Kurios: Grab einer Esel-Polo-Spielerin - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Kurios: Grab einer Esel-Polo-Spielerin

Esel waren im kaiserlichen China nicht nur Lasttiere. (George-Standen/iStock)

Esel als Grabbeigabe: Funde aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. belegen, dass im kaiserlichen China adlige Damen Polo auf Eseln spielten. Die Überreste der Tiere im Grab einer Edelfrau passen demnach zu schriftlichen Überlieferungen über auf Eseln reitende Polo-Spielerinnen in der Ära der Tang-Dynastie.

Bei Polo denken die meisten wahrscheinlich an die britische Oberschicht – doch entstanden ist die ungewöhnliche Sportart nicht in Europa: Die ältesten bekannten Hinweise auf Ballspiele vom Sattel aus stammen aus dem antiken Persien. Später avancierte Polo dann im kaiserlichen China zum Hit: Zahlreiche Überlieferungen und Darstellungen belegen die große Bedeutung dieses Zeitvertreibs in der Oberschicht während der Herrschaft der Tang-Kaiser, die von 618 bis 907 n. Chr. das Land der Mitte regierten.

Aus der Kunst dieser Zeit sind zwar nur Abbildungen von Polospielen mit Pferden bekannt, doch wie schriftliche Überlieferungen belegen, wurden auch Esel eingesetzt. Der Grund dafür war die geringere Verletzungsgefahr bei Stürzen durch den Einsatz der vergleichsweise kleinen Reittiere. Aus Texten der Tang-Dynastie geht hervor, dass neben älteren Männern auch einige adelige Frauen Esel-Polo spielten. Wie das internationale Forscherteam berichtet, bestätigt ihre Studie diese Überlieferungen nun erstmals durch archäologische Funde.

Eselsknochen in einem Adelsgrab?

Sie stammen aus dem Grab der adeligen Dame Cui Shi, das sich in der chinesischen Stadt Xi’an befindet, die einst das Zentrum des Tang-Reiches bildete. Es ist bekannt, dass Cui Shi die Gemahlin des einflussreichen Edelmanns Bao Gao war und im Jahr 878 n. Chr. im Alter von 59 Jahren gestorben ist. Wie die Wissenschaftler berichten, wurden neben zahlreichen weiteren Funden auch Tierknochen in der Grabstätte entdeckt, die sie im Rahmen ihrer Studie genauer untersucht haben.

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Es zeigte sich, dass es sich um Überreste von Eseln handelt. Dieser Befund erschien zunächst überraschend: Warum wurde die adelige Frau mit diesen wenig angesehenen Arbeitstieren bestattet? „Es schien keinen Grund zu geben, warum eine Frau wie Cui Shi einen Bezug zu Eseln gehabt haben könnte, oder warum diese Tiere für ihr Leben nach dem Tod geopfert wurden“, sagt der Hauptautor der Studie Songmei Hu von der Shaanxi Academy of Archaeology in Xi’an. Doch vor dem Hintergrund der historischen Überlieferungen ergab sich die plausible Erklärung.

Polo-Esel fürs Jenseits

Wie die Forscher berichten, lieferten auch Spuren bestimmter Belastungsmuster an den Eselsknochen Hinweise darauf, dass die Tiere einst beim Polospielen zum Einsatz gekommen waren. Als einen weiteren Hinweis werten Hu und seine Kollegen, dass der Ehemann der Cui Shi Überlieferungen zufolge ein erfolgreicher Polo-Spieler gewesen ist: Er wurde wegen seiner sportlichen Leistungen sogar vom Kaiser Xizong zum General befördert.

Die Forscher kommen deshalb zu dem Schluss, dass Cui Shi eine begeisterte Esel-Polo-Spielerin war. Damit sie auch im Jenseits ihren Lieblingssport fortsetzen konnte, wurden ihr deshalb Polo-Esel als Grabbeigabe gewidmet, so die Erklärung. „Die Esel, die in dem Adelsgrab der Tang-Dynastie beigesetzt wurden, belegen nun eine interessante Rolle, die diese Tiere neben ihrer Funktion als Lastenträger in der ostasiatischen Gesellschaft gespielt haben“, resümiert Co-Autorin Fiona Marshall von der Washington University in St. Louis.

Quelle: Washington University in St. Louis, Fachartikel: Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2020.6

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