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Geschichte|Archäologie Gesellschaft|Psychologie

Kommunikation ist nicht nur bei makelloser Grammatik erfolgreich

Im Grunde ist das Bemühen, eine Fremdsprache möglichst perfekt zu sprechen, verlorene Liebesmüh, denn die Quasi-Muttersprachlichkeit erreicht man damit erst recht nicht. Das ist die These des Computerlinguisten Christopher Manning von der Stanford University, der sie auf der Jahrestagung der “American Association for the Advancement of Science (AAAS)” Mitte Februar vorstellte. Mannings Begründung: Nur Sprachlerner haben eine makellose Grammatik. Muttersprachler gehen mit der Grammatik ihrer Sprache eher nachlässig um. Das aber reiche für eine funktionierende Kommunikation völlig aus, meint der Wissenschaftler.

Natürlich könnte man sagen “Dass wir im nächsten Jahr das Inventar reduzieren und die Preise senken müssen, ist sicher” – doch kaum jemand redet so. Die meisten Menschen würden den Hauptsatz an den Anfang stellen: “Es ist sicher, dass …”, erst recht wenn dieser kürzer ist als der Nebensatz.

Manning hat ein riesiges Korpus englischer Texte aus dem Internet zusammengetragen, darunter amtssprachliche Texte, klassische Literatur, Zeitungsartikel und Chat-Dialoge. Er stellte fest, dass in der Kommunikation die Menschen ihre Sätze so strukturieren, wie es sich für das gegenseitige Verständnis bewährt hat. So sagt man beispielsweise “Bacon and eggs”, obwohl man genauso gut “Eggs and bacon” sagen könnte. “Eggs and bacon” kommt in den von Manning untersuchten Texten zwar auch vor, aber deutlich seltener. Eine Wortverbindung, so Manning, werde nicht deshalb als wenig oder gar nicht akzeptabel empfunden, weil sie die Norm verletze, sondern weil sie dem optimalen Kommunikationsfluss hinderlich sei.

Um den Kommunikationsfluss zu gewährleisten und aufrechtzuerhalten, rekonstruiert das menschliche Gehirn in widrigen Situationen – wie etwa bei einer Unterhaltung in einer lauten Bar – Satzteile, die akustisch nicht aufgenommen wurden. Das ist vor allem deshalb möglich, weil Menschen, die miteinander reden “davon ausgehen, dass der Gesprächspartner das meiste von dem weiß, was man auch selbst weiß. Beide wissen, wie die Welt funktioniert und was gerade geschehen ist”, so Manning. Darum reichen wenige Hinweise aus, um eine Äußerung verstehbar zu machen.

Manning sieht seine Erkenntnisse unter anderem als nützlich für die Entwicklung von spracherkennenden Computersystemen an. Hier müssten jedoch Instrumentarien für die Auflösung von Mehrdeutigkeiten geschaffen werden. Denn während Menschen meistens in der Lage sind, bei mehrdeutigen oder undeutlichen Äußerungen auf das Wahrscheinlichere zu tippen, kann dies ein Computer nicht. Sagt man einem elektronischen Börsenbroker etwa “Kaufe 200 Aktien von Yahoo bei 50 Dollar” und durch undeutliche Aussprache wird fraglich, ob “kaufe” oder “verkaufe” gemeint ist, dann kann der Computer diese Unklarheit nicht so einfach beseitigen. Hier müsste ein Computer etwa so programmiert werden, dass er auf mögliche Mehrdeutigkeiten mit der bitte um Klärung reagiert: “Ich bin nicht sicher, ob Sie die Aktien kaufen oder verkaufen möchten. Bitte um Klarstellung.”

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