Kunst zwischen Küste und Kordillere - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Kunst zwischen Küste und Kordillere

In Südamerika gab es viel mehr als die Inka. Ein großformatiger Bildband zeigt überraschende Details.

Die verschwenderische Fülle exquisiter Fotos aus allen Bereichen der Anden-Kulturen zieht hinein in die fremde Welt. Dabei geben die knapp gehaltenen Texte einen guten Einblick in die Facetten von mindestens 3000 Jahren andiner Hochkultur.

Das Buch macht klar, dass die Inka nur die zivilisatorischen, kulturellen und künstlerischen Errungenschaften der großen und kleineren Vorgängerreiche bündelten, die sich alle gegen eine unwirtliche Umwelt – Küstenwüste, Hochgebirge – durchsetzen mussten. Diese allesamt schriftlosen Kulturen haben Staunenswertes geschaffen in Architektur, Textilkunst, Goldschmiederei, Keramik und Landwirtschaft.

Aus all diesen Bereichen liefern die großformatigen Bilder herausragende Beispiele – einfühlsam und teilweise aus überraschender Perspektive fotografiert. So werden die Details der mythologisch bemalten oder mit Figuren skulptierten Tongefäße lebendig. Die Fotos zeigen die Architektur in der Naturkulisse der Anden – Heiligtümer, Vorratslager, Kastelle – in all ihrer Großartigkeit. Eindrucksvoll sind die Darstellungen der Textilien, von denen viele im Wüstenklima der peruanischen Küste erhalten geblieben sind. Wie vielfarbig und figurenreich ein so spröder Untergrund wie Gewebe künstlerisch veredelt werden kann, erstaunt bei jedem Bild aufs Neue. Die Goldschmiede der Andenreiche beherrschten ihr Material und ihr Handwerk perfekt: ob Ohrpflock oder Ritualmesser, Maske oder Gefäß – überall fanden sie noch ein Plätzchen für eine Perle, Rosette oder Figur.

Die Texte der Autoren – italienische Ethnologen und Archäologen – passen die Bilder geschickt in die Lebenswelt der andinen Kulturen ein, so weit diese bekannt oder erforscht sind. Doch wegen der fehlenden schriftlichen Überlieferung bleibt notgedrungen vieles im Bereich von Spekulation und Interpretation. Hier arbeiten die Schreiber manchmal mit einem allzu selbstbewussten Anspruch auf exaktes Wissen. Und es ist natürlich ein Manko, dass der sensationelle Fund von Caral, der vermutlich ältesten Siedlung Amerikas (siehe bild der wissenschaft 4/2006, „Streit um Amerikas erste Hochkultur“), nur mit ein paar Zeilen erwähnt wird.

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Fabio Bourbon, Claudio Cavatrunci (Hrsg.) PERU – DIE INKA UND IHRE VORLÄUFER Hirmer, München 2005 320 S., € 75,– ISBN 3-7774-2575-3

Michael Zick, langjähriger bdw- Redakteur für Kulturwissenschaften

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