebiet des Po entspricht das einem durchschnittlichen Tagesverbrauch von 27 Mal hundert Milligramm Kokain ? vorausgesetzt, jeder tausendste Einwohner zwischen 15 und 34 Jahren konsumiert die Droge, schreiben die Forscher. In den Abwasserproben der italienischen Städte fanden die Wissenschaftler analoge Mengen des Rückstands.

Die offiziellen Schätzwerte der Behörden liegen bei weniger als der Hälfte der gemessenen Mengen. Sie stützten sich auf Umfragen, medizinische Befunde und Kriminalstatistiken. Die neue Studie sollte zeigen, ob der Kokainkonsum überhaupt durch Messungen an Abwasserproben zurückverfolgt werden kann, sagen Studienleiter Ettore Zuccato und seine Kollegen. Sie erwarteten, mit ihrer Methode ähnliche oder niedrigere Werte wie die Zahlen der Behörden zu ermitteln. Dass die Zahlen so viel größer waren als angenommen, überraschte die Wissenschaftler: Es zeige, dass eine neue Methode dringend benötigt werde, um den Drogenmissbrauch zu beobachten und gegen ihn vorzugehen, kommentieren sie. Die Studie könnte zumindest ein viel versprechender Ansatzpunkt dafür sein.

Die pflanzliche Droge Kokain hat bei regelmäßigem Konsum hohes Suchtpotential. Nach einem Kokainrausch stellt sich häufig eine Kokaindepression ein, die zu einem erneuten Verlangen nach der Droge und letztendlich zur psychischen Abhängigkeit führt.

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Ettore Zuccato (Mario Negri Institut für Pharmakologische Forschung, Mailand) et al.: Environmental Health, Bd. 4, Nr. 14

ddp/wissenschaft.de ? Mareile Müller-Merbach
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